Zergliederungslehre oder Phytotomie.
101
in der Phytotomie verdanken. Die Zelle ist, wie schon (bei der Gestaltlehre)bemerkt wurde, die Grundlage aller zusammengesetzten Pflanzen-Organe undmithin das einzige Elementar-Organ der Pflanze. Die Grundform der isolirtenZelle, wie sie bei den einfachsten Algen (krotoeocous, U^orooMis) sich findet,ist ein kugeliges Bläschen, aus einer homogenen, durchsichtigen Membran be-stehend und mit Flüssigkeit erfüllt. Durch eine mehr einseitige Ausdehnung indie Länge geht die Kugel in das Ellipsold, in die Spindelform, in die cylin-drische und Fadenform über. In allen diesen Fällen zeigt die Zelle auf einemQnerdurchschnitte eine kreisrunde oder elliptische Schnittfläche. Wenn sich aberZellen von allen Seiten berühren, so können durch ihren gegenseitigen Druckdie convexen Flächen sich abplatten, und die Kugel oder das Ellipsold wird zumPolyeder, die walzen- und fadenförmige Zelle aber zum Prisma. In beidenFällen gibt der Querschnitt eine viereckige Schnittfläche. Wenn kugelige oderellipsoidische Zellen von gleicher Größe regelmäßig um einander gelagert wären,so müßten sie durch die Abplattung ihrer Seiten zu Rhombendodekatz'dern werden.Da aber eine solche regelmäßige Anlagerung in der Natur kaum Statt hat, sozeigen die polyedrischen Zellen nur annähernde Formen zum Dodekaeder, welchemeist mehr oder weniger in die Länge gezogen und an beiden Enden abgestutzterscheinen, wodurch, statt der zwei senkrechten und zwei wagrechten Ranten-flächen, vier Polygone, am Oeftersten sechseckige Flächen entstehen und nur dieschiefen Rautenflächen als solche bleiben — und dieß ist die vorherrschende Zellen-sorm in den weichen und krautigen Theilen der Pflanzen. Doch kommt diesepolyedrische Form öfters auch niedergedrückt vor, so daß sie breiter als hochoder gleichsam in die Quere gestreckt erscheint, z. B. in der Mitte des Balsaminen-stengels und in den Markstrahlen der dikotyledonischen Bäume. Die prismatischeZelle ist dagegen an beiden Enden meist zugespitzt, wie im Baste und Holze derBäume, und wird daher auch Bast- und Holzzelle genannt. Wenn eine Zellenur durch eine Fläche mit anderen in Berührung steht oder nur so weit vonanderen Zellen umgeben ist, daß noch eine ihrer Flächen, frei bleibt, so kann sieeine plan-convexe Gestalt annehmen, und wenn die freie, gewölbte Seite sichnoch mehr erhebt, so kann sie selbst in eine parabolische oder kegelige Form, mitebener Grundfläche übergehen, wie man sie nicht selten in der Oberhaut, zumalder Blumenblätter, wahrnimmt. Durch stärkere Dehnung in die Länge geht diekegelige Zelle in die Pfriemform über — in vielen Pflanzenhaaren. Die vonzwei entgegengesetzten Seiten abgeplattete Zelle erscheint dagegen tafelförmigund, ist sie dabei langgedehnt, bandförmig, wie in der Oberhaut der Blättervieler, zumal monokotyledonischer Pflanzen. Solche tafelförmige Zellen schickennicht selten rundum aus ihrem Rande Fortsätze aus und werden dadurch strahlig;bei rundlichen Zellen sind die Strahlen gewöhnlich gleichlang und zu sechs vor-handen, so daß die Zelle regelmäßig sternförmig wird; bei länglichen Zellen istdie Strahlenbildung meist unregelmäßig; beide Formen finden sich hauptsächlichin den Querwänden der Luftgänge von Sumpf- und Wasserpflanzen, wo siemit ihren in gleicher Ebene liegenden Strahlen vereinigt sind, aber auch isolirt(als Sternhaare) auf der Oberhaut von Blättern und Früchten mancher Cruci-feren. Davon sind die strahligen Zellen, mit nach allen Richtungen sperrig aus-gehenden Strahlen, verschieden, welche ebenfalls bald mit ihren Strahlen untereinander verbunden, z. B. in den Luftgängen von lluiwus- und Oannu-Arten,bald isolirt zwischen anderen Zellen vorkommen, wie im Blattstiele der Nym-phäaceen. Die langgestreckte Zelle zeigt außer den schon erwähnten (walzigen,südlichen, prismatischen, psriemlichen) Formen auch noch andere Gestalten. Sieist am Ende keulenförmig bis kugelig angeschwollen (z. B- die Haare im Schlnude