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Zweiter Band.
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Allgemeine Zustände von Europa. 187

nehmungen ungefähr in den nämlichen Stellungen. Als aberKarl von seiner Mutter den Tod seines Bruders vernahm, reisteer den 27. Herbstmonat von Barcelona ab und ward schon den12. Weinmonat 1711 zum Kaiser ernannt und den 22. Christ-monat gekrönt. Er war verschlossen und zur Melancholie geneigt;sein Benehmen war mehr ernst und streng, als freundlich undoffen. Er zeigte selbst in Kleinigkeiten eine gewisse Majestät,wozu die Züge seines Gesichtes paßten. Daher sprach er auchwenig, und wollte in seinem häuslichen Leben nie mehr als4 oder 5 Personen um sich haben. Er war sehr religiös, wollteaber seine Neligiösität auch zur Schau tragen; daher er diegebotenen Zeremonien sehr genau und zu den bestimmten Zeitenbeobachtete. In den Geschäften war er sehr geduldig und seineSeele schien durch Widerwärtigkeit eher fester als biegsam zuwerden. Er schenkte nicht leicht sein Wohlwollen, war aber sehrbeständig darin, und gab nicht leicht die ersten Eindrücke wiederauf, für die er sehr empfänglich war. Sein Betragen hatteetwas Edles, aber es verrieth Strenge und Stolz; daher sahman bei einer Audienz etwas Frohes in seinem Gesichte alsein Zeichen guter Aufnahme an. Diese Eigenschaften, die mehrdem spanischen als dem deutschen Charakter angehören, hatte derKaiser seit seiner zarten Jugend, und da in Spanien die erstenEindrücke der Freude über seine Erscheinung, der Glanz derRegierung und die Süßigkeit des Befehlens auf ihn einwirkten,und er in jenem Zeitpunkte meistens mit Spaniern umgieng,so gewann er eine Vorliebe für die Spanier überhaupt, vor-züglich aber für diejenigen, die zuerst in seine Umgebung kamen.Da er nun Kaiser des deutschen Reichs, König von Spanienund Beherrscher aller österreichischen Staaten war, so errichteteer noch drei verschiedene Regierungen: die erste für das deutscheReich, an deren Spitze der Vizekanzler des Reichs, Fürst vonBamberg, stand, ein Mann, der, obschon reich, doch nicht unbe-