90 Nap. 6. Von P. Coſimo Siulian und Ant. di St. Gallo, Puligo,
Nach vielen andern Gebaͤuden wurde ihm endlich der wichtige Bau der Peterskirche aufgetragen, zu welcher er einen Riß mit zwey Thuͤrmen verfertigte; er fuͤhr-te ſolchen aber nicht hinaus, ſondern ſtarb daruͤber im ſiebenzigſten Jahr ſeines Alters. Raphael war ſein guter Freund, lernte die Baukunſt von ihm, und brachte ſel
Bildniß mit dem Cirklein der Hand in der beruͤhmten Schule von Athen an. Er!
unſtreitig einer der groͤßten Architecten geweſen, der die wahren ſimplen Regeln derKunſt eingeſehen, und dem die Baukunſt unendlich viel zu danken hat.
Er war uͤbrigens ein Mann von dienſtfertigem Character und luſtiger Gemuͤths-art; ſo daß ihn jedermann lieb hatte. Er machte ſelbſt Verſe, und brachte ſie inMuſiſck. Durch ſeine Einſichten in der Baukunſt ſetzte er ſich in ein ſolches Anſehen05 5 alle andere Baumeiſter hochachteten und ſeinen Ausſpruch allemal als richttanſahen.
40. Giorgione da Caſtel Franco.
platte. Giorgione A. 1478. zu Caſtel Franco im Venetianiſchen von Varbarelli erzeuget,uͤbertraf ſeinen Lehrer Giovan Bellino bald, indem er nicht nur eine gute Zeichnungannahm, ſondern auch beſonders ſeinen Bildern ein ſchoͤnes Colorit zu geben wu gwodurch ſeine Gemaͤlde eine Kraft erhielten, die bisher noch kein Maler ſeinen ek;ken zu geben gewußt hatte.Dias nackende traf er ungemein natürlich, ſo wie er bey Bildniſſen in der Aehll-0 lichkeit gluͤcklich war. In ſeinen Landſchaften findet man viel annehmliches: weil!0 ſich aber meiſtentheils mit lauter groſſen Sachen beſchaftigte, ſo iſt es eine Seltenhel,etwas von ihm in Kunſt⸗Gallerien anzutreffen. Er brachte die Gewohnheit auf9 Haͤuſer von auſſen zu malen, worinn ihm zwar viele, aber zu groſſem Verluſt der Kunſgefolget, weil ſolche Arbeit allem Wetter ausgeſetzt iſt, und folglich die DenkmaleGeſchicklichkeit des Meiſters nicht auf die Nachwelt bringt. In jungen Ja hel.machte er viel Marienbilder von groſſer Anmuth, desgleichen Portraite: nachgehendsſchritt er zu groſſen Werken, und malte viel al freſco, unter andern das deutscheHauß zu Venedig, in der Kirche St. Rocco eine Creutztragung Chriſti, und viele Sachen in ſeiner Vaterſtadt. l
Als Andreas Verochio ein metallenes Pferd zu Venedig gießen ſollte entſtundein Streit uͤber den Vorzug der Maler und Bildhauerkunſt. Viele behaupteten 0Bildhauerkunſt ſey vorzuͤglicher, weil ſie eine Figur von allen Seiten vorſtellte. Dalauf malte Giorgione eine nackende Figur von hinten, deren voͤrdere Seite ſich in ennem Brunnen zeigte. Die eine Seite ſpiegelte ſich in einem an der Wand hängende,glänzenden Harniſch, die andere aber in einem Spiegel. Dies Bild wurde ſehr hochgeſchaͤtzt. Er mußte ſehr fruͤhzeitig aus der Welt, und ſtarb 1511. im vier und dr 0ſigſten Jahr ſeines Alters. Sein Verluſt wurde durch ſeine beyden Schuler Sebſtian del Piombo und Titian reichlich erſetzet.
41. Anton Corregio.
Anton Allegri da Corregio, nach ſeiner Vaterſtadt alſo bena te den el-
Platten. ſten Grund bey dem Mantegna, hatte aber das meiſte ſeinem nubagechlchen Ge-nie zu danken. Ohne jemals andere Malereyen, oder Anticken geſehen zu haben, 1
darnach zu ſtudiren, ward er ſelbſt ein unnachahmlicher Meiſter. Wenn er gleich nieg,
der richtigſte Zeichner war, ſo wußte er doch ſeinen Geſichtern eine ſolche Annen
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