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Sechster Band.
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Kap. 17. Von der Malerey der alten Koͤmer, ꝛc. 87

fertig werde. Arbeitet er hingegen fuͤr die Ehre, ſo wird er alle ſeine Kraͤfte beſſer an-ſtrengen: mehrere Zeit und Fleiß darauf wenden, und folglich viel vollkommener undmehr ausgearbeitete Gemaͤlde liefern.

24. Horaz ſagt, ein Werk ſey alsdann vollkommen, wenn es dem Beſitzer Ver-gnuͤgen, und dem Verfertiger den verhoften Nutzen verſchafft.

25. Wenn gleich zuweilen kleine nicht ſehr merkliche Fehler bey einem Gemaͤlde an-zutreffen, ſoll man deswegen doch die ganze Arbeit nicht tadeln, oder gar verwerfen.Oft mißfaͤlt ein Gemälde beym erſten Anblick, und erhaͤlt Beyfall wenn man es ge-nauer unterſucht, oder den Zweck des Kuͤnſtlers einſieht. Man ſoll deswegen mit derBeurtheilung eines Gemaͤldes nicht zu voreilig ſeyn, ſondern es erſt uͤberhaupt, undnach ſeinen beſondern Theilen genau durchgehen, ehe man ein entſcheidendes Urtheildaruͤber faͤllet.

Das 17. Kapitel.

Von der Malerey der alten Roͤmer, nebſt einer Nachricht von4 dem Grabmal, oder der Piramide des K. Ceſtius.

Es iſt bisher von der heutigen Malerkunſt gehandelt worden: Man hat viel und langegeſtritten, ob ſie einen Vorzug vor der alten verdiene. Viele glauben daß es zuden Zeiten, da die Kuͤnſte bey den Roͤmern und Griechen bluͤhten, eben ſo groſſe Malerals Bildhauer gegeben. Der Streit iſt ſchwer auszumachen, da uns zwar eine Anzahlder herrlichſten Statuen uͤbrig geblieben, aber wenig Malereyen erhalten worden ſind.Die leztern befinden ſich an ſolchen Orten, wo die Roͤmer vermuthlich ihre koſtbarſtenStuͤcke in der Art nicht werden aufgeſtellt haben. Darunter gehoͤren die Malereyen,welche in dem Grabmahle des C. Ceſtius anzutreffen ſind.(“) Wir wollen, ehe wirvon ihnen ſelbſt reden, einige Nachricht von dieſem merkwuͤrdigen heidniſchen Denk-male, das ſich bis jetzt erhalten, geben.

Es liegt dieſes Monument nahe an der Landſtraſſe, die nach Oſtia fuͤhrt, mittenin der Stadtmauer, wie aus der Abzeichnung, die hierbey in Kupfer befindlich iſt, zu ſe-hen. Die verſchiednen Zerſtoͤrungen Roms hatten zwar denſelben keinen beſondernSchaden zugefuͤgt, es war aber durch den Umſturz, der in der Naͤhe geſtandnen Ge-baͤude faſt gaͤnzlich verſchuͤttet worden. Pabſt Alexander VII. beſchloß das Grabmalwieder ſo viel moͤglich in ſeinen vorigen Stand zu ſetzen, und ließ zu dem Ende denSchutt, der uͤber zwey und zwanzig Spannen hoch lag, wegraͤumen. Man fand unteren Trümmern viele Stuͤcken Marmor, einige Kapitale von Saulen, ein paar mar-morne Blaͤtter, und auf einem derſelben, einen ehernen Fuß, welcher vermuthlich ehe-mals zu einer Statue des Ceſtius gehöret: Aus der Groͤſſe des Fuſſes laͤßt ſich ſchlieſſen,aß die Statue vierzehen bis funfzehen Schuh hoch geweſen. Aus den Marmorſtuͤckenerrichtete man neben der Pyramide eine Saule wie auf der Figur zu ſehen. Auswen-II. Sauptth. VI. Band.(0 dig

Anmerkung. Die Gemaͤlde waren zu Sandrarts Zeiten noch in gutem Zuſtande, ſie ſind aberſeit der Zeit, theils durch Feuchtigkeit abgefallen, theils durch den Dampf der Fackeln, die mananzuͤndet, um ſie den Fremden zu zeigen, dermaſſen ſchwarz und unerkenntlich geworden, daßman faſt nichts mehr ſiehet, vielweniger von ihrer Schoͤnheit und dem Kolorit urtheilen kann.

Tab. 8.