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II4 Bap. 12. Giovanni da Udine. Giacomo da Pontormo.60. Giacomo da Pontormo.
Giacomo Carrucci von ſeiner Vaterſtadt da Pontormo genannt war 1493. ge-bohren. Er lernte anfangs bey Leonh. da Vinci und zuletzt bey Andrea del Sarto,Er zeigte ſehr fruͤhzeitig ein groſſes Genie, daher Raphael und Michel Angelo aldſie ſeine Arbeit anſichtig wurden, ihm prophezeiten, er wurde es weit bringen. Seine Zeichnung und Colorit waren ungemein ſchöͤn, ſeine Erfindungen und Compoſitio-nen verdienten Beyfall. Er blieb aber nicht lange auf dem guten Wege, ſondermachte die Prophezeyungen der gedachten groſſen Meiſter bald zu ſchanden. SeineZeichnungen wurden ſteif und hart, gleich als wenn er der Manier der damals lebenden deutſchen Meiſter nachzuahmen ſuchte. Man muß daher die Zeit, wann dieſeMeiſter ein Bild gemacht, unterſcheiden, wann man etwas von deſſen Güte beſtim,men will. Zu Anfange, wie er die Lehrjahre uͤberſtanden, hat er unſtreitig gunGemaͤlde geliefert. Was er in ſeinen Mitteljahren gearbeitet, dem ſieht man diegezwungene ſteife Manier an, und das iſt ſehr mittelmaͤſſig. An ſeinen letzten Stu;cken merkt man, daß er ſeinen Fehler eingeſehen, und ſich bemuͤhet, wieder auf denrechten Weg zu kommen, daß es ihm aber nicht recht damit gelingen wollen.meiſte was er wußte, hatte er dem Andreas del Sarto zu danken, welcher abergleichwol nicht leiden konnte, daß Raphael ſich ſo gar groſſe Hoffnung von dem Car-rueci gemacht hatte. In dem Vorhofe des Serviten Klosters deſſerte er ein Gemade des del Sarto, das vom Wetter gelitten hatte mit einer Geſchicklichkeit aus,man ſich von einem jungen Anfaͤnger gar nicht vermuthete.
Schon im neunzehnten Jahre malte er dieſe Figuren bey den Serviten Mön-chen, und darauf gieng er von del Sarto weg der entweder wegen dieſer Verlaſung oder aus Neid ihm ſo feind wurde, daß ſie ſich nie wieder mit einander verſöͤh-net. Nach der Wahl Pabſt Leonis X. eines Florentiners mußte er bey den offenlichen Aufzuͤgen und Luſtbarkeiten in Florenz viel arbeiten.
Es war damals die Mode um Faſtnachten allerlen Maskeraden anzuſtellen,und bey der Gelegenheit wurden die Wagen und andere Sachen, welche man dazgebrauchte kuͤnſtlich ausgemalt. So ſtellte man dieſesmal zum Exempel auf drey Wagdas menſchliche Alter, die Kindheit, die maͤnnlichen Jahre, und das hohe Alter volund auf dieſen Wagen hatte unſer Kuͤnſtler verſchiedne Verwandlungen des Ooids,und allerley Laubwerk und Zierathen ſehr artig gemalt. Ein andrer Aufzug be,ſtund aus ſieben Triumphwagen, auf dem erſten fuhr Saturn der Gott der Zeit, aufdem andern Numa Pompilius, der andre roͤmiſche Koͤnig, welcher den Gotkesdienſbey dem neuen Reich einrichtete, der dritte ſtellte den Titus Manlius Torquatus vo.welcher das Burgermeiſter Amt nach dem erſten puniſchen Kriege fuͤhrte. Der vier-te den Julius Caſar im Triumph, nachdem er allenthalben geſiegt hatte; der funte den Kayſer Auguſt, als den Beherrſcher des ganzen roͤmiſchen Reichs/ der ſechſte den Kayſer Trajan, und endlich der ſiebente zeigte die goldene Zeit, welche gleich,ſam durch die Wahl Pabſt Leo X. wieder eingefuhrt wurde. Bey allen dieſen We,gen bewies Pontormo ſeine Geſchicklichkeit in der Erfindung und Ausfuͤhrung mit ſoallgemeinem Beyfall, daß man ihm auch die Ausfuͤhrung der Ehrenpforte beeEinzuge des gedachten Pabſts auftrug. Ferner machte er in kurzer Zeit in 5Capelle, wo gedachter Pabſt Meße hören ſollte, eine Veronica mit dem Schweißtuche auf naſſem Kalk.
Wie er dies alles zu Stande gebracht, und ſein Ruf ſich ſehr ausgebreitet battevertrauten die Serviten Moͤnche ihm die Vollendung der Werke an, we Gare