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Siebender Band.
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140 Rap. 16. Vom Sranciſco Primaticcio,

Magdalena, mit aufgehabnen und thraͤnenden Augen, und zerſtreuten Haaren. DerAusdruck war vortreflich, und das Geſicht vollkommen ſchoͤn, doch ſo, daß es mehrrührte als reizte. Das Bild war anfangs für den König in Spanien beſtimmt, eiLiebhaber kaufte ſolches, daher der Kuͤnſtler eine zweite fuͤr den Koͤnig malte.

Es wäre unmoͤglich, und auch eines theils zu weitlaͤuftig ein Verzeichniß allerſeiner Bildniſſe und uͤbrigen Werke herzuſetzen. Seine Sachen ſind durch eine Men-ge von Kupferſtichen der Welt bekannt gemacht worden, und machen uͤber fuͤnf hundert Blätter aus, davon Cort, Bonaſone, Matham, und andere viel geſtochen, 50den Holzſchnitten hat Tizian zum Theil ſelbſt die Zeichnungen auf den Stocken ent⸗ fworfen; und werden darunter inſonderheit einige Landſchaften geſchaͤtzt.

Er mußte einmal zu Kayſer Carl V. eine Reiſe nach Augſpurg thun, bey dieſerGelegenheit verfertigte er daſelbſt verſchiedenes fuͤr den Graf Fugger, dafuͤr er dreytauſend Kronen zum Geſchenk erhielte. Ferner ein beruͤhmtes Familiengemaͤlde derPeroimer, welches ſehr reiche Kaufleute waren, ingleichen ein Bild, welches die dreymenſchlichen Alter vorſtellte, und nachgehends an die Koͤnigin Chriſtina nach Rokam. In demſelben hatte er in einer anmuthigen Landſchaft junge ſpielende Kinder, einen jungen Hirten, dem ſeine Hirtin eine Pfeife reicht, und endlich einen krum-gebuͤckten Alten mit kahlem Kopfe, der auf einem Kirchhofe einen Todtenkopf in derHand haͤlt, abgebildet.

„Nicht lange vor ſeinem Ende ſieng Tizian fuͤr die Kirche St. Pantaleon, ein Ge-maͤlde von der Abnehmung vom Kreutze an, brachte es aber nicht zu Stande, ſonderbefahl, daß Jacob Palma es nach ſeinem Tode ausmalen ſollte. Palma uͤbernahmes auch, doch mußte er auf ausdruͤcklichen Befehl der Republick, Tizians Namendarauf ſetzen. Eines der letzten und beruͤhmteſten Stuͤcke unſers Kuͤnſtlers, war daheilige Abendmal ſieben Ellen lang, fuͤr den Konig in Spanien, worauf er groſſen Fleißwandte. Er hinterließ ſonſt noch verſchiedene unausgemachte Dinge. Obgleichdie meiſten ſeine erſte Manier mit Recht fuͤr die beſte hielten, ſo war Tizian docganz anderer Meinung, ja er gerieth ſo gar auf den wunderbaren Einfall, einige ſei-ner erſten Arbeiten, weil ihm das Colorit zu ſchwach duͤnkte, wieder vorzunehmenaufs neue zu uͤbermalen und auszubeſſern. Im Anfange verdarb er einige Stuckedurch dieſen uͤbel angebrachten Fleiß, wie aber ſeine Schuͤler und Freunde ſahen/daß er nicht davon abzubringen war, ſo miſchten ſie heimlich Baumdl unter ſeine Fa“ben, welches nicht trocknet, und wiſchten in ſeiner Abweſenheit wieder weg, waszuvor gemacht hatte; und dadurch wurden verſchiedene Sachen gluͤcklich erhalten.

Tizian erreichte ein ſehr ruͤhmliches Alter, indem er von jedermann geehrt, volallen Vornehmen und Kuͤnſtlern beſucht, und von vielen Potentaten geſchätzt, wurde,Auſſer dieſem Glücke genoß er eine dauerhafte Geſundheit, und hatte ſein Leben vermuthlich noch etwas hoͤher gebracht, wenn er nicht von der im Jahr 1576. wuͤtendelPeſt waͤre angegriffen worden, woran er im ſechs und neunzigſten Jahre daſſelbige endi-gen mußte. Man ſahe ſich dieſes Umſtandes wegen zwar gendthigt, ihn in aller Stilsin die Kirche dei Frati zu bringen, doch wurde ihm daſelbſt auf Befehl der Regierung einpraͤchtiges Leichenbegaͤngniß gehalten; und ſein adeliches Wappen, auf ſein Gra 96.ſetzt. Sein Name wird der Kunſt beſtaͤndig heilig bleiben, und ſeine Werke werden 5Anſehung des Colorits, ſo lange es die Zeit erlaubt, jederzeit vorzuͤglich geſchäßzt wer,den, und auch noch ſpaͤter muß ſein Nachruhm bluͤhen, daher man mit Recht volihm geſagt hat:

Aera