170 Kap. 20. Von einigen MalernDas 20. Kapitel.
Von einigen Malern die zu Rom in dem ſechzehenden Jahr-hunderte gelebt haben.(
87. Hieroym. Muziano.
jeronymus Muzianus ſtammte aus einem adelichen Geſchlechte, wurde zu Aqua) fredda im Breſcianiſchen 1528. geboren. Er lernte die Anfangsgruͤnde der Kunbey einem ſchlechten Meiſter Romanini genannt, gieng aber nachgehends nach Vent?dig, wo er den Tizian fleißig ſtudirte, und ein groſſer Landſchaftsmaler wurde. Datauf beſuchte er Rom, ſtiftete eine genaue Freundſchaft mit Taddeo Zuccheri, und ge-woͤhnte ſich an eine ſchoͤne Manier, die er ſich ſelbſt gewehlt hatte. Seine Zeichnungwar richtig, die Erfindung angenehm: Im Colorit erkannte man den Tizian.Landſchaften, in welche er ſeine Geſchichten oft zu ſetzen pflegte, hatten etwas reizen,des, und kamen der niederlaͤndiſchen Manier naͤher, als man es bey den Italianerngewohnt iſt. Den Kaſtanienbaum brachte er vorzuͤglich an, weil ſolcher wegen der Zbbe.-ge ſeiner Meinung nach ein maleriſches Anſehen hat. Die beſten von ſeinen Landſchaf-ten hat Cornelius Cort geſtochen. Wenige Maler haben ſich ſo viel Muͤhe in Aus-führung ihrer Sachen gegeben, immaſſen er alles nach dem Leben zeichnete, und ſogaldie Gewaͤnder jedesmal uͤber ſeine Modelle hieng. Seiner richtigen Zeichnung halben.trug man ihm auf, die von Julio Romano angefangnen Basreliefs der TrojaniſchenSaule auszufuͤhren.
Fuͤr den Cardinal Eſte mußte er viele Landſchaften malen: und Pabſt Grego-rius XIII. ließ zu den Moſaiken in der gregorianiſchen Kapelle die Zeichnungen durch ihn
machen. Man hatte ihm auch die Erfindung einer neuen Maſſe zu danken, worinmoſaiſche Arbeit beſſer haftete. In der Peterskirche verfertigte er zwey groſſe Bilder/eines ſtellt den Antonio Abbate und Paul den Eremiten in einer Wuͤſte, und das an
dere den heiligen Hieronymus in einer ſchoͤnen Landſchaft vor.
Der Cardinal Farneſe ließ ſeine praͤchtige Villa zu Tivoli, durch ihn, den Tenpeſta, und Fridrich Zuccheri ausmalen, allein unſers Kuͤnſtlers Arbeiten erhielten elnen groſſen Vorzug vor den andern. Die Maleracademie von St. Lucas in Romihm ihre Errichtung zu danken; zu ihrer beſſern Unterhaltung vermachte er ihr im Le,ſtamente einen groſſen Theil ſeines anſehnlichen Vermoͤgens, das er durch Fleiß undArbeit erworben hatte. Er ſtarb im Jahr 1890. und wurde in der Kirche Maria Mag-giore begraben.
88. Ceſare Nebbia.
Ceſare Nebbia, von ſeiner Vaterſtadt auch d' Orvietto genannt, erblickte dieWelt im Jahr 1836. Sein Lehrer war der vorige Maler Muziano, dem er in vArbeiten des Vaticans helfen muſte. Man weiß nicht viel von dieſem Kuͤnſtler,daß Sixtus V. ihn und den Johann Guerra zu Malern annahm, und das meiſte 1
i
ſeiner Regierung durch ihn verfertigen ließ. Er hat vielen folgenden Paͤbſten gedie
(*) Dies ganze Kapitel hat Sandrart aus Carl von Manders Schilderbuch uͤberſezt. Es enthält vielemittelmaßige Maler, welche letzterer zu Rom bey ſeinem Auffenthalte gekannt. Man findet.verſchiedenen ſonſt keine Nachrichten. Wir wollen die Unbekannten aus dieſer Urſache ganz 1anzeigen, und ſie blos herſetzen, um die Reihe der Meiſter, wie Sandrart ſolche numerirt hal
nicht zu unterbrechen. g