138 Nap. 16. Vom Franciſco Primaticio,
und verſchiedene Heiligen von ihm an. Zu St. Nieolai machte er den Heiligen dieſesNamens in biſchoͤflichem Ornat, nebſt den Heiligen Franciſcus, Catharina, und Se-baſtian. Dies iſt eines ſeiner ſchoͤnſten Bilder, das er ſelbſt auf einem Holzſtock ab-zeichnete, und nachher ſchneiden ließ. Zu St. Rochus einen Chriſtum, der das Kreutztragt, und von einem Juden mit einem Strick um den Hals fortgezogen wird. Dieſes Bild wird von andächtigen Seelen ſehr fleiſſig beſucht. Zu St. Maria Magglosre einen ſchoͤn colorirten Johannes in der Wuͤſten, wobey die Landſchaft vornaͤmli
zu betrachten iſt. Zu St. Giovanni und Paolo das berühmte Gemaͤlde von Peterdem Maͤrtyrer, den ein Soldat am Kopfe verwundet hat. Aus ſeinem Geſichteleuchtet die Furcht fuͤr den Tod hervor, ein anderer Moͤnch ſucht ſich mit der Fluchtzu retten, unter der Zeit, daß zwey Engel aus den Wolken daher fahren, und miteinem Blitze die ganze Landſchaft erleuchten. Man halt dies Bild in Anſehung deColorits, der Landschaft, des Lichts und Schattens fuͤr eines der vornehmſten vom8 daher es nicht nur vielfaͤltig copirt, ſondern auch einige mal geſtochen wor-
In dem Pallaſte des Doge von Venedig hat er ſein Andenken durch verſchiede-ne Bilder geſtiftet, worunter beſonders die groſſe Schlacht im Verſammlungsſaal,des Raths, und in dem daran ſtoſſenden ſogenannten goldenen Saal Chriſtus, der miCleophas und Lucas zu Tiſche ſitzt, zu rechnen ſind. In der Schule della Caritaſieht man von ihm eine Maria, welche die Treppe hinanſteigt, nebſt andern Figuren/die lauter Portraits damals lebender Perſonen ſind. Zu Fantino malte er einenbuͤſſenden Hieronymus, welcher aber mit der Kirche verbrannte. Im Jahr 1530:mußte er Kayſer Carl V. zu Bologna abermals gewafnet in Lebensgröſſe abmalen/wofuͤr er tauſend Goldkronen empfieng.
Der Maler Pordenone hatte zu Venedig unter den Vornehmen viele Gönner/welche deſſen Arbeit in dem Saal de Pregadi ſehr erhoben, und wuͤnſchten er moͤch-te mit Tizian in die Wette malen. Zu dem Ende muſte er in der Kirche von Johannes dem Almoſenier, wo Tizian vorher dieſen Heiligen, im biſchoͤflichen Ornat gemalt/auch ein Gemaͤlde verfertigen, aber alles angewandten Fleiſſes ungeachtet, fiel das ſei-nige doch bey weitem nicht ſo gut aus. Fuͤr St. Maria bey den Engeln zu Murano hatteer eine Verkuͤndigung, vermoͤge des geſchloſſenen Kaufs fuͤr fuͤnf hundert Kronen geliefert, als man ihm aber ſolche nachgehends weigerte, ſchickte er ſolche auf AnrathenPeter Aretins an Carl V. der ihm zwey tauſend Kronen davor bezahlte. Vermuth-lich iſt es die Verkuͤndigung, wo die Engel uͤber zwey Saulen mit dem Wahlſpru-che des Kayſers Plus ultra ſchweben. Nachgehends mußte er den Kayſer, welchernach Bologna gekommen war, um ſich mit Pabſt Clemens VI. zu unterreden, abe 0mals in ungariſcher Kleidung, ingleichen den Cardinal Hippolyt von Medieis und a 5dere abmalen. Um die Zeit malte er auch ſeinen Freund, den beruͤchtigten Peter Are!tino, welcher ihn nach Mantua zum Herzoge brachte. Dieſer ließ nicht nur ſich Uſeinen Bruder, ſondern auch die Bildniſſe der erſten zwoͤlf romiſchen Kayſer dureunſern Kuͤnſtler ausarbeiten. Julius Romanus verfertigte nachgehends unter jedeBildniſſe, eine ſich auf den Kayſer beziehende Geſchichte ſeines Lebens.
Zu Cador ſeiner Vaterſtadt, machte er ein Marienbild, nebſt dem Biſchofe 2.zian, und ſich ſelbſt nach dem Leben kniend, zu Ferrara ein trefliches Bildniß vomPabſt Paul dem II. zu Urbino den damals regierenden Herzog Franciſcus Maria, wosuͤber Peter Aretino ihn mit einem Sonnet beehrte. In des Herzogs Sammlung 175
man noch andere Gemaͤlde von der Hand unſers Kuͤnſtlers, als ein paar Frauen i