86
Botanik.
wie die zahlreichen Fälle, wo bei dem Gefülltwerden von Blüthen die Staubgefäßezu Blumenblättern geworden, zeigen auf unzweifelhafte Weise, daß die Staubge-fäße zu den Blatt-Organen gehören. Es gibt sogar Fälle, wo die Anthere gera-dezu auf einem Blatte der Blüthendecke befindlich ist (bei Viseum), und beiOrsvillea ist schwer zu bestimmen, ob vier unmittelbar die Staubbeutel tragendePerigonblätter oder vier Antheren mit unterwärts verbreiterten Trägern das Pi-still umgeben. Der wesentliche Theil eines vollkommen ausgebildeten Staubge-fäßes ist der Staubbeutel oder die Anthere, welche im Allgemeinen an derScheibe des Staubblattes sich auf die Weise bildet, daß im Parenchym (meistzu beiden Seiten des Mittelnervs) mehrere Portionen des Zellgewebes entstehen,in deren Zellen die Pollenkörner erzeugt werden, wodurch an diesen Stellen ver-schieden gestaltete Anschwellungen oder Wülste sich bilden, welche schon von außensichtbar sind. Die Anthere zeigt in ihrem noch unentwickelten Zustande aufeinem Querdurchschnitte zwar meist vier mit solchen Zellgewebs-Portionen ausge-füllte Fächer, im Aeußern aber nur zwei Hälften oder sogenannte Säckchen,jedes mit einer Furche (Naht) versehen, wo dann die zwischen den beiden Säck-chen befindliche oder überhaupt dieselben tragende Portion der Scheibe des Staub-blattes, welche allein von Gefäßbündeln durchzogen wird, das Mittelbandoder Connectiv bildet, welches die Säckchen bald an seinen Rändern, baldauf seiner vordem oder Hintern Fläche trägt. Diese vorherrschende Form, welchegewöhnlich als zweifache Anthere beschrieben wird, ist also vierfächerig und jedesihrer Säckchen in zwei Fächer getheilt durch eine Scheidewand, welche auchspäter noch häufig als eine mehr oder weniger vorspringende Leiste zu erkennenist. Bei der Reife öffnet sich jedes Antheren-Säckchen längs seiner Naht in einerRitze oder an der Spitze in einem Loche, um den Pollen in Form eines feinenStaubes austreten zu lassen. Von dieser gewöhnlichen Form der Anthere gibt esaber auch mancherlei Abweichungen: Antheren mit zwei eingetheilten (einfächerigen)Säckchen (bei Asklepiadeen), mit vier paarweise übereinander liegenden Fächern(bei ksrssn), in acht Fächer getheilt (bei Bletla), in vielen zellenähnlichen Räu-men den Pollen einschließend (bei Visoum), aus mehreren bis sehr zahlreichengetrennten Säckchen bestehend, welche am Rande des Connectiv's sitzen (bei Koni-feren) oder auf der Rückenfläche desselben dicht gedrängt stehen (bei Cpkadeen).Die Antherenbildung vieler Coniferen hat große Aehnlichkeit mit der Bildungder Sporenfrüchte bei Schafthalmen, die der Cykadeen dagegen mit den Frucht-häufchen auf den Blättern der Farne, wie überhaupt die Bildung der Antherenin mehr als einer Hinsicht mit dem Fruchtbaue vieler Kryptogamen übereinstimmt.Häufig ist die Anthere sitzend und das ganze Staubgefäß bildend, oft aber auchauf einem Träger emporgehoben, dessen Gestalt ebenfalls sehr mannigfaltigist und von der breiten, blumenblattähnlichen vieler Scitamineen bis zur südlichen(bei Rosen und Anemonen) und der haarfeinen Form (bei Gräsern) abändert.Der Träger setzt sich gewöhnlich ununterbrochen in das Connectiv der Antherefort, welches zuweilen über die beiden Säckchen hinaus verlängert ist; nicht sel-ten bildet sich aber auch ein Gelenk zwischen dem Träger und dem Connectiv, wodurchdas letztere manchmal beweglich wird, wie bei den Tulpen, Lilien und besondersauffallend bei Salbei-Arten, während in anderen Fällen das Connectiv so äußerstkurz ist, daß die getrennten Antheren-Säckchen frei auf der Spitze des Trägers zustehen scheinen, wie bei Luplroibiu- und Lrien - Arten. In den Fällen, wo nichtder ganze Träger als ein breiter blattartiger Theil erscheint, kann er als derBlattstiel des Staubgefäßes und die Anthere als die Scheibe desselben betrachtetwerden; die zahn- oder flügelartigenVerbreitungen, welche unterwärts an den Trä-gern mancher Pflanzen (z. B. bei ückliunr Oepa und korruw) gesunden wer-