152 Rap. 18. Jacob Baſſano, Licinius Pordenone,
man einen Berg einſtuͤrzen, und einen Leichnam aus dem Grabe ſteigen. Dies Stückerhielte wegen der lieblichen Manier einen allgemeinen Beyfall. Er unternahm darauf ein allegoriſches Bild der Gerechtigkeit acht Ellen hoch fuͤr den Cardinal Farneſe/nach deſſen Endigung gieng er auf eine Zeitlang nach Neapel, und machte verſchiedene 5maͤlde, inſonderheit aber Stuccatur Arbeit, welche damals in dieſer Stadt noch etwa-ſeltnes war. Nach der Zuruͤckkunft mußte er abermals fuͤr jetzt gedachten Cardinaeinen Saal auf naſſem Kalk malen, worinn er zwar viele Geſchichte vom Pabſt PaulIII. aus dem Farneſiſchen Hauſe, ſinnreich vorſtellte, und ſchoͤne Perſpectiven anbrach-te, allein es iſt Schade, daß er nicht mehr Fleiß darauf gewendet, und ſo viel durchmittelmaͤſſige Scholaren arbeiten laſſen. Das weitlaͤuftige Werk wurde in hundertTagen vollendet. Wahrend der Zeit aͤuſſerten einmal einige Gaͤſte an des CardinaleTafel den Wunſch, wie gut es waͤre, eine Geſchichte der beruͤhmteſten Kuͤnſtler zu ha-ben, und weil die meiſten der Meynung waren, daß dieſes am beſten von einem Kunſt-verſtaͤndigen geſchehen konne, ſo fielen ſie deswegen auf unſern Vaſari⸗ der von Jugend auf viele Zeichnungen und Nachrichten von Malern geſammlet hatte. Man thatihm den Antrag, und er nahm die Mühe mit Vergnügen uber ſich. Er wandte vielenFleiß darauf, und brachte einige Jahre damit zu. Das Werk erſchien zum erſtenma
zu Florenz 1568. in Quart, nebſt den Bildniſſen der Kuͤnſtler, deren Leben er ſo ſorg-faͤltig als richtig beſchrieben. Den Werth dieſes Buches beweiſen die wiederholte
Auflagen„davon die neueſte im Jahr 1759. in drey Baͤnden zu Florenz mit ſchoͤne
Zuſaͤtzen von Bottari erſchienen iſt.
Vaſari begab ſich darauf nach Rimini, wo er zu St. Franceſco, dieſen Heiligenwie er die Wunden empfaͤngt; und in einem Kloſter drey Meilen auſſer der Stadt, diAnbetung der heiligen drey Koͤnige malte. Das letzte Werk verfertigte er zur Dank-barkeit, weil der Prior des Kloſters ſein Buch von den Malern hatte ſauber ins reinebringen laſſen. Im Jahr 1555. gieng er nach Florenz, wo er fuͤr den Großherzog 1dem Saal der Elementen eilf Stuͤcke an der Decke, und in einer Kammer die Aufer-ziehung Jupiters, die Arbeiten des Hercules, und andere Dinge malen, und Cartonzu vielen Tapeten zeichnen mußte. i
Es iſt nicht zu beſchreiben was fuͤr eine Menge Sachen er fuͤr das Haus Medicisgemacht hat; der Herzog belohnte ihn aber gar reichlich dafuͤr, ſchenkte ihm den Dieneines Gonfaloniere zu Arezzo, und ein ſchoͤnes Haus in Florenz. Man muß ſi fdern, wie er den groſſen herzoglichen Saal in Jahresfriſt zu Stande bringen koͤnnell.Es ſtehen vierzig beſondere Geſchichte, viele Schlachten, Belagerungen, Bildniſſeund Figuren von ſechs bis acht Ellen hoch darinn abgebildet, und gleichwohl hatte elnur zwey Gehuͤlfen auſſer den Johannus Stradanus. Er war gezwungen, damit 1eilen, weil das Beylager Herzogs Franciſcus mit der Schweſter Kayſers Maximiliansdarinn ſollte vollzogen werden.
Zuletzt diente er dem Pabſt Pius V. und malte in dem ſogenannten koͤniglichen Saalzu Rom einige ſehr groſſe Stucke, als den Sieg zur See uͤber die Tuͤrken bey Lepanto, 5Buͤndniß der Spanier und Venezianer wider die Tuͤrken, wobey ihm ein Niederlander Peter de Witt half. Er uͤbernahm in hohem Alter das juͤngſte Gericht in eiKuppel zu malen, brachte es aber nicht zu Stande, ſondern der folgende Küng,Zucchero muſte es nach ſeinem 1578. erfolgten Ableben endigen. Sein Leichnam 0.de in das Grab ſeiner Vorfahren nach Arezzo gebracht. Vaſari erreichte ein Altevon vier und ſechzig Jahren, und arbeitete bis an ſein Ende mit unaufhoͤrlichem Flachob er gleich Vermoͤgen genug verdient hatte, und es zu ſeinem Lebensunterhalt 5