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Siebender Band.
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162 Rap. 19. Von Barozio, Palma, d Arpino, den drey Caracci/

ſo faͤhigen Schuler zu unterrichten. Annibal war unermuͤdet, und weil er einen lebehaftern Geiſt hatte als der langſame Auguſtin, ſo faßte er alles weit hurtiger, unkam ihm geſchwinde zuvor. Als ſein Vater ihn mit nach Cremona nahm, um da-ſelbſt ſeine Sachen zu verkauffen, und alsdenn ſich zu Bologna haͤuslich niederzulaſſen/wurden ſie unterwegs beſtohlen. Der junge Annibal hatte ſich die Zuge der Diebegut eingepraͤgt, daß er ſie, wie der Vater die That vor Gericht anzeigte, mit Kohlenan der Wand abmalte, da ſie augenblicklich erkannt, und gefangen wurden.

Hannibal beſaß ein ſonderbares Talent Caricaturen zu zeichnen, oder unter ver-ſtellten und laͤcherlichen Mienen Perſonen vorzubilden, die man doch wegen andrerähnlichen Zuͤge gleich erkannte. Auf dieſe Art ſind viele Koͤpfe in ſeinen 80. 1tern von Handwerkern zu Bologna Portraits damals lebender Leute. Guilini undAlgardi haben ſie geſtochen, und man kennt ſie gemeiniglich unter dem Nahmen.

cris du Carache.

Der junge Kuͤnſtler wollte ſich aber auch auſſer ſeiner Vaterſtadt umſehen/ unddie Werke groſſer Meiſter kennen lernen: deswegen unternahm er eine Reiſe nan wo er eine geraume Zeit den Corregio mit allen Fleiß ſtudirte, und endlich

einem Bruder nach Venedig folgte. Auguſtin machte den Hannibal mit Tintoretl/Paul Veroneſſe, und Baſſan bekannt. Von jedem dieſer groſſen Meiſter wuſte unſer Maler was gutes zu wehlen, und ſeine Manier und inſonderheit das Colorit er-geſtalt zu verbeſſern, daß Ludwig und Auguſtin bey der Zuruͤckkunft nach Bolognadaruͤber erſtaunten, und ihre Manier nach der vom Hannibal verbeſſerten. Er beſaßohnehin ſchon einen hohen Geiſt, und viel Einbildung von ſeiner Geſchicklichkeitallein dies machte ihn noch weit ſtolzer, und ſein Betragen gegen die andern unfreund-ſchaftlich. Annibal hatte einen Kopf voll Erfindung, daher fehlte es ihm nicht nurniemals an edlen Gedanken fuͤr ſich ſelbſt, ſondern er konnte auch ſeinen S uͤlernüberdieſes genug an die Hand geben. Einige behaupten, daß man in Anſehungreichen Erfindungskraft ihm blos den Raphael und Tintoret an die Seite ſetzen ann.Es iſt wahr, er uͤberließ ſich oft dieſem Feuer bis zur Ausſchweifung: wie er aberhoͤrte, daß man an Ludwig und Auguſtin eine kluge Wahl und Ueberlegung ruͤhmte/wollte er ihnen auch dieſen Vorzug nicht einraͤumen, ſondern fieng an, ſeine Ideenmehr zu uͤberdenken, und die Compoſitionen beſſer zur Reife kommen zu laſſen. Hannibal war zugleich ein groſſer Landſchaftsmaler, ein Theil der Kunſt, welchen die Ge-ſchichtmaler gemeiniglich nicht genug achten. Ohne die Antiken geſehen zu haben,bewunderte man ſeine edle Zeichnung und ſeine ſchoͤnen Umriſſe. Zum Beweiſe deſſenerzehlt man folgende Geſchichte. Es iſt bereits oben gedacht worden, daß Auguſtinwegen ſeiner Wiſſenſchaften, in der neuen Academie zu Bologna, die Fabellehre-und andre Dinge vortragen mußte. Weil er nun zugleich ein Dichter war, ſo erklaͤr 1er eines Tages die Geſchichte des Laocoon in ſehr poetiſchen Ausdruͤcken. Hannibezeichnete aus freyer Hand die roͤmiſche Gruppe deſſelben ſo vollkommen an der anddaß jedermann daruͤber erſtaunte: und er ſagte im weggehen, die Dichter malten nulmit Worten, aber die Maler mit dem Pinſel.

Hannibal liebte eine ſchlechte Kleidung, und den Umgang mit ſeines gleicherder Bruder hingegen kleidete ſich weit koſtbarer, und ſuchte die Bekanntſchaft deAdels. Um ihm dieſen Fehler vorzurücken, und ihn an ſeinem Stand zu ermſchickte er den Auguſtin das Bildnis ihres Vaters, der eine Nahnadel einfaͤdeltnebſt der Mutter, die einen Zeug mit der Scheere zerſchnitte.

Unſer