Gestaltlehre oder Morphologie.
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Scheiben- und Schüffelform (bei der Flechtengruppe der Parmeliaceen, bei denBecherpilzen) oder in den sogenannten Hut ausgebreitet (bei den hiernach ge-nannten Hutpilzen). Die Sporenbildung jener drei Ordnungen der Kryptogamen,bei welchen der Gegensatz von Achsen- und Blatt-Organen nicht oder nur un-deutlich ausgesprochen ist, zeigt nur zum Theil noch Ähnlichkeit mit der Sporen-bildung der höher entwickelten Kryptogainen, z. B. bei mehreren Ceramieen- undFlorideen-Gattungen (Erllütbsiu, Oirslllla), wo nur tetraödrische, zu vier in einerMutterzelle entstandene Sporen, oder bei Ullockomela, wo eben solche Vierlings-sporen, in der Lagersubstanz vertheilt, neben anderen, in besonderen Gehäusenenthaltenen Sporen vorkommen, ferner bei b'ueus-Arten, wo in einer Mutter-zelle 2—8, und bei eorumium, wo in einer solchen noch zahlreichere Sporenbeobachtet wurden. Die Frucht der Flechten, sowie der Kern- und Becherpilzeoder Pezizeen enthält eine Schicht aus dem Boden der ersteren senkrecht stehender,südlicher Zellen (Saftsäden, paraxb^sss) und zwischen diesen zerstreut weitere,keulenförmige oder längliche Zellen (Schläuche, asm), in welchen sich die Sporen,meist in der (einfachen oder mehrfachen) Vierzahl bilden und entweder auseiner einzigen Zelle bestehen oder selbst wieder aus zwei oder mehreren Zellen zu-sammengesetzt sind. Diese die Sporenschläuche enthaltende Schicht stellt in dengeschlossenen Gehäusen einen rundlichen Kern, unelsns, dar und breitet sich inden offenen, scheiben-, schüssel- oder becherförmigen Früchten zur Scheibe, Sisens,aus; bei der Reife werden die Sporen aus den aufplatzenden Schläuchen, seltenerdiese selbst sammt ihrem Inhalte, ausgestoßen. Bei den Hautpilzen oder Hymeno-myceten ist auch'eine Schlauchschicht, llMiMimn, vorhanden, welche bei Keulen-pilzen (Clavarieen) den obern Theil der Keule, bei Hutpilzen aber die untere(mit Lamellen, Pfriemspitzen, Röhrchen u. s. w. besetzte) Fläche des Hutes über-zieht und aus dicht gedrängten, ihre Spitzen nach Außen kehrenden Zellen besteht,zwischen welchen größere Zellen (Schläuche) zerstreut stehen, die an ihrem freienEnde einen bis sechs dünne, hohle Fortsätze treiben und in jedem der letzteren eineeinfache Spore ausbilden. Bei den Bauchpilzen (Gasteromyceten) und Faden-pilzen (Hyphomyceten) kommt zum Theil auch noch eine solche Sporenbildungin den Fortsätzen von Schlauchzellen vor; bei anderen sind es einzelne gewöhnlicheZellen, welche in ihrem Innern eine Sporenzelle ausbilden, die sich zuletzt vonder Mutterpflanze ablöst und, wie es scheint, in den meisten Fällen mit derMembran der Mutterzelle überkleidet ist. Solche in unveränderten oder in keuligbis kugelig angeschwollenen Zellen des fadenförmigen Lagers einzeln oder zumehreren entwickelte Sporen kommen auch bei den einfacheren Algen (bei Con-ferveen und manchen Ceramieen) vor. Hier ist auch noch an die Bewegung zuerinnern, welche die Sporen mehrerer Confervaceen, Vaucderia-Arten u. s. w.nach ihrem Hervortreten aus der Mutterzelle zeigen, und welche, wie die Beob-achtungen (besonders von Unger und Th our et) ergeben, meist, wo nicht immer,durch schwingende, an einem Ende der Spore befindliche oder über deren ganzeOberfläche vertheilte Wimpern verursacht wird. Bei den einfachsten Algen (denPalmelleen), welche aus lauter getrennten Zellen bestehen, ist jede der letzterenals ein selbstständiges Individuum zu betrachten, welches als Mutterzelle imInnern die Sporenzellen bildet, wo also der gewöhnliche Proceß der Zellen-bildung mit dem der Fortpflanzung identisch ist.
Ueber die Fortpflanzungs-Organe der Diatomaceen, welche ohnedieß vonVielen zu dem Thierreiche gezählt werden, ist Nichts bekannt.
Außer den bereits in diesem Abschnitte erwähnten Schriften von Linn«, Goethe undDe Land olle, find von solchen, welche die Gestaltlehre ausführlicher behandeln, haupt-sächlich noch anzugeben: „M. I. S chl eid e n, Grnndznge der wissenschaftlichen Botanik u. s. w."Leipzig 184L. ZweiteAufi, 1845—1846.(8.). „Stephan Endlicher und Franz Unger,