Gestaltlehre.
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in dem bei Weitem häufigern Falle aber, wo die Nebenblätter nicht ihr eigenes,sondern das folgende jüngere Blatt umhüllen, erfolgt ihre Entstehung wohlin der Regel erst, nachdem die Spitze des Hauptblattes neben dem Achsengipselbereits angelegt ist. Soviel steht fest, daß bei dem Ausschlagen der Knospe dieNebenblätter immer vor den Hauptblättern ihre völlige Ausbildung erreichenund oft schon verwelkt oder sogar abgefallen sind, bevor diese sich vollständigentfaltet haben. Bei den mit Nebenblättern versehenen Pflanzen bestehen dieuntersten, meist schnppenförmigen Blatt-Organe der Haupt- und Nebenachsenvielleicht ohne Ausnahme aus Nebenblättern, zwischen welchen das Hauptblattentweder ganz fehlt oder nur unvollständig angedeutet ist, und erst die folgen-den Blätter zeigen nacheinander ihr Hanptblatt mehr entwickelt Gegen denBlüthenstand tritt dann gewöhnlich das umgekehrte Verhältniß em, indem dieNebenblattbildung wieder mehr überwiegt, je näher es zur Blüthenbildung kommt.Bei manchen Pflanzen mit zusammengesetzten fiedernervigen Blättern, z. B. beiden Robinieen und der Bohne, kommen am Grunde der Theilblätter ebenfallskleine Nebenblätter vor, welche jedoch bei'den Seitenblättchen einzeln indemuntern Winkel, den sie mit der Blattspindel bilden, sitzen, so daß auf jedesBlättchenpaar erst zwei derselben kommen, und nur das Endblättchen besitzt anseinem Grunde für sich allein ein Paar dieser Nebenblättchen, stipolluo,die überhaupt in einem ähnlichen Verhältnisse zur Blattspindel stehen, wie dieNebenblätter des Hauptblattes zur Achse der Pflanze. Ihre Entwickelungs-geschichte ist noch unbekannt.
Die Ursprungsstellen der einzelnen Blätter liegen entweder in verschiedenenHöhen übereinander, so daß jedes Blatt von dem andern durch ein Zwischen-stück geschieden ist — wechselständige Blätter, tolia nltsrim; oder es ent-springen mehrere Blätter in gleicher Höhe, umgeben die Achse im Kreise und bildeneinen Quirl oder Wirtel, vertieillrw -— wirbelst ändige Blätter, k. verti-eillg.ru, wo dann durch ein Zwischenstück der Achse zwei ganze Blattkreise geschiedenwerden. Je nachdem in beiden Fällen die Zwischenstücke mehr verlängert oderverkürzt sind, werden die Blätter (nach Linnch noch zerstreut, spursa, gedrängt,oonkertg, dachig, imbriogtg, und gebüschelt, taseiontgtg , genannt; außerdemhat man noch gegenständige, k. oppositu, wenn in gleicher Höhe nur zweiBlätter aus entgegengesetzten Seiten der Achse entspringen, und zweiseitswendige,f. äwtiellg, wenn überhaupt alle Blätter einer Achse nach zwei entgegengesetztenSeiten hin gerichtet sind, unterschieden. Behalten wir aber nur die Ursprungs-stellen fest im Auge, ohne uns durch die in vielen Fällen später eintretendenAbweichungen der Blattspitze von der radicalen Richtung, in welcher alle Blatt-Organe bei ihrer Entstehung von der Achse ausgehen, beirren zu lassen undohne auf das hier unwesentliche und wandelbare Läugenverhältniß der Zwischen-stücke Rücksicht zu nehmen, so können wir im Allgemeinen nur zwei ursprüng-liche Stellungen der Blatt-Organe, nämlick die Weck-selstellung und Wirtel-stellung unterscheiden. Bei jeder Wechselstellung läßt sich leicht erkennen, daßdie Blattstellen, wenn wir stets deren Mitte im Blicke behalten, in einer Schrauben-linie oder Spirale um die Achse herum liegen. Eine weitere Verfolgung dieserSpirale läßt uns erkennen, daß die Blattstellen in derselben an verschiedenen,oft auch an der nämlichen Achse nach verschiedenen, aber fest bestimmten Zahlen-verhältnissen geordnet sind, so nämlich, daß man, die Blattstellen von deruntersten oder überhaupt von einer als erste angenommenen aufwärts um dieAchse verfolgend, eine gewisse Anzahl derselben nach verschiedenen Seiten ge-richtet sieht, bis wieder eine genau über der ersten liegende, d. h. ihr gleich-stehende Blattstelle folgt. Beim Zählen von der untern bis zu der ihr gleich-