Pflanzengeschichte.
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Haupt in dieser letzten Periode die fremdartigen früheren Gattungen verschwundenund an deren Stelle andere, denen der Jetztwelt mehr verwandte Pflanzenformengetreten sind.
Die Gleichförmigkeit und Uebereinstimmung der in den ältesten Gebirgs-schichten enthaltenen fossilen Pflanzenreste deutet unleugbar darauf hin, daß aufder damals noch jugendlichen Erde ein ziemlich gleiches Klima herrschte, unddaß die klimatische Verschiedenheit der Zonen sich erst mit den späteren Bildungs-Perioden allmälig hergestellt habe. Aus dem Umstände, daß sich auch in äusserengemäßigten und kalten Zonen aus jener Zeit die Ueberreste solcher Pflanzenvorfinden, deren entsprechende Formen jetzt nur noch den heißen Zonen ange-hören, und welche, allem Anscheine nach, ebenfalls nur in einem dem tropischenähnlichen Klima gedeihen konnten, .müssen wir schließen, daß ursprünglich auchdie höheren geographischen Breiten eine weit höhere Temperatur besaßen, die sichnach und nach in den verschiedenen Perioden bis auf die der Jetztzeit vermin-derte. Der Mangel aller Landpflanzen in den ältesten Schichten der erstenPeriode (dem Thonschiefer und Uebergangskalk) läßt vermuthen, daß währendder Bildung dieser Gesteine noch kein Festland vorhanden, und die ganze Erd-oberfläche noch vom Ocean überfluthet war; erst mit der Bildung der folgendenSchichten scheint sich das Land über die Wasserfläche erhoben zu haben, zuerstin kleinen, zerstreuten Inseln, die sich langsam vergrößerten und endlich zu Kon-tinenten verschmolzen. Die ersten Landpflanzen sind noch solche, die auf einensehr feuchten Zustand des Bodens und der Atmosphäre schließen lassen, wäh-rend die der späteren Perioden zugleich neben der verminderten Temperaturauch eine Abnahme der Feuchtigkeit verrathen. Aus der Vergleichung der ver-schiedenen Gebirgsschichten erlangen wir ferner die Ueberzeugung, daß ihre Ab-lagerung in getrennten, weit auseinander gelegenen Zeiträumen müsse stattge-funden haben, daß also auch die verschiedenen, der jetztweltlichen Begetationvorangegangenen Pflanzenschöpfungen, deren Grabesstätte jene Schichten bilden,nur in langen, durch Jahrtausende zu messenden Zwischenräumen auf einanderfolgten. Aus der. von Periode zu Periode sich steigernden Mannigfaltigkeit,bei stets höherer Entwickelung der Vegetation im Allgemeinen, erkennen wirendlich den genauen Zusammenhang der organischen Schöpfung mit den verschie-denen Bildungs-Perioden der Erdrinde, durch welche jedesmal der Charakterdieser Schöpfung bestimmt wurde, der sich stufenweise immer mehr dem derjetzt lebenden näherte.
Gegen die herrschende Annahme, daß die Veränderungen, welche die Be-schaffenheit der Erdoberfläche zu verschiedenen Zeiten in großen Zwischenräumenerfahren hat, von einer Zerstörung der jedesmal vorhandenen, und von einer Schö-pfung neuer Arten von organischen Wesen begleitet gewesen seien, wurde zwarvon verschiedenen Seiten (z. B. von v. Hoff) die Meinung ausgesprochen,daß diese Veränderungen auch nur durch die allmälige, während ^ sehr großerZeiträume fortdauernde Wirksamkeit derselben Naturkräfte, wie solche noch jetztvor unseren Augen thätig sind, hervorgebracht sein könnten, und dann weiter(zumal von d'Omalins d'-Halloy) die Ansicht vertheidigt, daß die jetztlebenden Organismen bloß durch fortgesetzte Zeugung von denen der ersten Zei-ten abstammen, daß sich der ursprüngliche Typus derselben während des Zeiten-lauses — durch die Veränderungen, welche Temperatur und Beschaffenheit derumgebenden Medien erfuhren — stufenweise ebenfalls verändern konnte, undman nicht nöthig habe, zur Erklärung der abweichenden Typen, welche Thiereund Pflanzen verschiedener Zeiträume zeigen, mehrere auf einander folgendeSchöpfungen anzunehmen; aber die Gründe, welche zur Unterstützung dieser