55
0 1 182 Kap. 21. Von einigen beruͤhmten Ruͤnſtlern des 17. Jahrhunderts
ee Gatti geſtochenes Zeichenbuch heraus. Sein Umgang mit den Scholaren war unge-e mein liebreich und nutzbar. Viele vornehme Herren und Cardinale beſuchten ihn,1 bewunderten ſeine Werke, und waren mit der guten Aufnahme zufrieden. Guercinoe that verſchiedene Reiſen in die Staͤdte Italiens, wo man ſeine Arbeit verlangte.N Als er nach Venedig kam, gieng er zum Palma in Geſellſchaft eines Freundes, wel-cher bey Vorzeigung von Guereins Zeichenbuche zu dieſem beruͤhmten Maler ſagte:es waͤre die Arbeit eines jungen Menſchen, der zu ihm in die Schule zu kommenwuͤnſchte. Palma blätterte es durch, und rief endlich voll Verwunderung uͤber dieſchoͤne Kunſt aus: dieſer Schuler verſteht mehr als ich. Wie er aber hoͤrte, daß esGuercino ſelbſt war, empſfieng er ihn ſehr freundſchaftlich. Die Stadt Regioſchenkte ihm eine goldne Kette in Anſehung der Gemaͤlde, welche er fuͤr den daſigenDom verfertigt hatte. Sein heiliger Wilhelm, den er fuͤr die Kirche des heiligenGregorius zu Bologna malte, war Urſache, daß die daſelbſt befindlichen Bilder desLudwig Caracci weniger geachtet wurden.
Guercino liebte Italien dergeſtalt, daß er den Ruf der Koͤnige von Englandund Frankreich als Hofmaler ausfchlug: hingegen gieng er auf Verlangen Grego-rius XV. nach Rom. Er ſollte die Loge, aus welcher der Pabſt den Seegen ertheilet/malen, allein durch deſſen Tod gieng die Sache zuruͤck. Inzwiſchen fehlte es ihm nichtan andern Arbeiten, wodurch er ſich waͤhrend ſeines Aufenthaltes in Rom zeigte ·Unter andern verfertigte er die heilige Petronilla in der Peterskirche, eines der be-ruͤhmteſten Gemaͤlde in der ganzen Stadt, und in der Villa Ludoviſi die Aurora, aunaſſem Kalk, ein Werk, das nicht weniger ſehr bekannt iſt. Zu Maria della Vik-toria ein Gemaͤlde von der heiligen Dreieinigkeit; in der Chieſa nuova den heiligenPhilippus Neri, u. a. m. Nach ſeiner Zuruͤckkunft in Cento machte der Herzog voMantua ihn zum Ritter: Er hielt ſich darauf bald zu Bologna, bald zu Regio unModena auf, und begab ſich zuletzt nach Placenz, um die von Morazzone angefangenKuppel des Doms auszumalen.
So lange Guido lebte, der ſein Rebenbuhler in der Kunſt war, wohnte e zuCento: nach deſſen Tode aber ließ er ſich zu Bologna wohnhaft nieder. Dies warder Zeitpunct, wo er ſeine zweyte Manier waͤhlte: Er ſchafte namlich das dunkle Co-lorit ab, und nahm ein lichteres und angenehmeres an. Die bekannte Koͤnigin Chri-ſtina beſuchte ihn auf ihrer Durchreiſe, nahm ihn bey der Hand, und ſetzte hinzu:ſie freue ſich eine Hand zu beruͤhren, die ſo viel ſchoͤne Sachen hervorgebracht hatte.
Guercino arbeitete mit einer erſtaunlichen Fertigkeit. So wie er eine Sacheanlegte, ſo blieb ſie, ohne daß er ſie ausbeſſerte: er wurde dadurch aber zuweilenunrichtig, und vernachlaͤßigte den Ausdruck. Er war von angenehmen Umgange-und beſaß die guten Eigenſchaften, daß er von niemand uͤbel redete, und die Werkeandrer Meiſter nicht verachtete, noch mit ſcheelen Augen anſahe. Nur konnte ernicht wohl leiden, daß man bey ſeiner Arbeit auf ihm acht gab. Ueber den Tol,ſeines Bruders Anton, der ſein Hausweſen beſorgt hatte, konnte er ſich anfang,auf keine Weiſe kroͤſten. Er hatte demſelben bisher dergleichen Sachen gerne u erla-ſen, und wuſte ſich daher jetzt gar nicht zu helfen. Aus Unwillen wollte er die Ma-lerey liegen laſſen. Der Herzog von Mantua ließ ihn aber zu ſich kommen, und 5ſellte ihm Leute zu, die ihn aufmuntern mußten. Daruber vergaß er endlich ſeinelnSchmerz, und kehrte wieder nach Bologna zu ſeiner Arbeit, welche er bis in 5 5ſechs und ſiebenzigſtes Jahr unverdroſſen fortſetzte. Er ſtarb 1666, und man farenach ſeinem Tode ein anſehnliches Vermoͤgen. Wenige Meiſter haben ſo viel f ier
inte