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Botanik.
Ebenen nnd Niederungen eine Menge Pflanzen gibt, welche niemals auf Ge-birgen wachsen, und umgekehrt, daß sich also keinesweges die Verbreitungder Vegetation aus einer Wanderung bloßer Gebirgspflanzen erklären läßt.Willdenow deutet aber schon auf das Vorhandensein von Trümmern einerzerstörten Schöpfung hin, woraus Blumenbach, Bätsch, Lichtenberg,Cuvier und andere berühmte Naturforscher damals bereits den Schluß gezo-gen hatten, daß wenigstens eine organische Schöpfung untergegangen und daßdie gegenwärtige neuerer Entstehung sei. Die bis zur neuesten Zeit fortgesetztenForschungen haben gelehrt, daß vor Erschaffung der Menschen nicht nur eine,sondern mehrere (Thier- nnd) Pflauzenschöpfuugen vorhanden waren und wiederzerstört wurden. Daher zerfällt die Geschichte der Pflanzen in zwei große Zeit-räume, wovon die erste die urweltliche Zeit vor dem Auftreten des Menschenge-schlechtes umfaßt, und der zweite die geschichtliche Zeit von der Erscheinung desMenschengeschlechtes bis aus unsere Tage begreift.
Die urweltliche Pflanzengeschichte steht mit-der Urgeschichte der Erde,zumal mit den Veränderungen, welche die Erdrinde vor der geschichtlichen Zeiterlitten hat, in nächstem Zusammenhange. Sie bildet einen Theil der Geologie,und kann daher hier nur in aller Kürze und insoweit berührt werden,-als siemit der Geschichte der jetztweltlichen Pflanzen in Beziehung steht. Der sehr großeZeitraum, welchen diese urweltliche Geschichte umfaßt, läßt sich (nach Bronn)entsprechend der Reihenfolge der Gebirgsschichten — nach deren petrographischenMerkmalen, und hauptsächlich nach den Verschiedenheiten ihrer organischen Ein-schlüsse —- in fünf Perioden abtheilen, deren jede wieder in mehrere Gruppenzerfällt, und die sich nach ihrem Alter folgender Weise aneinander reihen: (.Pe-riode, Kohlengebirge (mit 3 Gruppen: Thonschiefergruppe, Kohlen- oder Berg-kalkgruppe und Kupferschiefergruppe); 2. Periode, Salzgebirge (mit 2 Gruppen:Muschelkalk- und Keupergruppe); 3. Periode, Oolithgebirge'(mit 4 Gruppen:Liasgruppe, untere, mittlere und obere Juragruppe); 4. Periode, Kreidegebirge(mit 4 Gruppen: Eisensandgruppe, Grünsandgruppe, weiße Kreide und Kreide-tuff); 5. Periode, Molassengebirge — Tertiär- und Quartär-Formationen (mit3 Gruppen: Grobkalk-, Tegel- und Alluvial-Gruppe). Jede dieser Gebirgsschich-ten schließt Ueberbleibsel von Pflanzen ein, welche zu der Zeit, als sich die Schichteablagerte, auf der Erde vorhanden waren, und läßt uns dadurch den allgemeinenCharakter der in ihr untergegangenen Vegetation errathen. Es ist zwar mitSicherheit anzunehmen, daß bei Weitem nicht von allen jeweils vorhanden gewe-senen Pflanzenarten Ueberreste sich erhielten; aber selbst aus den sparsam erhal-tenen (es sind bis jetzt in Allem nur etwas über 2000 fossile Pflanzenarten bekannt)lassen sich doch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit manche interessante Schlüsse ziehen.So finden sich in den ältesten Gebirgsschichten der ersten Periode nur Reste undAbdrücke von Meeralgen, welchen sich erst von der Grauwacke und dem Grau-wackenschieser an kryptogamische Gefäßpflanzen beigesellen, und noch später, vondem Kohlensandstein (mit der Steinkohle und dem Kohlenschiefer) an, mischen sichunter die baumartigen Schafthalme, Farne und Lykopodiaceen auch Palmen undNadelhölzer, mit verschiedenen Gräsern und wirtelblätterigen Wasser- oder Sumpf-pflanzen. In dieser Periode scheint die Flora im Ganzen noch ziemlich einförmiggewesen zu sein, indem wenige Gattungen und Arten auf weite Strecken und inzahllosen Individuen den Boden bekleideten. In den zwei folgenden Periodenfinden sich allmälig mehr Formen von monokotyledonischen Pflanzen dazu, bisin der vierten Periode die ersten Blätter von wahren Dikotyledoneen sich zeigen,aber in der fünften Periode erst die Pflanzen der letztgenannten Abtheilung vorzüg-lich in vielen holzigen Arten als die vorherrschenden auftreten, wie dann über-