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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Botanik.

s. Beschreibungslehre oder Phytographre.

Zur Bezeichnung einer Pflanze gehört zuvörderst ein Name; zur Kenntlich-machung derselben für Andere auch eine unmittelbare Anschauungihre Beschrei-bung. Beide müssen in der Wissenschaft nach bestimmten Regeln gebildet sein. DiePflanzennamen der alten Griechen und Römer waren meist gut und verständlich, weilsie aus der Volkssprache genommen und einfach waren; es gab deren auch nurwenige, weil man nur die beim Volke bekannten Pflanzen beachtete. Späteraber, nachdem man allmälig mehr Pflanzen kennen lernte, zumal seit dem An-fange des 16. Jahrhunderts, wo in verschiedenen Ländern und Gegenden dieZahl der Pflanzcnforscher sich vermehrte, die zum Theil unbekümmert um einan-der und ohne gegenseitige Verständigung ihre Werke ausarbeiteten, entstand end-lich eine Masse von Namen, die entweder aus der Volkssprache entlehnt oderganz willkürlich nach einer entfernten Ähnlichkeit der Pflanzen mit anderen Ge-genständen und nach sonstigen unwesentlichen Verhältnissen gebildet waren, undso war bis zum Ende des 17. Jahrhunderts eine unbeschreibliche Verwirrungin die Nomenclatur der Pflanzen eingeriffen, bei welcher, nach Linnä's kerni-gem Ausdrucke,größtenteils Barbarei die Mutter, Autorität der Vater undVorurtheil die Amme waren." Zur Lichtung dieses Chaos hatte zwar schon derscharfsinnige Joach. Jung (in seiner früher erwähnten Schrift) manche treffendeAndeutungengegeben. Indessen war an eine wirklich wissenschaftliche Bezeichnungs-weise nicht zu denken, so lange noch keine systematische Ordnung und überhauptkeine sicheren Regeln und Gesetze bei Aufzählung der bekannten Pflanzen bestan-den, besonders aber bevor nicht die Begriffe von Gattung und Art festgestelltwaren. So fingen auch erst am Ende des genannten Jahrhunderts RivinusundTournefort gleichzeitig an, den von ihnen unterschiedenen Gattungen bestimmteNamen zu geben; wie aber jeder seine Gattungen anders begrenzte, so fielenauch bei Beiden die Namen sehr verschieden aus, und die Botaniker geriehenin Zweifel, wessen Nomenclatur sie befolgen sollten, bis die Tournefort'schen Gat-tungen den Sieg davon trugen und damit auch die Namen derselben mehr allgemeinangenommen wurden. Tournefort hatte schon im Jahre 1694 das Gesetz'ausgesprochen, daß für jede Pflanzenart der Gattungsname vorauszustellensei und daß diesem dann die Bezeichnung der Art folgen solle. Diese Bezeich-nung bestand aber bei ihm noch nicht in einem bestimmten einzelnen Namen fürjede Art, sondern in einer kurzen Phrase oder Definition, welche den Unter-schied von den übrigen Arten derselben Gattung ausdrücken sollte. Linns gab in seiner Oritioa Iiotnnisn (im Jahre 1737) bestimmtere Regeln für dieBildung der Gattungsnamen, wie solche heute noch größtentheils gelten, undsprach das Gesetz deutlicher aus,daß jede Gattung ihren besondern Namen er-halten muß, welcher allen Arten der Gattung gemeinschaftlich zukommt." Unterden Artennamen, noininn spseiüos., verstand er aber auch nur solche Phra-sen, welche in einer bündigen und klaren Angabe der unterscheidenden Merkmalebestehen sollten. Daher sind auch in. seinen ersten phytographischen Schriftenund selbst noch in der ersten Ausgabe seiner b'Iorn suseioa (vom Jahre 1745)die Arten nur mit einer solchen, hinter dem Gattungsnamen stehenden Phrasebezeichnet, und erst im Jahre 1747 kommen bei ihm bestimmte Artennamen vor(in seiner Dissertation: dlovn plantarnin Zsnsrn, s. ^mosnit. nenä.. 3. I. p.381). Allgemein durchgeführt finden wir aber erst sechs Jahre später (in sei-nen Lpssiss Mntarnin) diese einzelnen Artennamen, die er Trivialnamen,nowinn trlvinlig,, nannte, zum Unterschiede von dem, was er unter Artennameverstand, d. h. von der jede Pflanzenart unterscheidenden Phrase oder der we-