Michel Angelo Buonarotti. 131
8. Er wuͤrde mit dieſer Arbeit fortgefahren ſeyn, wenn nicht die Belagerung vonNorenz Hinderniſſe in den Weg gelegt haͤtte; denn anfangs brauchte man ihn bey derauslagerung als einen Bauverſtaͤndigen. Als er aber ſahe, daß ſeime Hufe doch nichtsſelbſchten wurde, begab er ſich heimlich mit ſeinem Schuler Mini nach Ferrara, 1
ſt er von dem Herzoge ſehr höflich empfangen ward; Alphonſus zeigte ihm alleſes ch achen, unter andern ſein Bild von Tizian, hielte ihn frey, und bot 15 groſ-eine ye wenn er in ſeiner Reſidenz arbeiten wollte allein er ſchlug alles aus, 51h Reiſe nach Venedig zu thun. Er hatte ſich noch nicht lange da aufgehalten, 57 er einen Brief uͤber den andern mit Bitten ſeinem bedraͤngten Vaterlan edas dle zu eilen. So bereitwillig er ſich dazu finden ließ, ſo ſchwer war es durch10 teuger der Belagerer zu kommen. Es gelang aber gluͤcklich, und Michael Ange-ben 9 vieles zur Vertheidigung der Stadt bey, ſie mußte ſich aber endlich doch erge-und Un er Kuͤnſtler hatte ſich etliche Tage verborgen gehalten, man fand ihn aber,1. rachte ihn zum Pabſte, der ihn ganz gnädig aufnahm. Wahrend der Belage-Her lte Michael Angelo eine Leda fuͤr den Herzog von Ferrara gemalt. Derma c ſchickte einen Edelmann ab ſolche zu holen, dieſer verachtete das Bild unddieſer e den Kuͤnſtler dadurch ſo boͤſe, daß er es ſeinem Schuͤler Mini ſchenkte. Wieanden ge Dgehends damit nach Frankreich kam, verkaufte er es daſelbſt ſehr theuer
onig.
Nach Stillung der Unruhen mußte Michael Angelo wieder bey der Bibliotheck00 Capelle von 8 anfangen; inzwiſchen wurde er auch beſtändig von dem Her-45 von Urbino angetrieben das Begräbniß, wozu er vom Pabſt Julius ll. ſechzehnunser zuonen empfangen hatte, zu endigen. Wie Clemens VII. ſtarb, 3ſo bie Kun ler etwas mehr Ruhe zu bekommen, allein der folgende Paul III. hielte e 085 lauf ihn, und verlangte ſo gar er ſollte fuͤr niemand anders arbeiten. Er berfer-
den Garauf die Statuen der Rahel und Lea, welche nebſt dem Moſes, deſſen bereitsehnung geſchehen nach St. Pietro in Vincoli gebracht wurden.
Mechael Angelo trat nunmehr willig in die Dienſte Pauls III. Das erſte war,
0 er ſich wieder an ſein juͤngſtes Gericht machen mußte, weil hin und wieder noched in dieſem groſſen Gemaͤlde fehlte. Er hatte ſich waͤrend der Zeit, daß das Werk ge-keine doch vollkommner in der Zeichnung des nackenden gemacht, und 9einm andre als dergleichen Figuren anzubringen. Der Pabſt beſuchte en eee8 00 bey der Arbeit, und fragte ſeinen Ceremonienmeiſter Biagio von 3 a8ant on em Werke hielte. Dieſer urtheilte im Grunde ſehr richtig- daß die vie——lche Gagen Stellungen das Bild verduͤrben und ſich am allerwenigſten in eine paͤbſt-aus 9 pelle ſchickten. Dem Michael Angelo verdroß dieſes dergeſtalt, daß er ihnbat wache nackend, und mit Eſelsohren unter eine Schaar von Teufeln ſtellte. BiagioN r ſehr, man moͤchte dem Kuͤnſtler befehlen, die Figur auszuloͤſchen, es wardamit ergebens, der Pabſt machte vielmehr einen Spaß daraus, und entſchuldigte ſich1 5 daß es nicht im Fegfeuer, ſondern in der Hoͤlle waͤre, woraus keine ErloͤſungEne Pur, aun den Theile, welcher die Hölle vorſtellt, hatte er noch viel zu arbeiten.Menge der Verdammten ſieht man in Charons Schiffe fahren, woruͤber mandie ſebe ler getadelt hat, weil es kein heidniſches Gemaͤlde iſt. Sieben Teufel ſtellendle ben Todſünden vor, welche die Menschen, die zum Himmel gebohren ſind, zurFlei f hab ziehen. Er hatte acht Jahre mit unſaͤglicher Arbeit und unermuͤdetemſe 1 zugebracht; und deckte es am Chriſttage 1541. zur Verwunderung
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