Pflanzen - Geographie.
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und der Däne Joakim Frederik Schouw zu nennen sind, rasch seiner wissen-schaftlichen Entwickelung entgegen.
Die Aufgabe der Pflanzen-Geographie besteht nicht nur in der Nachweisungder verschiedenen Beziehungen der Pflanzen zur Erdoberfläche oder der Ver-hältnisse ihrer gegenwärtigen Verbreitung und Vertheilung, sondern auch in derErmittelung der Ursachen oder der auf diese Verhältnisse einwirkenden äußerenEinflüsse. Vergleichen wir in dieser Hinsicht die einzelnen Pflanzenarten, sofällt uns zuerst ihr durch die besonderen Ortsverhältnisse, d. h. durch die Be-schaffenheit des Bodens, das umgebende Medium und den verschiedenen Einflußdes Lichtes bedingtes Vorkommen oder ihr Standort, statio, in die Augen.Verfolgen wir das Vorkommen einer Pflanzenart (oder auch einer Gattung undFamilie) in Bezug auf den Raum der Erdoberfläche, innerhalb dessen dieselbeangetroffen wird, so erhalten wir ihren Verbreitungs-Bezirk, argg, extsn-sionis. Beachten wir endlich die gegenseitigen räumlichen Beziehungen, in welchendie Individuen, Arten, Gattungen u. s. w. bei ihrer Verbreitung über die Erdezu einander stehen, so ergibt sich ihre Vertheilung, äistrlbutio.
Es gibt sehr viele Pflanzen, welche ausschließlich oder vorzugsweise auf einembestimmten Standorte gedeihen. Dabei wird ihr Vorkommen entweder durchden Aggregat-Zustand, die chemische Beschaffenheit und den herrschenden Feuchtig-keitsgrad des Bodens bedingt, wonach man Felsen- und Geschiebepflanzen, Kies-und Sandpflanzen, Kalk-, Salz- und Torfpflanzen, Pflanzen des trockenen Bodensund Sumpfpflanzen u. s. w. unterscheidet, oder es ist von dem umgebenden Mediumabhängig, worauf der Unterschied von Land- und Wasserpflanzen, von unterirdischenPflanzen (z. B. die Trüffel) und Luftpflanzen (z. B. Stein- und Baumflechten)beruht, oder es wird durch die stärkere oder geringere Einwirkung des Lichtes be-stimmt, wonach es Pflanzen des lichten oder offenen und des beschatteten Bodens(Wald- und Hainpflanzen) und Höhlen- oder Grubenpflanzen gibt. Selbst lebendePflanzen können anderen zum Standorte dienen, wo man die Letzteren dann alsSchmarotzer-Pflanzen bezeichnet, und zwar als ächte Schmarotzer, wenn sie zugleichaus der von ihnen eingenommenen Pflanze ihre Nahrung ziehen, wie der Mistelund die Flachsseide, oder als falsche oder nnächte Schmarotzer, wenn sie nuroberflächlich angeheftet sind und keine Nahrung aus der sie tragenden Pflanze ein-sangen, wie die auf der abgestorbenen äußern Rindenschichte der Bäume wachsendenFlechten und Moose. Die Kenntniß der Standorte ist wichtig nicht allein für denBotaniker, um die Pflanzen mit Sicherheit in der freien Natur auffinden undbeobachten zu können, sondern auch und in noch höherm Grade für den Feld- undGartenbau, weil es ohne Bekanntschaft mit dem natürlichen Standorte unmöglichist, einer cultivirten Pflanze die zu ihrem vollständigen Gedeihen nöthigen Be-dingungen, nämlich den ihr zusagenden Boden und das gehörige Maß von Feuchtig-keit und Licht, zu geben. Dieses gilt insbesondere für die botanischen Gärten, wozumal bei ausländischen Pflanzen alle Cultur-Versuche fehlschlagen, wenn man ihnen,aus Unkunde ihres natürlichen Standortes, die erwähnten Bedingungen nicht ver-schaffen kann. Dabei darf man nicht immer von dem für eine Art bekanntenStandorte auf den einer andern schließen, weil es häufig vorkommt, daß die Arteneiner Familie oder selbst der nämlichen Gattung auf sehr verschiedenen Standortengefunden werden, wie die Ranunkeln, von welchen manche Arten auf trockenenlichten Stellen, andere an bedeckten, schattigen Orten, wieder andere in feuchtemund sumpfigem Boden oder selbst im Wasser wachsen. Weit geringer ist die Anzahlsolcher Arten, welche auf verschiedenen Standorten und Bodenarten gleich gut ge-deihen, wo sie aber auch zum Theil nach der Verschiedenheit ihres Standortes ihrAnsehen so sehr verändern, daß man ihre Spielarten, ohne genauere Prüfung,