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Nachbar besiegt, unterliegt im kosten einem ander»,und dieser wird im kosten Jahre von einem Baume un-terdrückt, dem späterhin das Schicksal seiner Vorgän-ger widerfährt. Wer dabei glaubt, die zuletzt übrigbleibenden Stämme hätten bis dahin nur wenig an ih-rem Zuwachse gelitten, steht in großem Irrthume. DerBaum, der sich von Jugend auf ungestört in allenTheilen ausbreiten kann, braucht Ikaum die Hälfte derZeit zu seiner Entwickelung, die er im gedrängtenStande nöthig hat, und nur der erreicht seine höchsteVollkommenheit,' der alle seine Theile ungehindert ent-wickeln kann. Man sagt zwar: die Natur tveiß ihre^Gewächse am besten zu erziehen, sie streuet den Säu-men im Walde dicht aus, und erzieht die Bäume imengsten Schlüsse, s o muß es mithin am besten seyn?
Hierbei ist nur zu bewundern, daß man sichnoch des Pstuges bedient, da doch die Natur keinenhat. —
Alles, was wir in unsern Gärten und Feldernerziehen, wächst auch ohne unser Zuthun auf Erden,nur nicht wo wir wollen und so viel wir davonwollen. Für ihre eigene Oekonomie, ohne Beziehung aufden Menschen, erzieht die Natur bei ihrem langsamensichern Gange Holz genug, so wie für ihre Zwecke auchohne Pflug Weizen genug auf Erden wachsen würde.
Durch Kenntniß, Kunst und Fleiß erziehen wiraber im Pflanzenreiche überall mehr, alS die Natur fürsich liefert; und wie wir durch Kunst den Feldern undGärten mehr Ertrag abgewinnen, als sie für sich ge-
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