130 Rap. 15. Taddeo Zucchero und
ſten Fleiß an, und brachte den andern Theil ohne jemandes Beyhülfe in zwanzig Mong-ten zu Stande, wofür er drey tauſend Kronen zur Belohnung erhielte. g
Wie das Werk fertig war, erſtaunte jedermann uber die groſe Manier uberdie maͤnnliche Zeichnung, und uͤber die tiefe Kenntniß der Zergliederungskunſt. Die Com-poſition war vortreflich und zugleich fuͤrchterlich, nur ſchien es, daß der Kuͤnſtler zu ſehrverdrehte Wendungen, und ſtarke muskulöſe Korper liebte, und daher hart wurde/und daß er um ſeine Kunſt im nackenden zu zeigen, die Beſcheidenheit aus den Augenſetzte, weswegen einer der folgenden Paͤbſte, wie oben gedacht worden, uͤber die an-ſtoͤſſigſten Figuren Gewaͤnder malen ließ. Das Werk iſt jederzeit als ein Muſter derKunſt angeſehen worden, und eine Schule geweſen, woraus junge Maler viel gelernhaben. Die ganze Vorſtellung iſt auf vielen Blättern in Kupfer geſtochen worden.
Wie der Pabſt dieſes Werk vollendet ſahe, fieng er von neuem an, auf ſein Grab-mal zu denken, daher ſeine Nepoten dem Michael Angelo auftrugen, daſſelbe wiedermit allem Ernſt anzugreifen, allein der Pabſt ſtarb daruber; ſein Nachfolger LeoX. war zwar auch ein Liebhaber der Kunſt, er wollte aber lieber ſeine Vaterſtadt da-durch auszieren, als ſeines Vorgaͤngers Grab mit groſſen Koſten ausfuͤhren. Er liedeswegen durch unſern Kuͤnſtler viel Marmor zu einer neuen Vorderſeite von St. Lorenzoaufkaufen, und Modelle in Wachs verfertigen, allein er erlebte die Ausfuͤhrung ſeinesVorhabens nicht. Adrian VI. liebte die Kuͤnſte nicht, allein ſo bald Clemens VI. zulRegierung kam, wurde Michael Angelo nach Rom gefordert, um ſich mit ihm wegendes Baues der Sacriſtey und Bibliotheck von St. Lorenz zu bereden; ſo wollte er audas Begraͤbniß der von Medicis, als ſeines Stammhauſes, gern geendigt haben. erKuͤnſtler mußte deswegen gleich wieder nach Florenz zuruͤck. Die Baukunſt an erBibliotheck iſt herrlich, und ein Muſter⸗ wie man ſich nach dem Geſchmack der altenrichten muͤſſe, ohne ihnen ſclaviſch zu folgen. Sie iſt edel und zierlich, ohne nachArt vieler neuern mit Zierathen und eigenſinnigem Schmuck uͤberhäuft zu ſeyn. Unterder Zeit daß er die Aufſicht über dieſen Bau fuhrte) arbeitete er auch an ſieben Sla-tuen zu der Begraͤbniß Kapelle von Lorenzo, worunter inſonderheit ein Marienbild zubemerken, welches das Kind auf der Schooß hat. Es iſt zwar nicht voͤllig geendigt,aber doch vortreflich. Ferner die vier Tageszeiten und die beyden Bilder der Gro bherzoge Julian und Lorenz. Hauptſäͤchlich wird die Statue der Nacht bewundert.
Ein gewiſſer Dichter machte darauf die ſchmeichelhaften Verſe.
La notte che tu vedi in ſi dolci attiDormir, fu da un Angelo ſcolpita
In queſto ſaſſo: e perche dorme ha vitaDeſta la ſe nol credi, e parlera ti.
Michael Angelo machte aus dem Stegereife dieſe Antwort. Die Statue redet ·
Grato mi è il ſonno, e piu Peſſer di SaſſoMentre che il danno e la vergogna dura.Non veder, non ſentir mi e gran Ventura.pero non mi deſtar: Deh parla baſſo.
Die Verſe zielen auf die damaligen unruhigen Zeiten in der Stadt Florenz.Er