108 Rap. 11. Von perin del Vaga und Dom. Beccafumi.
ckung des Lazarus in Pietro Montorio. Gegen uͤber malte Raphael ſein letztes Bild/die Verklärung, welches von jedermann ſeiner Annehmlichkeit wegen vorgezogen wur.
Del Piombo brachte ganzer ſechs Jahre uͤber dieſe Arbeit zu, Michael Angelo zeich-nete ihm heimlich die Figur von Chriſtus, welche das beſte war, was man noch von des Se-baſtians Hand geſehen hatte. Die Geſichter in dieſen Gemaͤlden verdienen viel Lob.dem Gewoͤlbe der Kapelle hat er auch einige recht ſchoͤne Figuren auf naſſem Kalk gemalt.
Er war ſehr langſam im Arbeiten, daber er ſelten Stuͤcke vollendete, ſondern ſol-che oft andern uͤberließ. Er erfand eine Compoſition von Kalck, griechiſchem Pech unMaſtix, die er auf die Mauern ſtrich, um alsdenn mit Oelfarben darauf zu malen,wodurch die Farben ſehr erhalten wurden. Er rieth dem Pabſt auf dieſe Weiſe dieVorderſeite einer Kapelle malen zu laſſen, welches Michel Angelo fuͤr weibiſche Arbeitausgab, und daruͤber mit Sebaſtian zerfiel. Der Pabſt Clemens VII. machte ihn zumAufſeher uͤber das bleyerne Siegel, daher er den Zunahmen del Piombo erhielte. Efieng darauf ein bequemes Leben an, und vertrieb ſich die Zeit mit Verſe machen, unandern Dingen. Hieruͤber ließ er ſeine Kunſt gar liegen, bis er 1547. im zwey unſechzigſten Jahr aus der Welt gieng.
Das II. Kapitel.
Von perin del Vaga und Dom. Beccafumi.57. Perin del Vaga.
einem ſchlechten Maler Vaga der zu ihm kam, und nach deſſen Abzuge Perin derName blieb. Dieſer Kuͤnſtler irrte in ſeiner Jugend von einem Meiſter zum andernlernte aber doch das meiſte vom Ghirlandajo. Endlich, wie er ſich nach Rom begab“empfand er einen ſolchen Trieb nach den Anticken und andern Werken zu zeichnen“daß er ſich an Sonn und Werktagen damit beſchaͤftigte Die eine Haͤlfte der Woche ar-beitete er um ſein Brod zu verdienen, und die andre ſtudirte er nach den beſten Muſterder alten und neuen Kunſt. Michel Angelo war ſein Muſter in der Zeichnung, und demRaphael ſuchte er ſonſt nachzuahmen. Er brachte es in kurzem ſo weit, daß Raphaelihn nebſt dem Giovanni da Udine an die Arbeit ſtellte, und mit ihm ungemein zu frie-den war, weil er in kurzer Zeit viele andre ſeiner Mitſchuͤler uͤbertraf.
platte r P. Buonacorſi zu Florenz 1500. gebohren. Den Namen del Vaga erhielte er von
Er zeigte darauf ſeinen ſchoͤnen Pinſel in vielen Stücken des Vaticans, zumal inden ſogenannten Logen, als bey dem Durchgang durchs rothe Meer, und bey deMauern von Jericho, und andern mehr. Er druckte ſeines Meiſters Zeichnung und
Manier beſſer aus als alle andre Schuͤler.
Inſonderheit zeigte er ſeine Kunſt in dem paͤbſtlichen Saal, durch welchen man indie Logen kommt. An dem Gewoͤlbe deſſelben malte er die ſieben Planeten: fernedie Venus und den Jupiter nebſt den zwölf himmliſchen Zeichen. In der Mitte deſſelben halten vier Figuren als Victorien die paͤbſtliche Krone, Schluͤſſel und andereInſignien. Der berühmte Baumeister Anton von St. Gaus hielte ihn belonghoch, und ſuchte ihn bey aller Gelegenheit hervorzuziehen. Sein ſchoͤnſtes Werkſoeine Kreutztragung geweſen ſeyn, welche er fuͤr die Kirche St. Auguſtino alla? inerva verfertigt, es gieng aber durch einen Wolkenbruch verlohren. In der ServitenKirche ſtiftete er ſein Andenken durch einige Figuren und Kinder mit Feſtonen, chen