Berichte des St> Saphorin an den Wienerhof. 483
Frankreich verspreche, die zu Gunsten der Katholiken wider dieReformirten eingegangenen Verbindlichkeiten nie zu erfüllen,es ihnen gerne versprechen würde, denn für Frankreich könnte,wie man dort wohl wisse, nichts Böses daraus entspringen, daman mit Geld bei diesen Leuten ausrichten könne, was manwolle. Der General glaube jedoch, durch seine Freunde in derSchweiz so viel Einfluß zu besitzen, daß er nicht nur die Pro-testanten von der Vereinigung mit Frankreich abhalten, sondernsogar die schon verabredete Verbindung mit den Katholiken fürFrankreich selbst schädlich machen könnte. Dafür aber sei keineZeit zu verlieren; es erfülle ihn deßwegen mit Schmerz, daß erin einem so wichtigen Augenblick gar keine Instruktionen habe,welche sein Benehmen leiten und ihm die Mittel geben könnten,mit Kraft und gutem Erfolg zu arbeiten.
Der General berichtet dann ferner, daß der König von Eng-land, da er erfahren habe, was Frankreich in der Schweiz be-absichtige, um es zu verhindern und weil es sich zu lange ver-ziehen würde, bis ein Engländer sich in die verwickelten Ver-hältnisse der Schweiz hineingearbeitet hätte, beschlossen habe, ihmseine Aufträge zu geben; um aber die Tvrys nicht zu beleidigen,habe er ihm aus der deutschen Kanzlei die nöthigen Schriftenausfertigen lassen. Er wolle jedoch keinen Gebrauch davonmachen ohne Bewilligung Sr. kaiserlichen katholischen Majestät;aber es scheine ihm, daß er unter den jetzigen Umständen dieseVollmacht mit Vortheil benutzen könnte, weil sie ihm das Rechtgäbe, kräftiger und offener aufzutreten, als er es als Partikularthun könnte, und da die protestantischen Kantone großes Zu-trauen zu dem Könige von Großbritannien haben, so würdenseine Rathschläge, als von dort ausgehend, noch wirksamer sein.Se. Exzellenz wisse übrigens genugsam, wie viel Zutrauen ihmdie englischen Minister schenken, um überzeugt zu sein, daß siesein Benehmen immer billigen werden.