Gestaltlehre.
77
ihre bezeichnete Richtung oft nur durch eine Drehung über ihrem horizontalenGrunde (wie bei der genannten ^eblllsn und bei I-uotuoa LouriolL), und dieseDrehung ist oft so stark, daß das Blatt ganz umgewendet erscheint, indem dieursprünglich untere Fläche nach oben gekehrt wird (bei ^.lstroeworm-Arten).
Die Knospen, welche schon in ihren Hauptformen in dem Abschnitte derKunstsprache charakteristrt wurden, können als verjüngende Knospen nur aufdem Gipfel und an den Seiten der Haupt- und Nebenachsen, sowohl unter als überdem Boden, sich bilden, als Brüt knospen aber nicht bloß aus den Achsen-Organen, sondern auch aus den Blättern entspringen. Die Gipfelknospen und diezerstreuten oder Nebenknospen sind von keinem Blatt-Organe unterstützt, währenddie W i n k e l- oder A;i l l a r- K n ospen, so wie die aus ihnen entwickelten Zweigeihr besonderes, der Äbstamnmngsachse angehörendes Stütz- oder Tragblatt,tolium luloisns, haben. Durch die fortgesetzte Bildung von Gipsclknospen könnensich die Achsen-Organe unbegrenzt bis zn ihrem Tode verlängern, durch wiederholtesAnsetzen neuer Seitenknospen eben so in's Unbegrenzte sich verzweigen. Wenn sichalso regelmäßig in jedem Blattwinke! eine Axillar-Knospe erzeugte, müßte einegenau der Blattstellung entsprechende Zweigstellnng entstehen. Häufig kommt esaber gar nicht zur Bildung von Gipfelknospen, wie bei Lemnaceen und an denblattförmig verbreiteten Aesten der Ruseus- und UbMantbus - Arten, oder es tritteine vorwiegende Verkümmerung der bereits angelegten Gipselknospen ein, wie betS/riilZÄ vuIZaris und aus den vorletzten, noch nicht blattartig-verbreiterten Ver-zweigungen bei UbMwtbus-Arten, oder es wird endlich dadurch, daß die Gipfel-knospe eine Biüthenknospe ist, der wettern Verlängerung aus der Achse ein Zielgesetzt, wie bei allen mit einer Gipselblüthe oder mit einem gipfelständigen Blüthen-stande abschließenden Achsen-Organen. Aehnliches geschieht mit den Winkelknospen,durch deren gänzliches Ausbleiben oder Verkümmern eine astlose Hauptachse entsteht,wie bei Baumsarneu, Palmen, Iksoplrrust» und den meisten Ouriea-Arten, oderderen häufiges theilweises Fehlschlagen eine mehr unregelmäßige Verzweigung zurFolge hat, wie wir dieses bei unzähligen Pflanzen sehen. Dagegen kommt es aberauch häufig vor, daß in dem nämlichen Blattwinkel sich mehrere Knospen bilden,von welchen gewöhnlich eine weiter entwickelt ist und als Hauptknosp e, Zourmg,primuiiu, von den übrigen oder Bei knospen, A6iulnne aeeossoriirs, unterschiedenwird. Die erstere steht immer über der Mitte der Blattstelle, die letzteren kommentheils einzeln, theils zu mehreren neben, über oder unter der Hauptknospe, oderrund um dieselbe stehend vor und entwickeln sich gewöhnlich später als diese, ofterst in einer spätern Vegetations-Periode, nachdem die Hauptknospe sich bereitszu einem Zweige entfaltet hat. Die Beiknospen unterscheiden sich von den Neben-knospen stets dadurch, daß sie demselben Winkel des Tragblattes, wie die Hgupt-knospe, angebören und nicht an unbestimmten Stellen aus einem Zwischenstückeentspringen, wie dann die Nebenknospen zum Theil schon an dem untersten, zwischender Wurzel und den Kotyledonen befindlichen Achsenstücke bei erst kürzlich aufge-keimten Pflanzen sich bilden, z. B. bei ldupkorbia Tatb^ris und Tlnsriu vuIZoris.Die Brutknospeu sind neue, auf einer ältern Achse oder auf einem Blatt-Organeentstehende, meist beblätterte Achsen, welche sich gewöhnlich noch in ihrem Knospen-zustande von ihrer Abstammungsstelle ablösen und dadurch, daß sie zu einem selbst-st ändigen Individuum sich entfalten, eine große Verwandtschaft mit dem Keiine imSamen zeigen, von welchem sie sich aber, abgesehen von ihrer verschiedenen Ent-stchungsweife, immer durch den g änzlichen Mangel einer ursprünglichen Hauptwurzelunterscheiden. Sie entstehen ebenfalls theils als Gipfelknospen, theils als winkcl-ständige und Nebenknospen. Als Gipfelknospen finden sie sich an unterirdischenNebenachsen (z. B. bei der Erdmandel) und im Blüthenstande mancher Monokotyle-