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Michel Angelo Buonarotti. 129

ſic aber zu, daß der Pabſt wichtiger Geſchaͤfte halben, ihn hatte etliche mal abweiſenlaſſen, welches er als eine Geringſchaͤtzung aufnahm, und dem Pabſt wiſſen ließ, daßr an einem andern Orte anzutreffen ſeyn wuͤrde, worauf er dieſelbe Nacht mit deri avon reißte, und ſeinen Leuten befahl, alles an die Juden zu verkaufen. Eswurden gleich fuͤnf Couriers nachgeſchickt, die ihn theils mit guten Worten, theils mitDrohungen zur Ruͤckkehr bewegen ſollten, allein ſie richteten nichts aus.

Er beſchäftigte ſich darauf drey Monate mit dem obgedachten Saal in Florenz, wieWaber merkte, daß der Pabſt mit Ernſt auf ſeine Ruͤckkunft beſtund, und von denFlorentiner ſo gar die Auslieferung verlangte, gerieth er auf den wunderlichen Ein-0 nach Conſtantinopel zu fluͤchten, um den tuͤrkiſchen Kayſer ſeine Dienſte anzubie-an. lein ſein Freund Soderini wuͤrkte es aus, daß er zum Gefolge des CardinalsSoderini des Geſandten kam, wo ſeine Perſon ſicher war. Auf dieſe Art nun gienger nach ologna, wo ſich Julius II. eben damals aufhielte. Er that demſelben ei-9 Fußfall, und bat um Verzeihung. Der Biſchof, welcher ihn fuhrte, glaubte

gut zu machen, und ſagte: man muͤſſe dergleichen Leuten, die auſſer ihrer Kunſt

lichts verſtuͤnden etwas zu gute halten. Der Pabſt gab dieſem aber wegen ſeiner

walten Entſchuldigung einen ſtarken Verweis, und foͤhnte ſich mit Michael Angeloer aus.

Das erſte was er darauf unternahm, war die Statue Julius II. in Kupfer fuͤnfEllen hoch, welche uͤber die Kirchthuͤre von St. Petronio geſtellt wurde. Dieſe Sta-0 wurde nachmals an den Herzog von Ferrara verkauft, der den Kopf behielte, aus08 ubrigen aber Geſchuͤtz gießen ließ. Nach der Ruͤckkehr des Pabſts nach Rom ſetz-5 ihm der Baumeiſter Bramante, der ein Freund Raphaels, und folglich unſerm Kuͤnſt-er nicht gewogen war, in den Kopf, es ware nicht gut bey ſeinen Leben ſchon an dasrab zu denken er moͤchte dem Michael Angelo, lieber ſtatt des Begraͤbniſſes die Aus-ſihrung der Srtiniſchen Kapelle auftragen. Man hofte ihn dadurch einigermaſſen zu ſtuͤr-der weil er ſich durch das Grabmal gar zu ſehr in die Gunſt des Pabſtes geſetzt haben wuͤr-2 inter der Zeit kam unſer Kuͤnſtler ſelbſt von Bologna nach Rom, und ſuchte erſt die

11 von ſich zu ſchieben und auf den Raphael zu bringen, weil er wuͤrklich weit mehr Nei-as zur Bildhauerkunſt hatte, und zu dem in der Freſco Malerey nicht ſehr geuͤbt5 Wie er endlich ſahe, daß alle ſeine Muͤhe vergebens war, verſchrieb er ſich ei-80 Künſtler aus Florenz, die ihm bey einer ſo weitläufigen Unternehmung huͤlflichee and leiſten ſollten. Es kamen auch verſchiedene, allein als er ihnen nach ſeinen indeſ-105 n, Stande gebrachten Carton einige Proben machen ließ, war er mit ihrer Male-ale licht zufrieden, und ſchickte ſie wieder zuruck. Er grif nunmehr das Werk ganzd. an, verſchloß ſich allemal in der Kapelle, ſo daß keine Seele, auch nicht einmalfa Pabst ſelbſt, ſo gern er auch wollte, etwas von ſeiner Arbeit zu ſehen bekam. An-bens wollte ihm die Malerey auf naſſem Kalk nicht gelingen, und das Werk wäregeanabe liegen geblieben, wenn ihm nicht Julian von St. Gallo einigen guten Rathla eben hatte. Wie die eine Haͤlfte fertig wat, hatte der Pabſt gar zu groſſes Ver-

agen die Arbeit zu ſehen, weswegen das Geruſt weggenommen wurde. Bey derdare enheit lief jedermann hinzu, unter andern auch Raphael, der groſſen Nutzendiele zog, indem er ſeine Manier in Anſehung des nackenden und der Muskeln uman es dadurch verbeſſerte. Bramante lag hierauf den Pabſt an, durch Raphaeln die1 Helfte malen zu laſſen. Dieſer ſahe aber wohl ein, daß er das Werk keinem beſ-fim Meiſter als dem Michael Angelo anvertrauen konnte, und bat ihn daher nicht zu

men, damit das uͤbrige auch fertig wuͤrde. Der Kuͤnſtler wandte auch ſeinen*

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