146 Rap. 17. Von Tizians Bruder und Sohn, von dem
nern Werken, brachte er vor ſeinem zwey und dreißigſten Jahre zu Stande. Zu St.Paolo ſieht man Chriſtum unter den Zoͤllnern; eines ſeiner merkwuͤrdigſten Stuͤcke,welches Sanredam in Kupfer geſtochen.
Calliari hatte nunmehr ein groſſes Verlangen ſeine Eltern einmal zu beſuchen, des-wegen nahm er eine Reiſe nach Verona vor. Der daſige Aufenthalt war aber keinesweges der Ruhe gewidmet, ſondern er machte in dem Kloſter von St. Nazaro vieArbeit in dem Speiſeſaal; und inſonderheit eine Maria Magdalena, wie ſie unſerm Er-loſer die Fuͤſſe waͤſchet. In der Figur dieſer busfertigen Suͤnderin herrſcht eine unnach-ahmliche Anmuth, weswegen der Cavalier Ridolfi es copiren und nach Flandern ſchi-cken muͤſſen. Die Haltung und die Nebenzierathen in dem Gemaͤlde waren vortreſ-lich. Ueberhaupt beſaß Calliari darinn eine Starke, daß er erſtlich ſeine Compoſikic-ee nen, ſo reich ſie auch waren, nicht mit Figuren uͤberhaͤufte, oder ſie wenigſtens alle-e mal ſo stete, daß ſie einander nicht hinderten. Er verſtund die Regeln der Pee. ſpectiv ſehr gut, und wußte ſolche nicht nur auf die Gebaͤude, ſondern auf alle Theile
e des Bildes anzuwenden, und durch eine geſchickte Haltung dem Gegenſtande den ge-hoͤrigen Ausdruck zu geben.
0 Wie er wieder nach Venedig zuruͤck gekehrt war, gieng er bald darauf in dem Ge-„ folge des Grimani, der als Geſandter an den Pabſt geſchickt wurde, nach Rom, 110 0
die Anticken, und die Werke des Raphaels und Michael Angelo zu beſehen, undein lehrbegieriger Kuͤnſtler zu nutzen Er wandte allen moͤglichen Fleiß an, ſich mit denKunſtſachen bekannt zu machen, und zeichnete in der Abſicht viele derſelben ſo glucklichab, daß er die Originale durch ſeine Zeichnungen oft noch zu verbeſſern ſchien. Nieder Zuruͤckkunft in Venedig wurden ihm die meiſten Malereyen in dem Saal der Dieraufgetragen, wo er verſchiedene Götter als den Mercur, den Frieden und den Nep-tun vorſtellte. Wie dieſes vollendet war, ſieng unſer Kuͤnſtler an, Werke fuͤr andere
+5rꝗð Laͤnder und Staͤdte zu verfertigen, und man wird wenige fi denene von allen Orten her ſo viele Arbeiten beſtellt worden. ge Maler finden, bey
Fuͤr die Kirche St. Giorgio zu Verona, malte er die Geſchi inocchio,
wie man ihn zwingen will, den Goͤttern auf Befehl des Wr e we s
er ſtandhaft ausſchlaͤgt, weil er durch das Geſicht der Maria mit den drey theolo-1009 giſchen Tugenden in den Wolken geſtärkt wird. Fuͤr St. Afra in Breſcia, den gee tyrer Tod dieſer Heiligen, wie ſie auf dem Scheiterhaufen mit den zu ihren uſſene liegenden bereits hingerichteten Chriſten verbrannt wird, ein Werk das verdient denStücken Tintorets und Baſſans in ſelbiger Kirche gleich geſchaͤtzt zu werden. 1
damals lebenden groſſen Herrn bemühten ſich um die Wetke, etwas von der Hand ausſers Kuͤnſtlers zu erhalten. Kayſer Rudolph I. beſtellte drey Stuͤcke von der Ge-ſchichte des Mars und der Venus, desgleichen vom Cephalus und Procris bey ihm.e Herzog Carl von Savoyen die Koͤnigin von Saba bey dem Salomon, mit ihren prach-n tigen Geſchenken; und den David, welcher den Goliath enthauptet. Herzog ie helm von Mantua eine Findung des Moſes, von der Tochter des Koͤnigs Pharao. 5e den Grosherzog von Florenz machte er vier geiſtliche Geſchichte in dem Luſtſchloſſe 5CC0•in temino, und fuͤr den Herzog von Modena gleichfalls vier geiſtliche Gemälde. 1e erſte und beſte bildet die Anbetung der drey Koͤnige ab, das zweyte die Hochzeit 5NCNoꝰ—ꝶ!“,ß Cana, das dritte, wie Chriſtus auf den Calvarien Berg gehet, und das vierte e-0 ne allegoriſche Vorſtellung, wie eine venezianiſche Familie ihre Andacht bey der Ma-
N ria hat. Dieſe vier Srͤcke machen gegenwaͤrtig eine Zierde der churfuͤrſtlichen 1i rie zu Dresden aus. 0