Michel Angelo Buonarotti. 127alte x
Leute alle Zaͤhne ſo beyſammen haͤtten, worauf der junge Kuͤnſtler einen Zahn be-zende wegnahm, daß es ſchien als wenn er ausgefallen ware. Lorenzo gewann ihnbo ſo lieb, daß er ihn zu ſich nahm, als ſeinen Sohn anſahe, ſo gar mit ſeinen Kin-een ſpeiſen ließ, und ſo wohl ihm einen monatlichen Gehalt von fünf Ducaten, alsmen Vater aus beſonderer Gewogenheit einen Dienſt gab. Michael Angelo hatteeinen eignen Schluͤſſel zu der Kunſt Gallerie. Ein ſo guͤtiges Betragen mußte denjungen Kuͤnſtler nothwendig anreitzen, ſich deſſelben wuͤrdig zu bezeigen, und allen Fleißuauwenden, in der Kunſt vollkommner zu werden. Der gelehrte Politianus gab hm8 eitung zu einer Gruppe des Hercules mit den Centauren, welche ſo gut ausfiel,euß man ſie für eine Anticke hatte halten ſollen. Darauf machte er ſich an ein Mari-enbild, worinn er der Manier des Donati nachahmte, ihn aber in der Grazie weit0 af. Er zeichnete einige Monate die Gemaͤlde bey den Carmelitern ab und zogl dadurch den Beyfall aller derer die ſeine Arbeit ſahen zu. Die vorzügliche Ach-ung, und die Geſchicklichkeit im Bildhauen, verurſachten unſerm Michael Angelo vieleeider unter ſeinen Mitſchuͤlern, inſonderheit hatte ein gewiſſer Torregiano einenheimli en Groll auf ihn geworfen, und ſuchte Gelegenheit Haͤndel mit ihm anzufan-, Er ſtelſte ſich als wenn er mit ihm ſcherzen wollte, und ſchlug bey dieſer Gele-genheit dem Michael Angelo die Naſe entzwwey, welches man Lebenslang an ihn ſahe.dem unſer Kuͤnſtler vier Jahre bey ſeinem Gönner Lorenzo geweſen, verlohr erſolchen urch den Tod; aber auch ſein Sohn, der junge Medicis erhielte jederzeit eine ſol-che chtung fur ihn, daß er nie etwas von Kunſtſachen kaufte, ohne ihn um Rath zufragen. Michael Angelo begab ſich darauf einige Zeit zu ſeinem Vater, und machte10 deſſen Behauſung einen vier Ellen hohen Hercules, der nach Frankreich an den Koͤ-ig Franz!. kam, und fuͤr ein herrliches Stuͤck angeſehen wurde.
Als die mediceniſche Familie aus Florenz vertrieben wurde, hielte ſich Michael An-95 5 nicht gar zu ſicher, weil er ein ſtarker Anhaͤnger des Hauſes war, und unter—a est
viel; vegen eine Reiſe nach Bologna und Venedig. Wie er daſelbſt aber nichtcdu thun
fand, kehrte er wieder nach Florenz zuruck, und verfertigte einen ſchoͤnenbe in Lebensgröͤſſe; einen andern, der ſo gut gerathen war, daß ihn viele fuͤr antick
vergrub jemand in ſeinem Weinberge, ließ ihn nach einiger Zeit wieder aus-
8500 und ertouffe ihn ale antick an den Cardinal St. Giorgio um zwey hundertkaten. Wie dieſe Begebenheit bekannt wurde, ließ ihn gedachter Cardinal gleichrömiſch en kommen, und er blieb ein Jahr da, ohne ſonderliche Arbeit zu erhalten. 5Spannen Edelmann Galli beſtellte bey ihm einen Cupido und einen e zehenjunger E. boch mit einem Trinkgeſchirr in der Hand, nebſt e en, welche einmünn Satyr zu eſſen verſucht. Man ſahe daraus ſeine Stärke im Ausdruck jungerd licher und fleiſchigter Koͤrper. Hierdurch wurde der Cardinal Rohan um ein Ge-dem dab in Rom zu ſtiften, bewogen, eine Maria, welche einen todten Chriſtum aufchooge hat, bey ihm zu beſtellen. Die Figur des letztern gerieth ſehr meiſter-
wurfe ie Muskeln, Knochen, und alle Theile waren vortreflich gezeichnet. i Einigere, en ihn vor, daß das Geſicht der Maria in Vergleichung mit Chriſto zu jung wa-es ſchudere ſagten aus Neid er habe es nicht ſelbſt gemacht, darum gieng er hin, alsdes z„ain der Peterskirche ſtund und grub ſeinen Namen in den Saum des Klei-
er Maria ein.
Wonder Ruf ſeiner Geſchicklichkeit hatte ſich nunmehr uͤber ganz Italien ausgebreitet,zubent— wurde er nach Florenz verlangt, umeinen Block von Marmor neun Ellen hoch
beiten, woraus Soderini verſprochen, einen Rieſen zu bilden, ihn aber ſo verdorbene daß ſich niemand getrauete, etwas damit anzufangen. Michael Angelo verfertigte
erſt