Systemkunde.
33
De Candolle beibehielt; dann Friedr. Gottl. Bartling, Professor undDirector des botanischen Gartens in Göttingen, im Jahr >830, der eine Ver-besserung des Jussieu'schen und De Candolle'schen Systems, mit theil-weiser Verbindung beider Systeme, versuchte und die auf 255 vermehrtenFamilien unter 60 Ordnungen (von ihm ebenfalls Classen genannt) vertheilte.Andere aus den Grund der beiden eben genannten errichtete Systeme gaben,unter Anderen noch: von 1829—1833 H einr. Friedr. Link, früher Professorzu Rostock, dann zu Breslau, später zu Berlin und Director des botanischenGartens daselbst, ein eben so unermüdlicher als geistreicher Forscher, der sichdurch Bearbeitung der meisten Fächer der Botanik seit einer langen Reihe vonJahren große Verdienste erworben; im Jahre 1833—1836 John Lindley,Professor zu London, ein sehr thätiger Beobachter und Schriftsteller; im Jahre1835 Elias Magnus Fries, Professor früher zu Lund, dann zu Upsala,ein eben so genauer und scharfsinniger Naturbeobachter als geistreicher Schrift-steller, welchem wir, außer vielen anderen trefflichen Werken, besonders mehrereüber die schwedische Flora und über die Pilz - und Flechtenkunde verdanken.Die beiden letztgenannten Autoren weichen aber darin von ihren Vorgängern ab,daß sie für die höheren Abtheilungen des Pflanzenreiches gewisse feststehendeZahlenverhältnisse annehmen, wodurch sie es nicht vermeiden konnten, bei Ein-reihung der Familien der Natur öfters Zwang anzuthun. Dieses ist aber nochweit mehr der Fall bei dem eigenthümlichen Systeme, welches L. Oken, früherProfessor zu Jena und München, dann zu Zürich, zwar mit großer Genialität,aber ohne gründliche Kenntniß der Pflanzenwelt, von der Idee einer morpholo-gischen Wiederholung und Steigerung in der äußern Vollendung der Pflanzeausgehend, construirte und seit 1810 in mehrmals veränderter Gestalt bekanntmachte, — so daß darin nach einander die Zahlen 5, 10, 13 und 16 dieHauptrolle spielen, je nachdem der Pflanze von Oken allmälig mehr Organezugetheilt wurden, deren jedes eine Pflanzen-Claffe zu repräsentiren hat. Ob-gleich dieses System, dessen Urheber übrigens durch seine Schriften und beson-ders auch durch die Gründung der Jahresversammlungen deutscher Naturforscherund Aerzte einst viel zum Aufschwünge der Naturwissenschaften beitrug, einegeraume Zeit hindurch bei den Laien in großem Ansehen stand, so konnte esdoch bei den Männern der Wissenschaft nie Eingang finden, weil es in seinemstarren Rahmen eine naturgemäße Einreihung der Familien unmöglich machte.Ein ähnlicher Zahlenzwang findet sich in dem aus den Grund der anatomischen,Morphologischen und physiologischen Entwickelung der Pflanze errichteten Systemevon H. G. Ludw. Reichenbach, ehedem in Leipzig, später Professor undDirector des botanischen Gartens zu Dresden, ausgezeichnet als sehr gelehrterPflanzenforscher und ungemein produktiver Schriftsteller, der aber trotz seinerumfassenden speciellen Pflanzenkenntniß nicht vermochte, dem Zahlenspiele seinesSystemes, in welchem 3 und 8 das Scepter führen, die Familien in consequenterund natürlicher Gruppirung unterzuordnen. Demungeachtet hat aber doch seinSystem hie und da in Deutschland Anhänger gefunden. Von den übrigennatürlichen Systemen, welche noch in der neuern Zeit aufgestellt wurden, zumTheil aber nur geringe Beachtung fanden, ist nur noch das von Franz Ung er,frühern Phyfikus zu Kitzbühel in Tyrol, später Professor am Johanneum zu Gratzin Steyermark — erdachte System hervorzuheben, nach welchem Stephan End-licher, Professor zu Wien, sein wichtiges (in den Jahren 1836—1840 erschie-nenes) Werk über die Pflanzengattungen geordnet bat.
In diesem Systeme sind die obersten Abtheilungen auf die Art undHauptrichtung des Wachsthums, die weiteren Abtheilungen aber auf ver-diene Encyklopädie. Band m. Nro. 1. b. 3