J. Ludo-viaus.
158 Bap. 19. Von Barozio, Palma, d Arpino, den drey Caracci
behalten. Man findet zwar Geiſt und Feuer in ſeinen Zuſammenſetzungen, aber imAusdruck einzelner Theile fehlt er, ſeine Figuren ſind oft ſchlecht und gezwungen ge-ſtellt, und ſeinem Colorit mangelt das ſanfte und lebhafte.
81. Die drey Caracci.
Das Geſchlecht der Caracci hat ſolche Verdienſte um die Kunſt, daß ſſe billigverdienen richtiger beſchrieben zu werden, als Sandrart es gethan. Man kann ſiemit Recht als Wiederherſteller der Kunſt, die ſeit Raphaels und des Michael AngeloZeiten angefangen zu fallen, oder auf Abwege gerathen war, anſehen. Sie zogeneine Menge groſſer Schuͤler, daher viele eine beſondere Schule, naͤmlich die Bologne-ſiſche oder Caracciſche mit ihnen anfangen.
Ludwig war das Haupt oder der aͤlteſte der Familie, deſſen Vortreflichkeit manauſſer Bologna nicht ſo kennt, als er es verdient, weil man in den Gallerien faſt garkeine Stuͤcke von ihm, hingegen deſto mehr von Annibal Caracci ſeinem Vetter antrift.Er erblickte die Welt im Jahr 1558. zu Bologna, und wurde von einem Fleiſchererzeuget. Der Vater ſchickte ihn zum Proſper Fontana nach Venedig, um die Ma-lerey zu erlernen. Es ward ihm anfangs ſehr ſchwer, ja ſein Meiſter rieth ihm ſogar/auf eine andere Art ſeinen Lebensunterhalt zu ſuchen. Seine Mitſchuͤler nannten ihn wegen ſeiner Langſamkeit oft aus Spott den Eſel; allein er ließ ſich nicht abſchre-cken, ſondern brachte es durch unermuͤdetem Fleiß endlich dahin, daß er vor allen denVorzug erhielt.
Er waͤhlte ſich eine Manier, welche die damals uͤbliche, weit uͤbertraf, und in derFolge das Muſter ward, darnach ſich andere richteten. Anſtatt daß viele Maler blosnach einer gewiſſen Uebung malten, und in der Zeichnung ſich dem Ohngefaͤhr uͤberliesſen, zeigte er in ſeinen Werken eine richtige Nachahmung der Natur, eine gute Zeich-nung nach den Modellen und Statuen, und eine genaue Beobachtung der Regeln derKunſt. Anfangs fand ſeine Manier nicht Beufall, weil die damaligen Künſtler liebernachlaͤſſig zu arbeiten fortfahren, als Ludwigs muͤhſamere Manier annehmen wollten. Al-lein endlich ſiegte das wahre ſchoͤne uͤber das Vorurtheil, Ludwig drang durch, und erſtiftete nebſt ſeinen Vettern nunmehr eine Schule, welche die beruͤhmteſte in ganzItalien wurde. Seine Erfindungen waren ſchoͤn, und die ganze Compoſition edel, erzeichnete feſt und richtig, und malte gute Landſchaften.
Ludwig ward groß, ohne Rom geſehen zu haben. Er begab ſich anfangs zum Paßſignani, der damals in Florenz beruͤhmt war, von da unternahm er eine Reiſe durchdie Lombardie, und zeichnete fleiſſig nach Tizian, Correggio, Parmeſan und JulieRomano. Er ſtudirte auch nach Bagna Cavallo, und Tibaldi, deren jener Raphael!und dieſer des Michael Angelo Manier ſtark nachgeahmet hat. Von allen dieſen Mei-ſtern wußte er mit Klugheit zu waͤhlen, und daraus entſtund ſeine eigne Manier/ 0er dem eingeriſſenen verdorbenen Geſchmack entgegen ſetzte. Ludwig mußte mitLeidweſen ſehen, daß ſein Fleiß nicht belohnt wurde, und daß alle andere Küͤnſtler ihnzuwider waren. Seine beyden Vettern Auguſtin und Hannibal hatten es um dieZeit unter ſeiner Anfuͤhrung ſchon ſehr weit in der Kunſt gebracht; weil ſich aber nichtzu verdienen fand, gab er ihnen den Rath eine Reiſe nach Venedig zu thun, um!nach den Muſtern der daſigen Gemaͤlde noch vollkommener zu machen. Nach ihrer 27ruͤckkunft geriethen ſie auf den Einfall einige Stuͤcke in den Kirchen, umſonſt zu ma-chen. Dies gelung ihnen; denn wie man ihre Arbeiten im Vergleich mit andern ſahemerkte man den Unterſchied gar deutlich. Man fieng gar bald an ſie aufzuſuchen lenihn