Denkschrift des von St. Saphorin an den Prinzen von Salm. 117
Rudolf Sinner, den Titel eines Reichsbarons verliehen undihm versprochen, die für das Patent bezahlten 3000 fl. zurück-zustellen, wozu er Silbergeschirr bestimmte, welches der Grafvon Trautmannsdorff in Handelt hatte, das dieser aber nichtabliefern wollte oder konnte. Darüber beklagte sich St. Sapho-rin, da er laut Auftrag dieses Versprechen gegeben und hin-gegen Alles erlangt hatte, was Österreich in Rücksicht der vene-tianischen Werbung gewünscht hatte; bei diesem Anlaß giebt erauch zu verstehen, daß der Graf große Summen unterschlagenhabe, die zu Bezahlung der Truppen bestimmt waren. ,3 )
Da durch die im September des vorigen Jahres erfolgte Er-oberung von Turin durch den Prinzen Eugerr und die gänzlicheRäumung Italiens durch die Franzosen auch die Lage der ka-tholischen Kantone, welche mit dem König von Spanien, Phi-lipp V., das mailändische Kapitulat abgeschlossen hatten, sich ganzgeändert hatte, so glaubte Herr von St. Saphorin an die Mög-lichkeit, Österreich bei diesem Anlaß für das Interesse der evan-gelischen Stände zu gewinnen und die katholischen Stände vondem französischen Interesse zu entfernen. Zu diesem Zweck sandteer dem Fürsten von Salm eine Denkschrift, deren wesentlicherInhalt hier folgt.
Nach dem Tode des Königs von Spanien waren die weni-gen unparteiischen und nicht bezahlten Magistrate der katholi-schen Kantone der Meinung, man sollte sich neutral halten, bisdas Schicksal von Mailand ganz entschieden sei. Aber sobald imHerbst 1702 Ulm durch den Kurfürsten von Bayern eingenom-men wurde und Villars bei Friedlingen den Markgrafen Lud-wig von Baden schlug, konnte weder Gewissen, noch Vorstellun-gen, noch gesunde Staatsmarime die von Frankreich bezahltenkatholischen Magistrate mehr abhalten, sich für . den Herzog von
") Exc. Bd. V. S. 207.