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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Botanik.

vollständigste Beschreibung nebst Abbildung der Arten gibt. LronAuinit, Listoirs Sss-räxetnux kossilss" ste. ksris, 1828 - 1844 (4). 2 Läe; wird fortgesetzt. Ein synoptischesWerk, welches die Gattungen mit ihren Diagnosen, die Arten aber nur namentlich, mit ihrenSynonymen und der Angabe ihrer Fundorte, enthält, istl?r. vvZsi, Szmoxsis xl-rutaruiuwssilium". Inxsins, 1845 (8).

Die Diagnostik wurde so, wie sie von Linnä gelehrt worden, von seinenSchülern und Nachfolgern lange Zeit hindurch als der hauptsächlichste Theil derBotanik betrachtet. Ja, es kam so weit, daß die Meisten diesen Zweig für denInbegriff der ganzen Botanik nahmen, und die Linnä'sche Schule hielt sich soblindlings an seine Worte, daß sie die geringste Abweichung davon als eine ArtKetzerei ansah. Man hatte den Geist des großen Meisters so wenig begriffen,daß man mit seinen Leistungen die ganze Wissenschaft abgeschlossen glaubte. Alsunmittelbar nach dessen Tode der Engländer Jam. Edw. Smith sein Herbariumgekauft und eingeschifft hatte, um es in sein Vaterland zu führen, ließ sogar derKönig von Schweden (Gustav III.) dasselbe durch ein Kriegsschiff, jedoch ver-geblich, verfolgen, um dessen wieder habhaft zu werden, weil man wähnte, indieser Reliquie müsse Linnä's Geist wohnen. Unter solchen Umständen war einehöhere Ausbildung der Wissenschaft nicht möglich, und die Keime dazu ent-wickelten sich auch keinesweges durch die genannte Schule, sondern anderwärts,nämlich durch das natürliche System Jussieu's, mit welchem allmälig ein freiererGeist der Forschung nicht bloß in die Diagnostik, sondern auch in die übrigenZweige der Botanik einkehrte.

Der andere Theil der Phytognosie oder die Verbreitungslehre bliebindessen, obgleich ebenfalls von Linnä mehrseitig angeregt, durch das ganze vorigeJahrhundert fast unbeachtet und erhielt erst in dem gegenwärtigen Jahrhundertseine wissenschaftliche Begründung. Zu dieser Lehre gehört, wie Eingangs er-wähnt, zuvörderst:

4. Die Pflanzen-Geographie.

Ueber die Veränderungen der Vegetation nach der verschiedenen Höhe überder MeeresflZche hatte zwar schon Tournefort, nachdem er bei Besteigung desArarat's darauf aufmerksam geworden, einzelne Andeutungen in dem Berichteseiner morgenländischen Reise (im Jahre 1718) gegeben; bestimmter ward schonvon Linne in seiner Flora von Lappland (1737) und in mehreren Abhandlungen(Oratio äs telluris babitabilis inersinonto, 1743; Ltatioiies pl-mtarum, 1754)auf dieselben, so wie auf die verschiedene durch den Standort bedingte Beschaf-fenheit der Pflanzen hingewiesen, und von Giraud-Soulavie sogar schon derVersuch' zu einer pflanzengeographischen Eintheilung des südlichen Frankreichsgemacht; aber erst mit dem Eintritte unsers Jahrhunderts wurde der Pflanzen-Geographie die verdiente Beachtung zu Theil, und nachdem von Friedr. Stro-meyer durch seine Abhandlung (Oisssrtntio inaux. sistsns kistorlns xeoKropdieasLpsoimsn. OottinAÄS, 1800), worin er die Grenzen der Pflanzenwelt besprach,und von Gottfr. Reinhold Treviranus, der zuerst (im 2. Bande seinerBiologie oder Philosophie der lebenden Natur". Gött. 1803) die Vertheilungder Pflanzenfamilien genauer in's Auge faßte, der erste Anstoß gegeben war,schritt dieser Zweig der Pflanzenkunde durch die Bemühungen vieler tüchtigenForscher, unter welchen hauptsächlich Alex. von Humboldt, Leop. von Buch,der Schwede Georg Wahlenberg, A. P. de Candol.le, Robert Brown