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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
Entstehung
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87
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Gestaltlehre oder Morphologie.

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Leu und auch wohl (bei OrilltboKaluin nutnns) bis zum Connectiv heraufreichen,sind mit der Nebenblattbildung vergleichbar. Außerdem kommen aber noch sowohlan dem Träger als an der Anthere mancherlei, oft sonderbar gestaltete Anhängseloder Auswüchse vor, welche zum Theil besondere Kreise von Organen zu bildenscheinen, wo sie auch gewöhnlich als Kranz bezeichnet und mit der Nebenblssmeverwechselt werden, wie bei Asklepiadeen. Auch die Staubgefäße sind nicht immerunter sich getrennt und von den übrigen Blattkreisen der Blüthe gesondert, sondernes kommen auch bei ihnen alle möglichen Grade der Verwachsung mit einanderund mit der Blüthendecke und dem Pistill vor, worauf, wie schon früher (s. Sy-stemkunde) angegeben, im Linns'schen Systeme mehrere Classen gegründet wurden.Aus den in dem Formenkreise der Staubgefäße vorkommenden Zahlenverhältnissenund manchen anderen Momenten läßt sich nachweisen, daß sie, wie die übrigenBlatt-Organe, theils der Wirket-, theils der Spiral-Stellung folgen. Dabei sinddie Staubgefäße, wenn sie mit dem obersten Blattkreise der Blüthendecke gleich-zählig sind, mit dessen Blättern meistens regelmäßig alternirend; doch fehlt esauch nicht an Beispielen, wo die Staubgefäße gerade vor den inneren Blättern derBlüthendecke stehen (bei Primulaceen und Rhamneen). Wo die Anthere fehlt odermangelhaft (ohne Pollen) ist, hat das Staubgefäß zwar seine physiologische, aber-nicht seine morphologische Bedeutung verloren und wird als verkümmert oder un-fruchtbar bezeichnet. Solche verkümmerte Staubgefäße kommen öfters neben voll-ständig ausgebildeten vor, z. B. bei Lnlvia und Cratiola, wo zwei, bei kentns-tsino» und Leropliularin, wo ein Staubgefäß, bei LpÄrrinLwniL, wo alle äußeren,und bei ^yuiloAia, wo die zehn innersten Staubgefäße keine oder nur mangelhafteAnthereu tragen. Im letzten Beispiele sind die Träger der unfruchtbaren Staubge-fäße eigenthümlich gestaltet, stark verbreitert und stellen gleichsam eine Mittelbil-dung zwischen den fruchtbaren Staubgefäßen und den Fruchtblättern dar, eine so-genannte Stempel hülle, welche überhaupt, wie z. B. auch bei Larosma und^FÄtllosinn zu sehen ist, noch dem Formenkreise der Staubblätter angehört. Invielen sogenannten weiblichen Blüthen sind ebenfalls die Staubgefäße im verküm-merten Zustande vorhanden, wie beim gemeinen Lorbeer und vielen Cucurbitaceen.Solche verkümmerte Staubgefäßformen werden, wie bereits (bei der Kunstsprache)bemerkt, mit dem gemeinschaftlichen Namen Nebenstaub fäden bezeichnet.

Der Pollen entsteht im Innern sogenannter Mutterzellen, welche die Fä-cher der jungen Anthere ausfüllen, später gewöhnlich ausgefüllt werden und dienackten Pollenkörner in den Fachräumen zurücklassen, seltener bei Asklepiadeen zurück-bleiben und in jedem Antheren-Säckchen einen kleinen zeitigen Körper bilden, derauch nach dem Oeffnen der Säckchen die Pollenkörner noch in seinen Zellen ver-schließt, während bei anderen Pflanzen die nackten Pollenkörner aus der geöffne-ten Anthere hervorkommen, wobei sie alle getrennt oder zu zwei, vier oder mehrerenzusammengeklebt oder (bei Orchideen) die Körner eines ganzen Säckchens vermittelsteines klebrigen, äußerst elastischen Stoffes zu einer zweiteiligen, oft feingelapptenMasse verbunden sind. Das einzelne Pollenkorn besteht aus einer Zelle, mit einerFlüssigkeit erfüllt, in welcher sich Schleimkügelchen, feine Oeltröpfchen und ge-wöhnlich auch Stärkmehlkörnchen, zuweilen auch noch andere körnige Stoffe von bispetzt unbestimmter Natur erkennen lassen. Bei den wenigsten, und zwar nur beiunter dem Wasser blühenden Pflanzen besteht die Pollenzelle nur aus einer einfa-chen, zarten Membran, sondern weit häufiger ist diese noch mit einer einfachen oderdoppelten aus dem Polleninhalte abgesonderten Schicht, von verschiedener, jedochmeist gelblicher Farbe, überzogen, welche bald gleichartig erscheint, bald in netz-förmige Felder abgetheilt ist oder sonderbare Vorsprünge in Form von Leisten,Wärzchen, Stacheln u. s. w. bildet, wodurch das Korn oft ein sehr zierliches An-