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110 Rap. II. Vom perin del Vaga und Dom. Beccafumi.

eben ſo viel Verwandlungen des Ovids abgebildet, und in noch vier andern ſahe mandie Arbeiten ſeiner Schuͤler nach ſeinen Zeichnungen. Der Prinz Doria hielte unge,mein viel auf unſern Kuͤnſtler, theils wegen ſeiner Geſchicklichkeit, theils wegen ſeineunermuͤdeten Fleiſſes. Er belohnte ihn reichlich, und wollte ihm noch weit mehrereArbeiten auftragen, allein Pierin ſchlug es aus, weil er auf vieles Zureden ſeineFrau den Entſchluß gefaßt hatte, ſich in Piſa niederzulaſſen. Er gieng auch wuͤrklichdahin, und fieng in der Domkirche verſchiedne Arbeiten an, verließ aber nach einigenMonaten die Arbeit und ſeine Frau, und machte ſich wieder in aller Stille nach Ge-nua, wo ihn der Fuͤrſt mit offnen Armen aufnahm, und gleich alle Huͤnde voll zu thungab. Endlich ließ er ſich durch das dringende Anhalten ſeiner Frau abermals bewegen/und kehrte wieder nach Piſa. Wie die Vorſteher aber unterdeſſen ſeine angefangeneMalereyen einem andern zu vollenden aufgetragen hatten, ward er verdrießlich, daß erſo viele Cartons zu dem Werke vergebens zeichnen muͤſſen, und gedachte nunmehr ſelGluck in Rom zu verſuchen. Anfangs wollte weder Pabſt Paulus noch der Cardinal Far“neſe, denen er ſich vorſtellen ließ, etwas mit ihm zu thun haben: allein nach einigeZeit trug man ihm gleichwohl Arbeit auf, indem er eine von Julio Romano und Penni angefangene Capelle alla Trinita vollenden mußte. Er ſtellte in derſelben zweyHauptgemälde den Teich Bethesda, und die Auferweckung des Lazarus vor. iPabſt verwilligte ihm darauf einen monatlichen Gehalt von fuͤnf und zwanzig Dueaten,und er malte den ſogenannten koͤniglichen Saal, eines der vollkommenſten Werkejemals die Kunſt hervorgebracht.

Die Decke wurde mit allerley Stuccatur Arbeit von der ſchoͤnſten Erfindung ge-ziert, allenthalben brachte er das Farneſiſche Wappen, und des Pabſts Wahlſpüean. Als Pierin nunmehr ein gewiſſes Gehalt hatte, machte er ſich einen bequemeTag, legte den Pinſel faſt gaͤnzlich nieder, und that zuletzt beynahe nichts als Zeichnen.Seine Schuler mußten darnach arbeiten, und ſeine Entwürfe ausfuͤhren, daher ſo zu ſagenalle Werke damaliger Zeit durch ſeine Haͤnde gegangen, oder nach ihm gemacht ſind ·Waͤhrend der Zeit kam Titian im Jahr 1546. nach Rom, um Bildniſſe zu malen.wurde in dem paͤbſtlichen Pallaſt aufgenommen, frey bewirthet, und mit vorzuͤglicheMerkmalen der Achtung empfangen. Daraus entſtund das Geruͤcht, er waͤre berufen/den koͤniglichen Saal zu malen, woran Pierin gleichwohl dachte Lebenslang einen Ver,dienſt zu haben. Dies war Titians Abſicht aber keinesweges. Pierin ſahe ihn auch ſonſtwegen ſeiner groſſen Wiſſenſchaft in der Malerey mit neidiſchen Augen an, und ienicht eher ruhig, aus Furcht einen groͤſſern Meiſter an ihn zu finden, bis dieſer wiederabreißte. Er entkraͤftete ſich durch gar zu viele Arbeit, und ſtarb daher plotzlich im ſie-ben und vierzigſten Jahre. Dies geſchahe im Jahr 1547. und er ward in der Rotobegraben. Seine Grabſchrift lieſet man daſelbſt mit folgenden Worten:

Perino Bonacurſio Vagae Florentino, qui ingenio et arte ſingulari, egregic-cum pictores permultos, tum plaſtas facile omnes ſuperavit, Catharina Ierini coniugi, Lavinia Bonacurſia Parenti, loſephus Cinrius Cariſſimo et atimo fecere. Vixit Ann. 46. Menſ. 3. dies 21. Mortuus eſt XIV. Kal⸗ No.

Ann. 1547.58. Domenico Beccafumi.

Domenico Mecherino zu Siena 1484. von duͤrftigen Eltern gebohren. Er huͤle-te ſeines Vaters Schafe, und zeichnete mit dem Stabe manchmal in den Sand. ezBurger von Siena Beccafumi genannt, ſahe dieſes, ſchloß daraus auf ſein natürlicheGeſchicke, und nahm ihn mit Genehmhaltung ſeines Vaters zu ſich, daher er ach;

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