94 Kap. 7. Raphael d' Urbino.
gehalten wird, endigte. An der Decke ſieht man vier kleinere Stuͤcke von eben die-ſem Meiſter. Alle dieſe Gemälde ſind ſehr oft geſtochen, und beſonders genau vondem Bellori in einem eignen Werke beſchrieben, unter dem Titel Deſcrizione delle imagini dipinte da Rafaello nel Palazzo Vaticano. Rom. 1695. fol. Sie enthal-ten aber mehr ein ſchwuͤlſtiges italiaͤniſches Lob, als eine gute Critick, welche manhingegen in Richardſon traité de la Peinture. T. III p 337. u. ſ. w. findet.
Auſſer dieſen Hauptſtuͤcken machte er inzwiſchen noch viele Nebenarbeiten, alsnach Neapel einen Hieronymus im Kardinals Habit, den Engel Raphael, welcherden Tobias begleitet, und eine heilige Familie. Nach Bologna ſchickte er fuͤr denKardinal Quadro, die daſelbſt noch befindliche beruhmte Cdeilia, deren bereits o eunter Franceſco Francia gedacht worden. Es fehlt derſelben, wie man zu ſagenpflegt, nichts als die Sprache, daher man folgende zwey Zeilen darauf machte.
Pingant ſola alii referantque coloribus oraCaeciliae os Raphael, atque animum explicuit.
Die Arbeiten, welche von allen Orten her von ihm verlangt wurden, machtendaß er nicht alles allein zu Stande bringen konnte; er gab aber auf ſeine geſchicktenSchuͤler fleißig acht, ſahe ihre Arbeit täglich nach, verbeſſerte, und ließ alles nachfeinen Zeichnungen und Anordnung machen. Nach des Bramante Todte lag dieBeſorgung des Baues vom Vatican gänzlich auf ihm, daher ſeine Schuͤler als Gio-vanni da Üdine an den Grotesken und Thieren, Julio Romano, Penni, Pellegrino, und Caravagio an den Figuren fleißig helfen mußten.
Er ſelbſt aber machte ſich an ein groſſes Gemälde, welches einen Brand in detVorſtadt Roms vorſtellte, welcher durch den Seegen von Pabſt Leo IV. gelöſchewurde. Die Figuren der arbeitenden, und tragenden Menſchen ſind darinn beſon-ders kraͤftig gezeichnet. Von einigen Gruppen auf der rechten Seite dieſes Gemaͤldes,worunter inſonderheit ein Mann der ſeinen alten Vater, wie Aeneas den Anchiſestraͤgt, bewundert wird, hat Raphael eine beſondre Sklizze verfertigt, welche Sandratehemals in ſeinen Kabinet beſaß, und die Barlaͤus mit Verſen beehrte. Es iſt ſolche auder Platte O. vorgeſtelt. Das Gewölbe dieſes Zimmers iſt von ſeinem Lehrmeiſte.Pietro Perugino gemalet, dem zu Ehren er es underändertſtehen ließ. Nach Florensverfertigte er fuͤr den Altar der Großherzoglichen Kapelle eine heilige Familie mit derAnna; und nach Palermo einen kreutztragenden Chriſtus, welches Gemaͤlde zwar auder See verungluͤckte, aber doch in einem Kaſten zu Genua unbeſchaͤdigt an Land trieb/und darauf erſt in die Olivetaner Kirche nach gedachter Stadt J erme gefwurde. Der Pabſt Leo X. hielte ſo viel auf den Raphael, daß er ſich v erſchiedenemal durch ihn abmalen ließ.
Um dieſe Zeit fieng er an in dem mehr gedachten Pallaſt Chigi alla Lungara ander beruͤhmten Hochzeit der Pſyche zu arbeiten.. 5
Er war damals in ſeinem beſten Alter, und hatte den hoͤchſte einerletzten und beſten Manier erreicht; daher geben Kenner dieser Möbel 0 va-ticaniſchen groſſen Stuͤcken den Vorzug. Er hat gleichſam darinn gezeiget, was dieKunſt vermag. Es hat hin und wieder viel gelitten gehabt, und von Carl Marattian manchen Stellen nachgeholfen werden muͤſſen; überhaupt aber muß man ſiwundern, wie lebhaft und friſch die Farben ausſehen. Man entdeckt noch die kraͤftigenkuͤhnen Striche darinn, welche den Meiſter, der ſeiner Kunſt gewiß iſt, verrathen.In den Figuren der Goͤtter findet man die maͤnnliche Starke, und ſtarken Meng
keln