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Boianik.
sehen erhält. Auch die Gestalt der Pollenkörner ist sehr mannigfaltig und geht vonder Kugel und dem Ellipsoid bis zum Polyeder in den verschiedensten Abänderungen;nur bei Lostsru haben die nackten Polleuzellen eine langgestreckte fadenförmige Ge-stalt. Bei den meisten, mit einer Absonderungsschicht versehenen, Pollenkörnern blei-bet einzelne oder mehrere Stellen in Form von Spalten oder runden Löchern vondem Ueberzuge frei, wo dann die ungefärbte einfache Membran der Pollenzelle znTage liegt, und an diesen Stellen ist es, wo sich später die sogenannten Pollen-schläuche, nämlich die fadenförmigen Auswüchse der Zellenmembran bilden,welche durch die Narbe und den Griffel bis zu den Samenknospen oder Eichen inden Fruchtknoten eindringen. Der Polleninhalt saugt sehr begierig Wasser und selbstSäuren ein, wodurch die Pollenzelle anschwillt und zuletzt Platzt, indem sich ihr In-halt entleert, während umgekehrt im trockenen Zustande das reise Pvllenkom sichmeist in den Spalten und Löchern zusammenzieht und dadurch seine Gestalt verän-dert, welche sich aber sogleich bei der Befruchtung durch die Ausdehnung der einge-fülleten Stellen wieder herstellt. Die Größe der einzelnen Pollenkörner ist immersehr gering; die größten, welche man bis jetzt gemessen hat (bei Cucurbitaceen undNyktagineen) haben einen Durchmesser von Linie, die kleinsten (bei manchenBorragineen) sind nur Vzoo Linie lang und '/soo Linie breit gefunden worden.
Der Stempel oder das Pistill, die Anlage zur künftigen Frucht, nimmtdas obere Ende der Blüthenachse ein und ist, wenn alle Zwischenstücke der letztemunentwickelt bleiben, von den übrigen Blattkreisen der Blüthe umgeben; wo aberdie letzteren mit ihm verwachsen sind, scheint das Pistill den untersten Theil derBlüthe zu bilden, und daher rührt auch der Name unterständiger Fruchtkno-ten. Bei dem freien oder sogenannten oberständigen Fruchtknoten gibt sich das Pi-still sowohl in seinem normalen Zustande als auch in den häufig vorkommendenFällen seiner rückschreitenden Metamorphose als ein Blatt-Organ zu erkennen, wel-ches sogar in vielen Fällen von der tiefern Blattbildung weniger abweicht, als dieStaubgefäße. Das einfache Pistill besteht aus einem Fruchtblatte, lolluw,earxieum (auch mit dem hybriden Worte enrxsllum belegt), dessen unterer (baldaus der Scheide bald aus der Scheibe abzuleitender) Theil durch das Zusammenle-gen und Verwachsen seiner beiden Ränder den Fruchtknoten bildet und dessenoberer Theil in die Narbe umgeändert und dabei oft noch in den Griffel ausge-zogen ist, welcher die Narbe auf seiner Spitze trägt oder auch weiter hinab mit dendie Narbe charakterisirenden Pupillen (der Narbenfläche) besetzt ist. Ist nur ein ein-ziges Fruchtblatt vorhanden, so schließt dasselbe die Blüthenachse und nimmt, da dieäußerste Spitze der letztem völlig unkenntlich geworden, ihren Gipfel ein (bei Le- 'guminosen, dem Feldrittersporn u. a.), ähnlich wie bei manchen tropischen Or-chideen ein einzelnes Laubblatt den Gipfel eines Scheinknollens einnimmt, dessenTriebkraft an der Spitze erschöpft ist. Trägt die Blüthenachse mehrere Frucht-blätter, so sind diese bald in einem Quirl, an der Spitze der Achse (bei Leäum,Lempeivivum, Otzlpdillium elatmn u. a.), bald in einer Spirale stehend (beikLiiuuoulus, Xuemous), wo bei größerer Zahl der Fruchtblätter die Achse, trotzder unentwickelten Zwischenstücke, oft einen Stempelboden von bedeutender Längebildet (bei ^äouis, Llzwsurus). Die spiralständigen Fruchtblätter sind in derRegel, wenigstens noch zur Blüthezeit, getrennt; die wirtelständigeu dagegenkommen häufig mit einander verwachsen vor. Sind im letzten Falle die einzel-nen Fruchtblätter schon für sich durch Verwachsung ihrer beiden Ränder ge-schlossen, so erhält der Fruchtknoten des verwachsenblätterigen Pistills so vieleFächer als Fruchtblätter vorhanden sind; wenn aber die Fruchtblätter ausgebrei-tet oder nur an ihren Rändern wenig eingebogen find, so bilden sie bei ihrerVerwachsung nur einen einfach engen Fruchtknoten (wie bei Lesoau und I^siwu-