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122 Kap. 14. Sranceſco Salviati, und Daniel

und von da gieng er nach einem nicht gar zu langen Aufenthalte nach Florenz. Da-ſelbſt verewigte er ſich durch eine Menge Arbeiten, welche er auf Befehl des Großhet-zogs unternahm. Vorzuͤglich zeigte er ſich in dem Audienz⸗Saal, welcher um deſtoſchwerer zu entwerfen war, weil er viel Fenſter hatte. Man ſieht daſelbſt viele römi-ſche Geſchichte z. E. wie Camillus dem Schulmeiſter ſeinen Knaben zu geiſſeln uͤber-giebt, wie er die Gallier beſiegt, wie eben derſelbe die Roͤmer erloͤſt, und die Gallierdas Gold waͤgen, und endlich ſeinen Triumph. Ferner zeichnete er auch viele Cartonszu Tapeten fuͤr den Großherzog, unter andern die Geſchichte Joſephs und der Lucretia.Verſchiedene ſeiner Zeichnungen ließ er durch den Aeneas Vico von Parma in Kup erſtechen. Endlich zog er im Jahr 1548. nach Rom, und kaufte ſich bey dem Palla

Farneſe ein Haus, worinn er ſeine uͤbrige Lebenszeit, unter beſtaͤndigem Fleiſſe zubrach-te. Der Cardinal Farneſe trug ihm auf, eine Capelle auszumalen, worinn er die Ge?ſchichte des heiligen Laurentius zum Gegenſtande waͤhlte. Ferner verfertigte er füreben dieſen Cardinal in Oelfarbe eine Geburt Chriſti, worinn er deſſen Bildniß anbrach-te, und in ſeinem Pallaſte mußte er viele Geſchichte des Farneſiſchen Hauſes anfangen,er brachte ſie aber nicht alle zu Stande, ſondern mußte die Ausfuͤhrung nach ſeine

Tode dem Zucchero uͤberlaſſen. In der Kirche St. Salvatore del Lauro ſieht man vo

ſeiner Hand die Hochzeit zu Canaan, und St. Georg mit dem Drachen. Nach Flo,renz ſchickte er ein ſchoͤnes Gemaͤlde von Adam und Eva. In der Kirche Maria delpopolo fuͤhrte er die Capelle der Chigi, welche Sebaſtian del Piombo angefangenhatte hinaus, und fuͤr den Cardinal Riccio mußte er in einem Saale verſchiedene Be-gebenheiten aus dem Leben Davids, und eine ſchoͤne Schlacht verfertigen.

Man muß ihm uberhaupt das Lob geben, daß er in allen Theilen der Malerehſehr geſchickt geweſen. Das nackende zeichnete er beſonders gluͤcklich, gab den Köͤbfeneinen wohlanſtaͤndigen Ausdruck, und wußte die Bekleidung ſo zu werfen, daß madasnackende dadurch ſahe.

Er liebte vorzuͤglich groſſe, ſinnreiche und weitlaͤuftige Compoſitionen, und wuͤrdevielleicht ein noch groͤſſerer Meiſter geworden ſeyn, wenn er ſeinem Genie haͤtte mehtfolgen und ſich beſtaͤndig mit ſolchen Arbeiten beſchaͤftigen können. So aber ſe-he er ſich genoͤthigt meiſtens Werke von geringerer Erheblichkeit zu unterneh-men. In den letzten Jahren fiel er in den Fehler allerley Handel uͤber diBezahlung mit Leuten, die etwas bey ihm beſtellten anzufangen, und verurſachte dasdurch, daß er weniger geſucht wurde. Als Koͤnig Franeiſcus J. wieder nach Frank-reich zuruͤck gieng, verſprach er dem Salviati viel Belohnungen, wenn er ihm folgewuͤrde. Dieſer verkaufte alſo ſein Haus, reißte im Jahr 1554. nach Paris, unwurde von Franceſco von Bologna, koͤniglichem Maler und Baumeiſter ſehr wohl aufgenommen. Er machte ſich aber dadurch, daß er die Arbeiten aller andern tadelteverhaßt, und als er etwas fuͤr den Cardinal von Lothringen zur Probe auf naſſem Kalverfertigen mußte, erfuͤllte er die Erwartung nicht, die man ſich, weil er andere Sa,chen ſo gering ſchaͤtzte, von ihm gemacht hatte. Wie er dies merkte, und ſich uͤber dieſeſeine Ernſthaftigkeit nicht zu dem luſtigen und lebhaften Character der Franzoſen ſchick-te, ſo kehrte er bald wieder nach Rom zuruck, machte ſich aber auch hier viele Feindurch ſeinen Stolz. n

Als der Cardinal Farneſe nach vieler Mühe es bey dem Pabſt endlich dathin brachte, daß er die andere Helfte des ſogenannten königlichen Saals, daraltDaniel von Volterra arbeitete, zu malen bekam, ſo fieng er gleich an mit dieſem zuzanken, und unterſtund ſich ſo gar eine von jenem angefangene Malerey wegnehm,