180 Rap. 21. Von einigen beruͤhmten Kuͤnſtlern des 17. Jahrhunderts
Raphaeln zu zeichnen: legte ſich auch zugleich auf das Kupferſtechen, und brachte verſchiedene Raphaeliſche Gemaͤlde aus dem Vatican in Geſellſchaft des Sixtus Bada-lochio in Kupfer. Er fuchte Raphaels groſſe Gedanken, mit dem Angenehmen de
Corregio zu verbinden: allein es wollte nicht recht gelingen. Er ſchien blos zu groſſenFreſcomalereyen gebohren zu ſeyn: denn ſeine kleinern Stuͤcke erhielten wegen ihre
mittelmaͤßigen Colorits keinen ſonderlichen Beyfall. Als er ſeinen zweiten Lehrmei-ſter Hannibal auch verlohr, begab er ſich zuruͤck in ſein Vaterland, und arbeitetedaſelbſt einige Jahre fuͤr Kirchen und Pallaͤſte. Allein er empfand immer einen in-nerlichen Trieb, Rom wieder zu ſehen: und als er dahin kam, fieng er an, ſeinenRuhm, den er das erſtemal ſchon erworben, noch weit mehr zu befeſtigen und aus-zubreiten. Er verfertigte in der Kapelle Buongiovanni zu St. Auguſtin eine Him-melfahrt Maria, die ihm einen allgemeinen Beyfall erwarb.
Pabſt Paul Vihielt unſern Kuͤnſtler ſehr hoch, und ließ zu Monte Cavallo denMoſes mit der ehernen Schlange, und das Opfer Abrahams durch ihn verfertigen.Er malte ferner fuͤr gedachten Pabſt in der praͤchtigen Begraͤbnißkapelle zu MariaMaggiore die Maria, wie ſie der heilige Ildephonſe das Ordenskleid giebt. Er ſollte— Peterskirche arbeiten, allein durch den Tod des Pabſtes gerieth die Sacheins ſtecken.
Nunmehr trug man dem Lanfranco, zu groͤßtem Verdruſſe des Dominichino, dieKuppel zu St. Andrea della Valle auf: Ein Werk, das als das Meiſterſtuͤck dieſesKuͤnſtlers, und als die ſchoͤnſte Kuppel in ganz Rom angeſehen wird. Es ſtellt dieMaria in den Wolken ſitzend vor, wie ſie ihren Sohn anſieht: Sie iſt mit vielenHeiligen und den Erzvaͤtern des alten Teſtaments umgeben; Chriſtus iſt oben in der La-terne der Kuppel, und von demſelben breitet ſich das Licht uͤber alle Figuren aus. Dieſehalten zwanzig Fuß in der Laͤnge, und ſcheinen von unten doch nur von natuͤrlicher Groͤſſezu ſeyn. In der Nahe ſind ſie, ſo wie alle ſeine Kuppelarbeiten, dergeſtalt gros ge-arbeitet, daß man faſt nichts erkennet: ſieht man ſie aber in der gehoͤrigen Entfernung/ſo bewundert man den kraͤftigen Ausdruck, und die ſehr kenntlichen Zuͤge. Man ſagl/er habe ſich Schwaͤmme ſtatt der Pinſel bedienet. Dies beruͤhmte Werk iſt von verſchiedenen geſtochen, und auch von Sandrart herausgegeben worden. Siehe denſechſten Band dieſer Ausgabe.
Nach Vollendung eines ſo wichtigen Unternehmens ſtritte man ſich gleichſamum den Lanfranco. Er waͤhlte aber den Ruf nach Neapel. Seine erſte Arbeit da-ſelbſt war die Kuppel der Kirche Jeſus, worinn er eine himmlische Herrlichkeit vol-ſtellte. Er brachte ein und ein halb Jahr daruͤber zu: und es iſt zu bedauren/ de idies ſchoͤne Denkmal ſeiner Geſchicklichkeit durch ein Erdbeben gaͤnzlich verdorbenworden, ſo daß Paul Mattei das Gewölbe von neuem malen muͤſſen. Lanfranltwuſte ſich beſſer, als Dominichino, welcher zu gleicher Zeit an der Kapelle des Oo;tzes arbeitete, bey den neapolitaniſchen Malern einzuſchmeicheln: daher ſie uber 5Arbeit nicht neidiſch waren. Er malte auch das Gewoͤlbe bey den Carthaͤuſern, u,in der Kirche der Apoſtel, nebſt noch andern: und zuletzt trug man ihm, nach Donenichins Tode, die unvollendete Kapelle des Schatzes auf. Die Kuͤnſtler zu Neape 5welche bisher allen Fremden zuwider geweſen, waren ihm ſogar behuͤlflich, und davom Dominichino bereits gemachte, wurde wieder von der Decke herunter geriſſen.Blos die Winkel blieben von der Hand des letztgedachten Künſtlers ſtehen und wendieſer darinn eine kraftige Manier beobachtet hatte, ſo wollte Lanfranco ſeiner Mielerey ein aͤhnliches Colorit geben, verfiel aber dadurch zu ſehr ins Dunkle, und 0der Erwartung, die man ſich von ſeinem Pinſel machte, kein Genuͤge. Als