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102 Rap.. Pol. Caravagio. Roſſo. Andrea Coſimo. Morto

Man trug ihm die Aufſicht uber alle koͤnigliche Kunſtwerke und Gemaͤlde auf. Eklegte darauf zu Fontaineblau eine praͤchtige Gallerie an, welche nach ſeinen Zeichnun-gen mit Figuren, Feſtonen und andern Zierathen von Stuccatur Arbeit verſehenwurde. An jedem Ende derſelben ſind zwey Gemaͤlde mit Oelfarben von ſeiner Handzu ſehen. Der König hatte einen ſolchen Wohlgefallen, ſo wohl an ſeiner eignen Ar-beit, als an den uͤbrigen Anordnungen unter ſeiner Aufſicht, daß er ihm ein Canoni-cat von tauſend Thalern jaͤhrlicher Einkuͤnfte ſchenkte. Inſonderheit zeigte Roſſo ſeineGeſchicklichkeit, als Kayſer Carl V. den Koͤnig Franciſcus im Jahr 1540. zu Parisbeſüchte, indem er viele Bogen, und was zu den Feyerlichkeiten erfordert wurde, theilsſelbſt malen, theils angeben mußte.

Er verfertigte daſelbſt ferner nicht nur viele Gemaͤlde, ſondern auch viele Zeichnun-gen zu goldnen und ſilbernen Geſchirren, zu Geſchmeide, Pferde Geſchirren, u. d. gl. wel-che der Koͤnig nachmals von den Handwerkern nachmachen ließ. Er ſchrieb auch zweyBuͤcher von der Anatomie. Wie er auf dieſe Weiſe viel Vermoͤgen erworben hatte, unihn ſein Freund Pellegrino beſuchte, glaubte er von ſolchem um einige hundert Ducatenbeſtohlen zu ſeyn. Pellegrino wurde verklagt, und hielte ſo gar die Marter aus. Nach-dem er nun fuͤr unſchuldig erklaͤrt worden, forderte er von Roſſo Genugthuung, woru-ber dieſer Gift nahm, und 1541. ſtarb.

Roſſo war groß von Perſon, und beſaß auſſer ſeiner Kunſt, auch andre Wiſſenſchaf-ten. Er verſtand die Muſick, und die Philoſophie. Er hatte Beleſenheit, und wuß-te ſeine Gemaͤlde ſehr poetiſch anzuordnen. Sonſt liebte er den Pracht, hielte ſich koſt-bar in Kleidern, viele Bedienten, und mochte gern gut eſſen und trinken.

49. Andrea Coſimo.

Andrea, mit dem eigentlichen Geſchlechtsnahmen Feltrino, weil er aber ein Scho-lar des Coſimo Roſelli war, ſo nannte man ihn Andrea di Coſimo. Er war ein Flo-rentiner, und ums Jahr 1538. beruͤhmt. Man giebt ihn fuͤr den Erfinder des Sgraf-fito aus, welches oben 9. 47. unter dem Caravagio erklaͤrt worden, und zierte auf dieſeWeiſe viele Vorderſeiten von Pallaͤſten aus. Er malte auch viele Grotesken und Vel!zierungen bey Begraͤbniſſen und oͤffentlichen Einzuͤgen.

Seine Frau war die Schweſter des beruͤhmten Bildhauers Sanſovino. Mallerzaͤhlt, daß er ſehr furchtſam geweſen, und nicht das Herz gehabt, die Bezahlungſeiner Arbeit zu fordern, ſondern lieber fuͤr andere oder unter ihrem Namen gearbeilehabe. Er hielte ſich lange Zeit bey dem naͤchſtfolgenden Maler da Feltro auf.

50. Morto da Feltro.

Ludovicus Morto da Feltro hatte eine beſondre Neigung, die anticken Zierathelund Malereyen auf den Mauern abzuzeichnen, und hielte ſich deswegen lange zu Ovoli in der villa Adriana, und zu Puzzolo auf. Weil dieſe Malereyen meiſt in untek“irrdiſchen Gewoͤlbern anzutreffen, welche die Italidner uberhaupt Grokten nennen, ſehaben dergleichen Zierathen den allgemeinen Namen Grotesken bekommen. Er wur“de in dieſer Art ein ſolcher Meiſter, daß er mit Recht allen zum Muſter dienen kann.Er kam zu Pabſts Alexanders VI. Zeiten nach Rom, und hielte ſich immer bey den Rullnen auf, weil er die Einſamkeit liebte. Als er von den Cartons des Vinci und Dinarotti hoͤrte, gieng er nach Florenz, um ſolche in Augenſchein zu nehmen, und begaſich darauf wieder zu den Verzierungen, indem er wohl ſahe, daß er es nie ſo wel

bringen wuͤrde. Endlich zog er zum Giorgione nach Venedig, malte einige enrath