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PlatteE. E.

174 Kap. 21. Von einigen beruͤhmten Kuͤnſtlern des 17. Jahrhunderts

ſetz hat. Boſcolo war ein bekannter Künſtler zu Florenz 1553. gebohren, undein Schuͤler des Santo Titi. Er pflegte auf Reiſen in einem Buche alle ſchoͤne Ge-genden abzuzeichnen. Als er dieſes bey der Veſtung Macerata that, ward er als einSpion gefangen, und ſolte, weil man mehr dergleichen Riſſe bey ihm fand gehangenwerden. Wie man ſich aber erkundigte, und erfuhr, daß er es als Maler that, kamer wieder auf freien Fuß. Er ſtarb im Jahr 1606.

Das 21. Kapitel.

Von einigen beruͤhmten Kuͤnſtlern des ſiebenzehenden Jahr-hunderts welche zu Sandrarts Zeiten in Italien gelebt haben.

104. Guido KRheni.

Gio Rheni, deſſen Bildniß erſt auf der Platte E. E. in der dritten Abtheilungvorkommt, wurde 1575. zu Bologna gebohren, und von ſeinem Vater, de.ein Muſikverſtaͤndiger war, in ſeiner zarten Jugend zu dieſer Kunſt angeführt;Als er aber anſtatt auf dem Inſtrument zu ſpielen, beſtaͤndig ſaß und zeichnete, ſchick-te ihn der Vater zum Dionyſius Calvart, wo er in kurzer Zeit in der Maleren ſo zusnahm, daß er Bilder fuͤr ſeinen Meiſter machte, welche dieſer verkaufte, und ihm eineKleinigkeit abgab. Theils aus dieſer Urſache, theils um es in der Kunſt hoher zu brin-gen, gieng Guido von ſeinem Lehrer ab, und trat in die Schule der Caracci.

Er war damals erſt zwanzig Jahr alt. Als er die herrlichen Muſter dieſerMeiſter vor ſich ſahe, ließ er ſich ſolche zur Ermunterung ſeines Fleiſſes dienen. 1ſpannte nunmehr alle Krafte an, um ihnen gleich zu kommen, und es gelung ihm auchſo weit, daß Hannibal eiferſuͤchtig auf ihn ward. Einige Zeit malte Guido in denGeſchmack des Caravagio, wie er aber vom Annibal einmal hoͤrte, daß ein Maler sigewiß beliebt machen wuͤrde, wenn er der ſchoͤnen Natur folgte, und eine dem Cara-vagio ganz entgegen geſetzte Manier annahme: ſo befließ er ſich einer gefaͤlligen*nier. Die Stucke aus ſeiner beſten Zeit haben daher ein helles und ſanftes Coloril.das Fleiſch ſcheint weich und von einer angenehmen Farbe. Man ſieht ſein Genie inden edlen Zuſammenſetzungen, ob man ihnen gleich manchesmal einen kraͤftigen Ausdrücund mehr Feuer wuͤnſchte. Der Ausdruck und die Stellungen ſeiner Koͤpfe ſind vol?treflich und dem Gegenſtande des Gemäldes angemeſſen. Ueberhaupt lobt man an denFiguren eine richtige und edle Zeichnung, beym nackenden einen ſanften Contur/ undan den Gewaͤndern, daß ſie der Natur gemaͤß geworfen ſind. Guido war ein Lieblingdes Ludwig Caracci, und richtete ſich daher auch am meiſten nach deſſen Geſchmack 50ſeinen Anordnungen. Er war in juͤngern Jahren ſo wohl gebildet, daß Ludwig 1oft zum Model nahm, wenn er Engel malte. Guido hat zwar nicht alle Theile deKunſt vollkommen beſeſſen, er bleibt aber allemal einer der groͤſten Meiſter, we nwir haben: und hat eine ihm eigenthuͤmliche Grazie, die er mit einer unnachahmlicheLeichtigkeit in der Manier zu verbinden wuſte.

Zuletzt ward Ludwig uͤber den taͤglich zunehmenden Beyfall des Guido auch 1750diſch; und legte dem jungen Kuͤnſtler verſchiedene Verdrießlichkeiten im Wege, die ihbewogen, die Caracciſche Schule zu verlaſſen, und ſein Brod allein zu verdienen enmalte darauf zu St. Michele in Boſco den heiligen Benedict, welcher von Per 1allerley Standes Geſchenke empfaͤngt, mit ſolcher Kunſt, daß Ludwig daruͤber 5ſtaunte, und den Verdruß erfahren mußte, daß des Schuͤlers Werk dem ſeinigen v0gezogen wurde. In der Folge gerieth Ludwig öfter in denſelben Fall. Der