Pflanzen-Physiologie.
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deren Gegenwart allerdings die mechanischen und dynamischen Processe unmöglichsind, doch nur ein Stillstand in der Lebensthätigkcit eintritt, die letztere aberwieder in voller Kraft sich äußert, sobald durch Zuführung von Wasser der Fort-gang jener Processe möglich gemacht wird, wie bei sehr vielen Kryptogamen, z. B.bei Moosen, Lebermoosen und Flechten. Ob ferner alle luftführenden, so wiedie mit abgesonderten oder überhaupt mit homogenen Stoffen angefüllten Zellenals todt zu betrachten seien, ist noch keinesweges so ausgemacht, wie von Man-chen (namentlich von Schlei den) angenommen wird, da viele dieser Zellen z. B.die ganz mit Pflanzenschleim, Gummi, Stärkmehl oder Protein angefüllten, wiesolche in vielen Pflanzentheilen, zumal im Sameneiweiß und den Kotyledonenvorkommen, augenscheinlich noch dem Lebensprocesse dienen und es noch garnichterwiesen ist, daß die ein ätherisches Oel oder Harz führenden und selbst die mitLust erfüllten Zellen der Gefäßbündel im gesunden Holze von dem Kreise der Le-bensverrichtungen gänzlich ausgeschlossen sind. So lange aber das Letztere nochnicht geschehen, kann auch bei diesen Zellen vom Tode nicht wohl die Rede sein.Indessen ist darin, daß wirklich einzelne Zellen und Zellenpartieen, ohne alle Ge-fährdung der übrigen, gänzlich absterben können, ein weiterer Beleg für die großeSelbstständigkeit der Pflanzenzelle gegeben.
Wenn aber die Zelle in Zusammenhang mit anderen Zellen tritt, wird dochihre Lebensthätigkeit gewisse Modificationen erfahren. Schon bei der Verbindungzum gegliederten Faden und zur einschichtigen hautähnlichen Platte müssen die sichberührenden Zellen in eine bestimmte Wechselwirkung zu einander treten, obgleichnoch jede einzelne mit dem umgebenden Medium (dem Wasser oder der Lust) inBerührung bleibt. Wo dagegen Zellen allseitig zu Geweben vereinigt sind, könnennur die an der Oberfläche befindlichen in unmittelbarer Gemeinschaft mit der At-mosphäre und der von außen kommenden Nahrungsflüsfigkeik stehen, während dieübrigen von derselben abgeschlossen sind. Dadurch, so wie durch die mancherleiin dem Zellgewebe auftretenden Räume des Jntercellular-Systems, die nun eben-falls mit den angrenzenden Zellen in Wechselwirkung treten, muß nothwendig derLebens-Proceß der Zellen noch mehr modificirt werden. Die von Außen kom-mende Nahrungsflüsstgkeit kann direct nur von den oberflächlichen Zellen aufge-nommen und dann durch diese dem innern Gewebe zugeführt werden, wel-ches sie also schon mehr oder weniger durch jene verändert empfängt. Daß dasEindringen jener wasserreichen Nahrungsflüssigkeit auf einer endosmotischen Kraftberuhe, ist wohl außer Zweifel; daß aber bei dem Weiterführen von Zelle zuZelle und bei der dabei nothwendig statt findenden, die Ernährung des ganzenGewebes bedingenden Bewegung der Flüssigkeiten der endosmotische Proceß durchverschiedene Momente, zumal durch die Individualität der Zellen und durch dieAnordnung und Vertheilung der Zellen und Zellengruppen (namentlich der Ge-säßbündel) mancherlei Abänderungen erleide, ist kaum zu bezweifeln. Bei Verei-nigung von Zellen und Geweben zu einer ganzen Pflanze ergeben sich für diesedie zusammengesetzten Organe, denen selbst wieder ihre bestimmten Verrichtungenzugetheilt sind, und wenn wir auch bei Betrachtung der physiologischen Verhält-nisse der Pflanze die Individualität der einzelnen Zelle nicht aus dem Auge ver-lieren dürfen, so ist doch hauptsächlich zu beachten, daß hier die Thätigkeit dereinzelnen Zelle, wie der Zellengruppen und zusammengesetzten Organe, dem Zweckedes Gesammt-Organismus untergeordnet ist.
Besonders in dem Parenchym gibt sich oft eine große Selbstständigkeit dereinzelnen Zellen kund, indem sich häufig Zellen von sehr verschiedenem Inhalteund von abweichender Form und Ausbildung der Wände neben einander finden.Dafür verhalten sich aber auch in vielen Fällen die meisten oder alle Zellen durch