Buch 
Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
Entstehung
Seite
76
JPEG-Download
 

76

Botanik.

Gleichwie die einzeln in einer Spirale übereinander stehenden Blätter von einemuntern bis zu dem ihm gleichgestellten obern einen einfachen Blatter-Cyklusbilden, so stellen auch die alternirenden Quirle von einem untern bis zu demihm gleichgestellten obern Quirle einen Wirtel-Cyklus dar, in welchem dieMaße für die Abstandswinkel der gleichnamigen Blätter ähnliche Zahlenreiheybilden, wie für die Cyklen der fortlaufenden Spiralstcllung, nur daß bei demUebergange vom letzten Blatte des einen Quirls zum ersten des andern einWeiterrücken Statt hat mit einem gewissen Zusätze (Prosenthese) zu demMaße der Mattstellung der einzelnen Quirle, ohne welchen diese letzteren ebennie in Alternation kommen, sondern stets gleichgestellt sein würden. Wir er-kennen also überall an der Pflanzenachse eine Neigung, die Seiten-Organe ineiner spiraligen Richtung anzusetzen, wie überhaupt durch die häufig vorkommendeDrehung und schraubenförmige Windung des Stengels und schon Lurch dieBewegung des Saftes innerhalb der einzelnen Zellen und die Anlagerung ihrerVerdickungsschichten eine vorherrschende Spiral-Tendenz im Wachsthume derPflanze sich ausspricht. Der beschränkte Raum erlaubt nicht, hier weiter indie sowohl für die Morphologie als auch für die Diagnostik besonders wichtigeLehre der Blattstellung einzugehen, deren Vertrag ohne die Anschauung einergroßem Zahl von Abbildungen und Beispielen in der Natur schwer verständlich,mit Hilfe derselben aber leicht anschaulich zu machen ist. Wir müssen daherzur weitem Belehrung den wißbegierigen Leser auf die ausführlicheren Abhand-lungen von Pros. Braun *) verweisen. Es haben zwar in neuerer Zeit nochandere Gelehrte, namentlich zwei Franzosen, die Bruder Bravais,**) überdie Gesetze der Blattstellung geschrieben; aber Keiner hat mit solcher Gründlich-keit und zugleich auf so vielfältige und treue Naturbeobachtung gestützt diewahren Gesetze nachgewiesen, wie die genannten beiden deutsche» Forscher, derenLehre gleichwohl bei unseren wissenschaftlichen Botanikern noch lange nicht die ihrgebührende Beachtung gefunden hat.

Außer der Blattstellung und unabhängig von derselben ist noch die Rich-tung der Blätter zu betrachten. Diese wird bestimmt: einmal nach der Größedes Winkels, welchen die Mittellinie des Blattes mit der Achse nach Oben bildet/d. h. des Blattwinkels, der von dem stumpfen der zurückgeschlagenen Blätter(bei Oalinm vornw) bis zu dem spitzen Winkel der aufrechten Blätter lbei derKarthäuser-Nelke) alle möglichen Zwischengrößen zeigt und zuletzt nmneßbar wirdbei den sogenannten angedrückten Blättern (bei Tlmsa-Arten); sodann nach derNeigung der Blattfläche gegen die zwischen Pflanzenachse und Mittellinie desBlattes liegende Ebene /der die Mcdianebene. Hiernach ist ein Blatt hori-zontal, wenn seine ebene (obere oder untere) Fläche die Mediauebene unterrechten Winkeln schneidet (beiden allermeisten Pflanzen); schiesflächig, wennbeide Ebenen in einem spitzen und stumpfen Winkel aufeinander treffen <bei derKaiserkrone und bei ^obillon Kliponckuliim Lnru.); vertical, wenn die Blattflächein die Medianebene selbst fällt (bei den meisten Schwertlilien und den sogenanntenPhyllodien der ^ mein-Arten). Die schiesflächigen und vertikalen Blätter erhalten

*) Vergleichende Untersuchungen über die Ordnung der Schuppen au den Tannenzapfenu. s. w. (Xova g,sta Xe.. caes. u. 6. uat. Our. XIV. I. x. 195102. ferner:Dr. C. Schimper's Vortrage über die Möglichkeit eines wissenschaftb'chen Verständ-nisses der Mattstellung u. s. w. mitgetheilt von Professor vr. Al. Braun, (Floraoder allgem. bot. Zeit. >835. u. 10, II und 12).

**) I,. st X. Lravais, ölsiuoirss snr I-l ciisxosition ßsvmätrigus äss ksuillss st äss in-llorsscsusss, xisssclss ä'un resuius <lss travaux äs öl öl. Zsliiiuxsr st Braunsur Is meius snjet per 6I> Alnrtius st X. Lravnis. Baris, 1838. (8.)