Zustand der besondern Kantone. 167
Öffentliche und Privatgcbäude wurden nach neuem französischenStyl gebaut- und in diesem Jahrhundert bildeten sich mehreausgezeichnete Männer, die im folgenden der Schweiz Ehre er-warben.
Die Sitten waren noch einfach. In den meisten Häusern warendie Böden noch mit Ziegeln besetzt; der Tisch war einfach;Kleidermandate und andere strenge Verordnungen hinderten denLurus, und vielleicht waren dem Volk nur zu wenige Freudengestattet, so daß dadurch manchem verschlossenen, heimtückischenGedanken das Entstehen erleichtert war.
Da der Handel größtentheils mit Frankreich getrieben wurdeund Zürcherkaufleute sich in Lyon ansiedelten, so trug dieses,nebst dem Kriegsdienste und den politischen Verhältnissen, dazu bei,daß allmälig französische Kleidung, Sitten und Litteratur nach Zürichund Bern verpflanzt wurden und auch in Zürich die Anhäng-lichkeit an Frankreich vermehrt wurde, ohne daß BestechlichkeitAntheil daran hatte; denn die Staatspension von 10,500 Livres,welche in die Staatskasse floß, betrachtete man als eine be-dungene Schuld.
Von ökonomischer Staatskunst hatte man keinen Begriff, unddeßwegen nahm die Regierung Maßregeln, welche dem Landeden größten Schaden brachten. Während z. B. in Folge desdreißigjährigen Krieges in Deutschland das Geld immer ver-schlimmert wurde und daher der Reichsthaler von 1 fl. 8 ß.
6 ) Wegen der Kriege und des allgemeinen Elends hatte sich in die Schweizso vieles Gesinde! geflüchtet, daß solche Strafanstalten durchaus noth-wendig wurden. Im Jahr 1631» befanden sich auf einen Tag in Nap-pcrfchwil 1800, in Schwyz eben so viel und in Baden 6370 solchesGesinde!. Schinz, Geschichte der Handelschaft Zürich. S. 151 ». ff.