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Siebender Band.
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136 Rap. 16. Vom Franciſco Primaticcio, und

dem Colorit brachte, ohne eine ſchoͤne und richtige Zeichnung zu erreichen, und daherkommt es, daß ſeine weiblichen Korper ſanfte Umriſſe, und liebliche Tinten haben/dahingegen den maͤnnlichen, der feſte muskuldſe Ausdruck fehlt.

Im zwoͤlften Jahre malte er ſchon Bildniſſe, und wußte nicht nur die Aehnlich-keit gut zu treffen, ſondern auch die Haare, Kleider, ſeidne Zeuche, und dergleichenſehr naturlich auszudruͤcken, ſo daß man ſeine Arbeit fuͤr die vom Giorgione hielte.Nach etlichen Hiſtorien fuͤr das deutſche Haus, malte er eine Flucht in Egypten mieiner ſchoͤnen Landſchaft, woraus man ſahe, daß er in dieſem Theile der Malerey be-ſonders gluͤcklich werden wuͤrde. Weil die Niederländer ſchon damals anſiengen, gukeLandſchaftsmaler zu werden, ſo hielte er einige derſelben in ſeiner Wohnung, die fütihn arbeiteten. Er mußte um dieſe Zeit fuͤr einen reichen Niederlaͤnder viel verferti-gen; als: ein ſchoͤnes Ecce homo, worauf er ſelbſt viel hielte; ein Marienbild nevielen Figuren, welche alle Portraits waren; einen betenden Johannes den Taͤuferin einer treflichen Landſchaft. Weil Tizian beſtaͤndig in ſeiner Kunſt zunahm, und wiegedacht, viel von des Giorgione Manier beybehielte, ſo wuͤnſchten einige aus Irthumindem ſie die Gemaͤlde verwechſelten dem letztern Meiſter Gluͤck, daß er ſich ſo gebeſſerthatte; welches er aber ſehr uͤbel nahm, auf den Tizian neidiſch wurde, und alle Ge-meinſchaft mit ihm aufhob.

Im Jahr 1808. ließ er verſchiedene geiſtliche Geſchichte von Adam und Eva, denTriumph Chriſti, die Bildniſſe der Patriarchen und Propheten, nach ſeinen Zeichnul-gen in Holzſchnitte bringen, woruͤber man das Urtheil faͤllte, daß der Kuͤnſtler es deRaphael und Michael Angelo bald gleich thun wuͤrde, wann er die Anticken in Rom ſtu-dirte. Man ſieng nunmehr an Tizians Arbeiten auch auſſerhalb Venedig zu ſchätzelin Vicenza ließ man auf naſſem Kalk einen Audienz Saal, und zu Padua die Schuledes heiligen Antonis durch ihn malen. Nach dem Tode ſeines ehemaligen Lehrers Ve.lint trug der Rath zu Venedig ihm auf, den von jenem angefangenen groſſen Verſamm-lungsſaal zu endigen, worinn die Geſchichte, wie Pabſt Alexander 10. den Kayſer Fri,derich vor der Marcus Kirche mit dem Fuſſe auf den Hals tritt, vorgeſtellt wir öder Rath gab ihm deswegen einen jaͤhrlichen Gehalt von drey hundert Kronen.

Darauf begab er ſich an den Hof des Herzogs Alphonſus J. nach Ferrara, umgleich,falls ſeines Lehrers angefangenes Bachusfeſt zu volſenden. In einem Schlafgemachmußte er uͤberdieſes noch drey Bilder verfertigen, welche er ganz vortreflich ausfuͤhrle-das erſte war die ſchlafende Ariadne, die von vielen Bacchantinnen umgeben, unddem Theſeus, der in ein Schif ſteigt, verlaſſen wird. Das andre der Triumph des Bolchus in Indien, wo er die verlaßne Ariadne findet, und ſich in ſie verliebt. Er ſihlauf einem von Pantherthieren gezogenen Wagen, unter einem groſſen Gefolge 90Bacchanten, Satyren und Faunen, die ihn mit Muſick und ihren Staͤben begleiten.Er iſt jugendlich ſchoͤn, wie die Alten ihn abbilden, und wie ihn Marino in ſeinem Ado-ne beſchreibt. 5La bella fronte gli adorno naturaDi gentil Maeſta, d'aria Celeſte,

Dolce color di fragola matura

Gli facea roſſeggiar le guancie honeſte,

Nella bocca ridea la grana pura.

Tra ſchiette perle in doppio fil conteſte;

Ne quivi avea la roſa purpurinaProdotta ancor la ſua dorata ſpina.