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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Botanik.

angehörigen Hülle (der Haube) umschlossen, darzustellen scheint. Alle genanntenFamilien, von den Ophioglosseen und Farnen an, bilden im Innern ihrer Sporen-gehäuse in Mutterzellen feine Sporen aus, welche in ihrer Entwickelung und inihrem Baue ganz und gar mit gewöhnlichen Pollenkörnern übereinkommen undda sie, wie gewöhnlich auch die letzteren, zu vieren in jeder Mutterzelle um derenMittelpunkt oder Achse entstehen als vorherrschende Gestalten das Tetraedermit gewölbter Grundfläche und das auf einer Seite mit einer Leiste oder Längen-kante versehene Ellipflüd zeigen. Die Pflanzen der meisten dieser Familien besitzen,wie auch die Equisetaceen, nur einerlei Sporen; aber bei den GattungenkolLAinsllL und Isoetos (Familie der Lykopodiaceen) kommen außer den staub-feinen noch viel größere Sporen vor, welche in geringerer Zahl (bei LelnZiiikIlLnur zu vier) in besonderen Gehäusen enthalten sind, und gerade nur von diesengrößeren Sporen ist bei den erwähnten Gattungen die Keimung mit Gewißheit nach-gewiesen, so daß die physiologische Bedeutung der kleineren Sporen hier nochziemlich problematisch bleibt. Die Moose und Lebermoose besitzen dagegen, außerihren Fruchtanlagen, noch eigenthümliche Organe (Antheridien), welchebald mit jenen aus der nämlichen Pflanze vereint, bald auf verschiedenen Pflanzenfür sich allein vorkommen; es sind keulenförmige, ellipsoi'dische oder fast kugeligeKörper, unter einer aus einfacher Zellenlage gebildeten Hülle eine große Zelleenthaltend, welche mit kleinen, sehr dünnwändigen Zellen ausgefüllt ist, derenjede einen zarten, an einem Ende verdickten, am andern Ende in eine feineSpitze ausgezogenen Spiralfaden von zwei bis drei Windungen einschließt. DieAntheridie platzt zuletzt an ihrer'Spitze und läßt die nun von einander getrenntenZellen, nebst ihrem meist milchigen Inhalte austreten, worauf die Spiralfädensammt ihren Zellen oder, nachdem diese zerstört sind, für sich in jener milchigenFlüssigkeit oder, wenn man sie unter einen Wasserköpfen gebracht, noch längere Zeiteine rasche Bewegung um die Achse ihrer Windungen und zum Theil auch eine fort-schreitende Bewegung zeigen. Diese Bewegungen und die Aehnlichkeit mit den Sper-matozoen der Thiere waren Veranlassung, daß man diese Fäden ebenfalls fürSamenthierchen (müinLouIn spormmtieg,, spormalorios) hielt, und ihneneine in nächster Beziehung zur Fortpflanzung stehende Verrichtung zuschrieb,daher die Antheridien für die männlichen Organe der damit versehenen Krypto-gamen erklärte. Dagegen wurden von anderer Seite Einwürfe erhoben, nament-lich von Schleiden, welcher der Antheridie keine bestimmte Funktion zuerkennenund die Bewegung der Spiralfäden bloß für eine mechanische, nach dem Gesetzeder Archimedischen Schnecke vor sich gehende erklären will. Jedenfalls ist mandermalen noch über die physiologische und morphologische Bedeutung der An-theridien sehr in Ungewißheit. Ihr regelmäßiges und gleichzeitiges Vorkommenmit der Fruchtanlage, welches nicht nur bei Moosen und Lebermoosen, sondernauch bei 6Knra-Arten schon seit längerer Zeit bekannt ist, und in den letztenJahren auch bei anderen Algengruppen, namentlich bei Fucaceen (von Decaisneund Thouret), ferner aus dem Keimlager (Vorkeim) der Farne (von Nägeli)nachgewiesen wurde, gibt indessen der Annahme, daß sie in naher Beziehungzur Fortpflanzung stehen, nicht geringe Wahrscheinlichkeit. Die Flechten, Algenund Pilze besitzen nur noch zum Theil geschlossene Sporengehäuse von zusammen-gesetzt-zelligem Baue, welche mit verschiedenen (im Abschnitte der Kunstsprache) schonangegebenen Namen bezeichnet werden und theils aus der unveränderten Lager-substanz bestehen, wie bei manchen Fucaceen und Florideen, theils in Konsistenzund Bau von dem Lager mehr oder minder verschieden sind, bei den schließ-früchtigen Flechten, den Kern- und Bauchpilzen. In anderen Fällen sind dieGehäuse nur in der frühern Fruchtanlage geschlossen, bald aber offen und in