Platte 8.
150 Kap. 18. Jacob Baſſano, Licinius Pordenone,
derte. Die Farben ſahen zu Sandrarts Zeiten noch ſo lebhaft aus, als wenn ſie frischgemalt waͤren. Zum Andenken des Kuͤnſtlers lieſet man auf einer dabey befindlichenTafel. Julius Licinius Civis Venetus et Auguſtanus hoc aedificium his picturis n-ſignivit, hisceque ultimam manum poſuit. A. 1561. Der Kuͤnſtler ſtarb nach Vol-lendung dieſes Werks in demſelben Jahre zu Augſpurg.
76. Georg Vaſari.
Georgius Vaſari war im Jahr 1514 zu Arezzo gebohren, und wurde ein ge-ſchickter Maler, Baumeiſter, und der Verfaſſer der bekannten Lebensbeſchreibungenvon Malern. Man muß ihn mit einem aͤltern Kuͤnſtler deſſelben Namens der einBildhauer war, fuͤnf Soͤhne hatte und ſchon 1484, ſtarb, nicht verwechſeln. Er kamſehr jung zu einem franzoͤſiſchen Glasmaler, Namens Wilhelm von Marſeille. Wieman aber ſein Genie merkte, ſchickte ihn der Cardinal Paſſerini im zehnten Jahr naFlorenz zum del Sarto, wo er nach deſſen und des Michael Angelo Zeichnungen ſieungemein fleiſſig uͤbte. Er hatte dieſes Unterrichts noch nicht lange genoſſen, als dieFamilie der Medicis, welche ſich ſeiner angenommen, im Jahr! 527. aus Florenz ver?trieben wurde, und er ſich nach ſeinem Geburtsorte, wo ſein Vater kurz zuvor anPeſt geſtorben, zuruͤck begeben mußte. Er gerieth daſelbſt mit dem Roſſo in Bekannt-ſchaft, und gab ſich alle Muͤhe, ein Gemaͤlde nach deſſen Zeichnung auszumalen.ſchien aber, als wenn ihm das Colorit nicht gluͤcken wollte, deswegen begab er ſichnach Florenz zur Goldſchmids Kunſt, aber auch die verließ er im folgenden 1529. Jah-re, während der Belagerung gedachter Stadt. Er fluͤchtete nach Piſa, wo er voneuem anfieng ſich mit allem Ernſt auf die Malerey zu legen, und verſchiedene Sa henverfertigte. Bey der Kroͤnung Carls V verdiente er ziemliches Geld, und nach einemabwechſelnden Aufenthalte bald zu Arezzo, bald zu Siena nahm ihn endlich der Cardnal Hyppolitus von Medieis mit nach Rom, wo er Gelegenheit fand in der Geſellſchaftvon Salviati zu arbeiten.
Nunmehr waren des Vaſari Wuͤnſche erfuͤllt, ſein Geiſt, der nach nichts als Ehre undRuhm ſtrebte, hatte ein weites Feld vor Augen, in welchem er ſich uͤben konnte. ezeichnete Tag und Nacht alles ab, was ihm nur von ſchoͤnen Anticken vorkam, de;gleichen alle Werke des Raphaels und Michael Angelo, die merkwuͤrdigen Monmente alter Gebaͤude, die beſten neuern Pallaͤſte und Kirchen, kurz ſeinem ſuchendenFleiſſe entgieng nichts, das die Kunſt betraf. Jenes befeſtigte ſeinen Geſchma 1der Malerey, und dieſes machte ihn zum guten Baumeiſter. Wie weit er es in beh-105 1 995 gebracht hat, beweiſen die von ihm hinterlaſſenen Denkmale ſeiner Ge-
icklichkeit.
Wie er ſich faͤhig genug zu ſeyn duͤnkte, ſeinem Beſchuͤtzer, dem obgedachten Car,dinal, Proben ſeines Fleiſſes und ſeiner Dankbarkeit zu liefern, ſo malte er die Venusmit den Grazien umgeben. Das Bild gefiel dem Cardinal ungemein, weil er aber ndeFlorenz reiſen mußte, ſo beſtellte er weiter nichts bey ihm. Der Kuͤnſtler folgte ſernem Wohlthaͤter einige Zeit darauf uͤber Arezzo nach, und wurde von dem 5herzoge nicht nur aufs beſte empfangen, ſondern auch vom Octavianus MedioLebenslang als Sohn geliebet. Hier ſtudirte Vaſari nach den Statuen des MichalAngelo zu St. Lorenzo, und verfertigte zugleich eine Grablegung Chriſti, die der Her“zog ſehr hoch hielte. Er mußte darauf eine Kammer, welche Johann von Udine 1vollendet hinterlaſſen, zu Stande bringen. Als er den Herzog Alexander malte,er zwar das Geſicht ungemein gut, war aber mißvergnuͤgt, daß er dem Harniſche
nichtden Glanz zu geben vermogte, den ein wuͤrklicher, nach welchem er arbeitete/ ft 0