Berändkrung in den Gesinnungen des französischen Hofes. 185
Die Ruhe, welche nach der heftigen Tagsatzung des Heumonats1711 in dem Toggcnburger Geschäft und zwischen den Kantoneneintrat, die wenigen Briefe des Ambafsadors an den Hof, dieuns aus dieser Zeit aufbewahrt sind, und das gänzliche Aufhörenseiner vorher unausgesetzten lügenhaften Klagen über die Pro-testanten, den Kanton Bern und Willading, Alles dieß sindBeweise der Wahrheit dessen, was uns der General St.Saphorinsagt. Noch mehr aber zeigt uns der Ambaffador selbst, daß derHof wirklich einen neuen Bund mit allen Kantonen zu bewirkentrachtete, daß aber er selbst ganz dawider war; wenn er es auchnicht wagte, dem Könige seine Gesinnungen zu eröffnen, so ver-mochte er doch nicht, sie ganz zurückzuhalten. Den 14. Christ-monat 1711 überschickte er dem Markis von Torcy einen Briefseines Sekretärs mit der Bemerkung, daß es wichtig sei, daßder Minister dessen ganzen Inhalt kenne, und fährt dann fort:„Ich kenne die Angelegenheit des Falschmünzers Tronchin nicht;ist die Sache wahr, und wollten die Herren von Bern derenWahrheit abläugnen, so wird es ein neuer Beweis sein, daßihr böser Wille nur aufhört, wenn es an Gelegenheiten fehlt.Dem Könige wird dieß einen neuen Grund geben, diesen Kantonzu demüthigen, und es ist wichtig, daß man in Zukunft daranarbeite; denn ich sage Ihnen vorher, daß Zürich und Bern,wenn man dieses versäumt, zu einer solchen Macht anwachsenwerden, daß sie die Herren der ganzen Schweiz werden. Dannwürde sich Frankreich zwischen zwei gleich furchtbaren Republiken,der Schweiz und Holland, befinden. Doch wird, wenn ich micknicht täusche, nichts leichter sein, als nach dem Frieden diesemÜbel abzuhelfen." Er rühmt sich dann, wie er die Gemüthervorbereitet habe, so daß er gut dafür stehen könne, daß die Ka-tholiken ganz so handeln, wie der König es ihnen vorschreibenwerde. Er glaube, die französische Partei in Zürich und Bernso vermehrt zu haben, daß die Übelgesinnten verlegen sein wer-