126 Kap. 15. Taddeo Zucchero und
Er wollte ſich des vielen Zuredens ſeiner Freunde ungeachtet, niemals darein bege-ben, ſondern zog ein einſames ungezwungenes Leben vor. Sein Lebenswandelwar ſonſt ſehr ordentlich; er begnuͤgke ſich mit wenigem, weswegen er maͤſſige Preiſefuͤr ſeine Werke forderte. Von ſeinen vielen Gemaͤlden zu Caprarola wird unten imLeben ſeines Bruders Friedrich mehr vorkommen. Es iſt in Anſehung der Kunſt eingroſſer Verluſt, daß dieſer Meister nicht länger gelebet; ob er gleich die wenigen Jah-re durch ſeinen unermuͤdeten Fleiß ſo viel moͤglich genutzet hat. Er wurde nach ſeinemTode beym Raphael, in der Rotonda begraben, nachdem er ſein Leben nicht uͤber ſie-den und dreißig Jahr gebracht hatte. Er ſtarb im Jahr 1566, und hinterließ vieleunvollendete Stuͤcke, die ſein Bruder meiſtens zu Stande gebracht hat.
66. Michael Angelo Buonarotti.
Platee“ Wir kommen nunmehr auf einen der groͤßten Kuͤnſtler neuerer Zeit, welcher in0 allen Theilen der Bau, Bildhauer und Malerkunſt vortreflich genennet, hauptſächlich0 9 a aber in Anſehung der Bildhauerey faſt uͤber alle andere geſetzt zu werden verdient,Wer ſich nur einigermaſſen um die Geſchichte der Kunſt bekuͤmmert hat, wird leicherachten, daß hierunter kein anderer als Michael Angelo Buonarotti zu verſtehen ſey ·Sein Name iſt in den bisherigen Lebensbeſchreibungen ſchon ſo oft genennt worden,daß es endlich Zeit iſt auch von ihm ſelbſt Nachricht zu geben.
A.uſſer dem was von ihm in allen Maler Buͤchern zu finden, hat Condivi Vitadi Michael Angelo Buonarotti geſchrieben, wovon die neueſte Edition mit Noten von0 Mariette 1736. zu Florenz in Folio herausgekommen. Wir wollen uns bemuͤhen, da
• wichtigſte von dieſem merkwuͤrdigen Kuͤnſtler aus demſelben beyzubringen. Er wur?
e de aus einer adelichen Familie im Jahre 1474. auf dem Schloſſe Capreſe im Florent
e niſchen unweit Arezzo, wo ſein Vater Befehlshaber war, gebohren. Der Vater los 4ß te ihn anfangs nicht den Kuͤnſten widmen. Als Michael Angelo ſich aber heimlich Zeich-
0 nungen, von einem ſeiner Bekannten, der bey dem Ghirlandajo war, geben ließ unbeſtaͤndig darnach zeichnete, ließ ſich der Vater endlich bewegen, ſeiner Neigung nichtzuwider zu ſeyn, und ſchickte ihn im vierzehnten Jahre zum gedachten Ghirlandajo.
N Er that es in kurzer Zeit ſeinen Mitſchuͤlern zuvor, und brachte es ſo weit/ daßee er nicht lange hernach eine Zeichnung ſeines Meiſters verbeſſerte, und ihr einen be ernn Umriß gab. Wie der Meiſter die groſſe Kapelle zu St. Maria Novella malte, unn einſt von der Arbeit gegangen war, zeichnete Michael Angelo in der Geſchwindigkeitdas Geruͤſte mit allem Zugehoͤr, und den darauf ſitzenden Jungen ſo natuͤrlich ab, daGhirlandajo bey ſeiner Zuruͤckkunft ſich daruͤber verwunderte, und geſtund daß dieſeJuͤngling mehr koͤnnte als er ſelbſt. Michael Angelo bekam damals einen Kupferſtichvon einem deutſchen Meiſter Martin Schoͤn, der die Verſuchung des heiligen Ankosnius vorſtellte, zu Geſichte, welchen er ſo naturlich copirte, daß man die Zeichnun
vom Original nicht unterſcheiden konnte.
e Um dieſe Zeit hatte ſich Lorenz von Medieis eine Menge von anticken Bilderl.n Gemaͤlden, und andern Kunſtſachen angeſchaft, und hegte die Abſicht eine öffentlichel Schule fuͤr Maler und Bildhauer anzulegen. Er beſchwerte ſich bey dem GhirlandahoW daß die Bildhauer ſo ſelten waͤren, worauf dieſer ihm den Michael Angelo und G,
0 8 naccio uͤberließ, weil ſolche Luſt zu dieſem Theile der Kunſt bezeigten. Erſterer moch,te gleich einen alten lachenden Faun, in deſſen Munde man alle Zaͤhne wahrnabeagLorenzo hatte einen Gefallen daran, und ſagte aus Scherz, es ware etwas ſeltnes, a