112 Rap. 12. Giovanni da Udine. Giacomo da Pontormo.
Er hegte die ſonderbare Meynung, daß die Eyerfarbe dauerhafter als die Oel-farbe waͤre, und daß daher die Werke des Pollajuolo und andre eher vergehen würden, als ſeine oder die vom Fra Giovanni und Benozzi, welche zeitiger als jene gele-bet, und ſich der Eyerfarben bedient hatten.
Das 12. Kapitel.
Giovanni da Udine. Giacomo da Pontormo.
59. Gio v. da Udine.
blauer.(Jiobamni Nanni von ſeiner Vaterſtadt da Udine genannt, wurde An. 1494. 900bohren. Sein Vater nahm ihn oft auf die Jagd, und bey der Gelegenheit ſienger an alle Thiere abzuzeichnen. Wegen dieſes naturlichen Triebes zum zeichnen, tha5 ihn der Vater zu dem Maler Giorgione nach Venedig, welchen der junge Nanni abald verließ, um ſich zu dem Raphael zu begeben. Weil er Empfehlungsſchreiben,vom Balthaſar Caſtiglione brachte, ſo nahm Raphael ihn um ſeines Freundes willengleich ſehr gut auf. Bey einem ſo groſſen Lehrer wurde er bald geſchickt im Zeichnenund coloriren, er blieb aber doch bey ſeiner erſten Neigung Thiere, LandſchaftenGebaͤude, Vaſen, und allerley Geraͤthe, beſonders aber Voͤgel zu malen. Er hal-1 te ſich ein ganzes Buch voll ſolcher Studien zuſammen getragen, welches Raphaee oft mit Vergnuͤgen durchblaͤtterte, und des jungen Nanni Genie bewunderte.ꝑ— Raphael ließ die Orgel und andere muſikaliſchen Inſtrumente auf ſeinem berühmtenBilde von der Caͤcilia durch ihn malen. Um dieſe Zeit entdeckte man in den Ruinen derBaͤder des Titus einige Kammern, voll von kleinen Hiſtorien und Figuren, nebſt Zie-rathen von Stucco, welches alles noch ſehr friſch und ſchoͤn ausſahe. Dieſe copirteGiovanni gar fleiſſig: und gab ſich beſonders Muͤhe, den alten Stucco nachzumachen.Nach verſchiednen vergeblichen Verſuchen, fand er endlich, daß die Maſſe aus kleingeſtoßnem weiſſen Marmor und Kalk, von Travertiniſchen Steinen beſtuͤnde. Dieſeneue Erfindung wurde in den Zimmern des Vaticans, wo Raphael arbeitete ange-bracht; ſie nahm ſich vortreflich aus, und erwarb unſerm Giovanni den Ruhm, daßer den Stucco der Alten faſt uͤbertreffe, und ihre Manier von Grotesken wieder aufgebracht habe.
Seine Grotesken wurden den Alten auch vorgezogen, weil ſeine Voͤgel, Thiere/und was er ſonſt dazu anwandte, nach dem Leben gemalt, und in der angenehmſteAbwechſelung angebracht waren. An dem einen Ende der Mauer hatte der Malereinen Teppich ſo kuͤnſtlich uͤber einer Thuͤre gemalt, daß ein paͤbſtlicher Kammerdienedarauf zu gieng, um ihn fuͤr den Pabſt aufzuheben. In einem andern Saale ma 6er allerley Papageyen, welche der Pabſt Leo hatte, desgleichen andre Thiere/ alsAffen, Meerkatzen, und dergleichen von groſſer Aehnlichkeit; die Voͤgel ſchienen aufWeintrauben zu fliegen, von denen man glaubte, daß ſie wuͤrklich von der Decke hen,unter hiengen. Es iſt zu bedauern, daß Paulus 1. den Saal einreiſſen ließ, 1Kammern daraus zu machen, weil dadurch die ſchoͤne Arbeit des Nanni verlohren
gieng.ö
Am allerſchoͤnſten iſt dieſe Art der Arbeit von ihm in der Vigna Madama zi fhen. Er malte auch einen treflichen Waſſerfalle in einer wuͤſten Gegend; dieſe Arbeund die in der Vigna gefielen dem Cardinal Julius Medicis ſowohl, daß er ihm e.
Canonica ſchenkte, und nach Florenz ſchickte, wo er in ſeiner Manier ee1 fertigte