Das Toggenburgische Geschäft wird immer ernster. 123
seligkeiten hindern wollten, haben die katholischen Orte dem Abteangerathen und ihn bevollmächtigt, daß er mit Hülfe seiner Un-terthanen der alten Landschaft und seiner Verbündeten bei Ge-legenheit seine Nechtsame wieder erobern möge.
Zürich und Bern glaubten nach diesen Schritten der Katho-liken so sicher an den Ausbruch des Krieges, daß sie die Tog-genburger warnten und Gesandte von Appcnzell und der StadtSt. Gallen nach Ellg beriefen, sie zu befragen, ob sie im Fallder Noth den Toggenburgern behülflich sein wollten, worauf dieseerwiederten, daß sie einen Angriff des Abtes durch ihr Gebietabwehren, aber nicht außer ihr Land ziehen würden, da sie einenEinfall von Österreich besorgen müßten.
Da zu dieser Zeit Bern von Wien her berichtet wurde, daßder Abt, unterstützt von den katholischen Kantonen, sich bei demGrafen Trautmannsdorff aufs Angelegentlichste verwende, er.möchte seinen Hof bewegen, unter dem Vorwande, das Toggcn-burg sei ein Neichslehen, zu interveniren, so wurde dieses Ge-schäft der Friedenskommiffien zur Behandlung übergeben, unddiese ließ durch den Schultheißen Willading den Herrn von St.Saphorin ersuchen, sich in Wien zu verwenden, daß der Kaisersich nicht in die Sache mische. Zugleich ließ sie den englischenMinister, von Stanyan, und den preußischen, den Grafen Met-ternich, bitten, daß sie ihre Höfe dazu vermögen, durch ihreGesandten in Wien diese Intervention zu hintertreiben. 20 )
Diesem Wunsche Willading's gemäß schrieb St. Saphorin den7. Wintermonat 1708 einen langen Brief an den Fürsten vonSalm, worin er ihm zu beweisen suchte, daß das Toggenburgkein Lehen des Reichs sei und daß es für den kaiserlichen Hos
") Abschiede im Archiv in Zürich. Bd. 1709.
*’) Abschied zu Ellg, 1. August 1708. In meiner Sammlung fiir die Appc»-zeller Geschichte.
-°) Bd. IV. S. 51.