104 Bap. 9. Pol. Caravagio. Noſſo. Andrea Coſimo Morto
einer runderhabnen Flaͤche, wie ein convexer Spiegel ab, ein Stuͤck wobey er uͤberausviel Wiſſenſchaft in der Perſpectiv zeigte. So bald er in Rom angelangt war, lieer dem Pabſt ſeine Arbeit ſehen, und weil ſolche demſelben gefiel, ſchenkte Parme-ſan ihm alle drey Stuͤcke.
Der Pabſt bewunderte ſeine Jugend und Geſchicklichkeit, und trug ihm auf einenSaal zu malen. Er verfertigte auch in drey Tagen eine Beſchneidung von treflicherErfindung, worinn er ein dreyfaches Licht anbrachte Eines vom Angeſicht Chriſti/das andre von dem mit Lichtern erleuchteten Tempel, und das dritte von der hintenhervor ſpielenden Roͤthe des Tages. Er ſtudirte fleiſſig nach Raphael und MichaAngelo. In der damaligen Pluͤnderung von Rom hatten die Soldaten ſo viel Ach-tung fuͤr ſeine Kunſt, daß ſie ihm kein Leid zufüͤgten. Er mußte eine Zeichnung füreinen der feindlichen Officiers verfertigen. Beym Abzuge wollten ſie den Parmeſanmitfuͤhren, er kaufte ſich aber loß. Wie ſein Oheim, der ihn bisher beſtändig beglel-tet hatte/ ſahe, daß die Unruhen ſo bald nicht vorbey ſeyn, und die Kuͤnſtler unter derZeit nicht viel Beſchaͤftigung haben wuͤrden, rieth er dem jungen Parmeſan wieder ilſein Vaterland zu gehen. Sie nahmen ihren Weg uͤber Bologna, wo er verſchiednGemaͤlde z. E. einen heiligen Rochus zu Stande brachte, und einige ſeiner Werke inKupfer bringen ließ. Er hatte zu dem Ende einen Kuͤnſtler Namens Antonio, zu ſichins Haus genommen, welcher an einem Morgen, da Parmeſan noch im Bette lag, heim-lich mit den Platten, und allen ſeinen Handzeichnungen durchgieng. Den Kayſer CarV welchen er etliche mal bey der Kroͤnung zu Bologna geſehen, malte er aus deiGedaͤchtniſſe, und traf ihn ſehr gluͤcklich. N
Es gefiel dem Pabſt dergeſtalt, daß er das Gemaͤlde dem Kayſer zum Geſchenkbeſtimmte, und den Parmeſan nebſt einen Biſchof, ſelbſt damit abſchickte. Der Kahſer wollte es behalten, der Kuͤnſtler nahm es aber unter dem Vorwande, daß er 10etwas daran verbeſſern wollte, zuruͤck, wodurch er ſich groſſen Schaden that. Das Bilkam nachgehends in die Gallerie von Mantua.
Er kehrte endlich wieder nach Parma, wo er zu St. Maria Steccata al Freſtomalte. Zuletzt verfiel er auf das Goldmachen, wodurch er faſt um alles das ſeinigkam, und ſeine Arbeiten verſaͤumte. Die Vorſteher obiger Kirche verklagten ihn ei-ner Saumſeeligkeit wegen gerichtlich; aus dieſer Urſache fluͤchtete er nach Caſal Mag'giore.
Daſelbſt verfertigte er einige Stuͤcke in der Stephanskirche, als ein Marienbildin der Luft, und unter demſelben den heiligen Stephan und Johannes. Zulekemalte er die roͤmiſche Lucretia, welches das ſchoͤnſte Stuͤck ſeyn ſoll, ſo er jemals ge,macht hat. Er verfiel aber wieder auf das Goldmachen, und brachte mehr durch/ oer im Stande war zu verdienen. Seine Neigung dazu gieng ſo weit, daß er ſich 7und Nacht damit beſchaͤftigte, und daruͤber vergaß die Haare und den Bart ſcherenzu laſſen. Dolce ſucht ihn von dieſen Beſchuldigungen frey zu ſprechen. Endlich ſtaler zu Caſale im Jahr 1540. in kuͤmmerlichen Umſtanden, und ward auch daſelbſt begra,ben. Er war ein guter Landſchaftmaler. In ſeinen Bildern bemerkt man eine grossAnmuth, uad ſeine Koͤpfe haben etwas ſanftes und einnehmendes, daß man beſondeſ,1 e 8 5 ueberhaupt iſt ſeine Manier mehr 1ich und angenehm, als ſtark im Ausdruck, weil er gemeinigli Nani orrez-gio nachzuahmen ſuchte. 5 gemeiniglec der Manier des
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